Ein Krimi mit Überlänge

Spannung, Dramatik – und am Ende zwölf Holz Vorsprung: Das Frauenteam der Kegelfreunde Oberthal hat am Samstag auf heimischer Anlage zum dritten Mal in Serie den Gewinn der deutschen Mannschaftsmeisterschaft gefeiert. Aber sie mussten lange zittern.

Die Sportkeglerinnen der KF Oberthal drückten die Daumen, kauten an den Fingernägeln und schickten das eine oder andere Stoßgebet gen Himmel. Ein paar Meter entfernt hofften und bangten ihre Konkurrentinnen vom KSC Dilsburg . Das Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft am Samstag war zu einem echten Nervenspiel geworden: Die Gastgeberinnen gingen mit zwölf Holz Vorsprung im sechsten und finalen Block auf die heimische Bahn. Zwischendrin schmolz die Führung sogar bis auf drei Holz zusammen. Das Spiel - und damit die Entscheidung um die Meisterschaften - stand auf des Messers Schneide. "Und noch einen, zack, zack", feuerten die Oberthalerinnen ihre Teamkameradin Vera Schwan an. Die konterte gegen die Dilsburgerin Sandra Keller, räumte zwei Mal ab - und sicherte den Sieg. Nach dem letzten Wurf gab es kein Halten mehr. 5249 Holz für Oberthal , zwölf weniger für Vizemeister Dilsburg (5237).

Damit standen die Oberthalerinnen zum dritten Mal in Folge als deutscher Meister fest. Riesenjubel im Kegelsportzentrum, alle stürmten auf Schwan zu. Die war nach dem Thriller zunächst fix und fertig. "Der ganze Druck lag bei mir. Da ich die nervenstärkste Keglerin bei uns bin, hat man mich heute nach hinten aufgestellt", sagte Schwan, die genau wie Keller 872 Holz umlegte.

An Dramatik war der letzte Spieltag der Meisterschafts-Endrunde nicht zu überbieten. "Das war ein sechsstündiger Krimi, es ging hin und her", meinte Kegelfan Josef Kramer aus Bosen. Oberthals Nummer eins, Nationalspielerin Yvonne Ruch, blieb mit 908 Holz unter den Erwartungen. "Ich war richtig schlecht, aber die Mitspielerinnen waren klasse. Am Schluss haben die Mädels alles rausgeholt", freute sich Ruch. Das war zwingend notwendig. Dilsburg Veronika Ulrich (922) holte im Duell mit der Oberthalerin Katja Ricken 38 Zähler auf. "Wir haben alles gegeben, Oberthal hatte am Ende das Quäntchen mehr an Glück und Können", resümierte Ulrich am Ende.

KFO-Damenwart Gerhard Bäumchen hatte so ein spannendes Duell erwartet. "Der Vergleich an den bisherigen Spieltagen mit Dilsburg war immer ganz knapp", sagte er. Am Ende half der Heimvorteil. Die letzten beiden Titel feierten die Oberthalerinnen auf fremden Bahnen. "Für die Mannschaft ist es doppelt schön, die Meisterschaft auf der heimischen Bahn zu holen. Jetzt wird durchgefeiert bis in den frühen Morgen", ordnete Svenja Lambert (873 Holz ) an. Für einen kurzen Moment verschwanden die euphorisierten Keglerinnen in der Kabine und tauschten das schwarze Trikot gegen das neue Meister-Shirt mit der Aufschrift "Triple-Meister, Hattrick".

Hinter den beiden Saar-Teams belegten Preußen Lünen (5039) und der RSV Remscheid (5013) am letzten Spieltag die Plätze drei und vier.

Mehr von Saarbrücker Zeitung