Dorfentwicklungskonzepte waren Thema im Gemeinderat Oberthal

Sitzung : Oberthal will eine Gestaltungsfibel

Auch Privatleute sollen von Projekten profitieren. Wer sein Haus fit macht für die Zukunft, kann die Arbeiten beim Finanzamt absetzen.

Schon im Dezember 2016 haben die Mitglieder des Oberthaler Gemeinderates grünes Licht für das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept, kurz ISEK genannt, gegeben. Kein Wunder, denn es gilt: „Nur wer das Konzept hat, kriegt Fördergelder.“ Diese Regel nannte Hugo Kern, dessen Büro mit den Planungen beauftragt wurde, nochmals in der jüngsten Ratssitzung. Ursprünglich war vorgesehen, dass alle vier Oberthaler Ortsteile in das Projekt aufgenommen werden. Doch inzwischen gebe es vom Ministerium die Aussage, dass nicht alle Dörfer einer Gemeinde berücksichtigt werden könnten. Daher wurde im aktualisierten Plan Steinberg-Deckenhardt herausgenommen. Was allerdings nicht bedeutet, dass dieser Ortsteil leer ausgeht. Ganz im Gegenteil: Er kriegt sein eigenes Projekt, wird in das Dorfentwicklungsprogramm aufgenommen.

Die Ziele sind in beiden Fällen gleich: Die Ortskerne sollen gestärkt, die Wohnqualität soll verbessert werden. Aus diesem Grund werden Privatpersonen gezielt mit ins Boot genommen. Wer innerhalb der ausgewiesenen Gebiete saniert, kann die Kosten dafür bei der Steuer absetzen. Folgende Untersuchungsgebiete sind abgesteckt:

  • In Oberthal umfasst der Bereich 8,9 Hektar und somit Teile der Straße Im Brühl sowie die Bahnhof-, Haupt-, Post- und Römerstraße.
  • In Gronig ist das Gebiet 12,2 Hektar groß. Es liegen darin Teile der Brunnen-, Humweiler-, Momberg-, und Schulstraße sowie Zum Keltenring.
  • In Güdesweiler sind es 14,5 Hektar mit Teilen der Bliesener Straße sowie der Bungert-, Dorf-, Höhen- und Kapellenstraße, der Namborner Straße und der Steinberger Straße. Komplett ins Gebiet fallen die Berg-, Garten- und Weierwaldstraße.
  • In Steinberg-Deckenhardt gehören in das 7,3 Hektar große Gebiet Teile der Walhausener Straße, der Deckenhardter Straße, Zur Brennerei sowie der Güdesweiler-, Hohl- und Hübelstraße.

Wie Hugo Kern erläuterte, gibt es einige Spielregeln, die Privatleute bei der Sanierung beachten müssen. Wer energetische Verbesserungen vornehmen, ein Gebäude barrierefrei umgestalten oder einen ungenutzten Teil abreißen möchte, der kann diese Projekte absetzen. „Solange Firmen mit den Arbeiten beauftragt wurden“, wie Kern anmerkte. Schwarzarbeit funktioniere nicht.

In Gedanken schon einmal durchspielen, was am eigenen Haus verbessert werden kann, diese Stufe ist okay. Für alles weitere bat Kern noch um Geduld. Denn zunächst müsse der Gemeinderat eine entsprechende Satzung verabschieden. Ist diese gültig, gilt es für die Umbauwilligen, ihre Pläne bei der Verwaltung anzumelden. Diese prüft das Projekt und erteilt schließlich einen Grundlagenbescheid, der beim Finanzamt eingereicht werden kann. „Wir wollen den Eigentümern helfen. Wer etwas tut, wird unterstützt“, so der Chef von Kernplan. Er könnte sich auch vorstellen, dass das Projekt junge Familien in die Orte lockt, die mit dem Ausblick auf Steuervorteile ältere Gebäude kaufen und modernisieren.

Wie Bürgermeister Stephan Rausch (CDU) anmerkte, halte er es für wichtig, als Gemeinde eine Gestaltungsfibel festzulegen. „Somit stecken wir ab, was geht und was nicht.“ Damit könne laut Kern verhindert werden, dass Umbauten realisiert werden, die so gar nicht in ein Ortsbild passen.

Der Planungsexperte sieht bei diesem Projekt auch die Ortsvorsteher in der Pflicht. Sie kennen sich in ihren Dörfern aus, wissen, wer welche Sanierungen plant. Die vier Ortsräte sind zu diesen beiden Entwicklungsprogrammen gehört worden. Vier Mal gab es grünes Licht für das Vorhaben.

Und so segnete nun auch der Gemeinderat die vorbereitenden Untersuchungen einstimmig ab, in denen die Sanierungsbedürftigkeit in den jeweiligen Gebieten geprüft werden soll.

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