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SZ-Serie Ein Groniger auf dem Weg ins All: DJ Explornaut erforscht den Techno-Kosmos

SZ-Serie Ein Groniger auf dem Weg ins All : DJ Explornaut erforscht den Techno-Kosmos

Matthias Maurer wird der nächste kosmische Diskjockey auf der Raumstation. Seinen ersten Auftritt hatte er bereits. Zwar legte der Groniger dieses Mal noch auf der Erde auf, dafür aber vor 30 000 Fans.

Feuer-Fontänen schießen aus der Bühne. Fette Bässe wummern durch die Arena. Laserlichter zucken über das Publikum hinweg. Und DJ Explornaut ist mittendrin. Er gibt Vollgas. Im Astro-Anzug und mit Kopfhörern ausgestattet, tanzt er hinter einem Mischpult voller Knöpfe und Schalter. 30 000 Techno-Fans jubeln ihm zu. Sie bewegen sich zum Rhythmus der Musik. Exakt 110 Sekunden lang. Dann ist die Show schon wieder vorbei. „Es war alles vorproduziert. Von daher konnte ich nicht viel falsch machen“, gibt sich Matthias Maurer nach seinem Auftritt bescheiden.

Im Mittelpunkt zu stehen, ist der Groniger Astronaut mittlerweile gewöhnt. Bei Kongressen, Pressekonferenzen und an Universitäten referiert er regelmäßig über die Raumfahrt. Doch die Show beim Elektro-Festival World Club Dome in Düsseldorf sei noch mal eine ganz andere Nummer gewesen. „Normalerweise bin ich gut vorbereitet und weiß, wovon ich rede“, sagt Maurer. Vor seiner Premiere als Plattenlaufleger habe er allerdings nur eine kurze Einweisung erhalten. Danach ging es direkt auf die Bühne. Zum Glück sei der erfahrene DJ Le Shuuk an seiner Seite gewesen und habe ihn unterstützt. „Wenn ich das alles hätte selbst mischen müssen, hätte ich mir mehr Gedanken gemacht“, gesteht der 49-Jährige.

Noch ist die Ausbildung zum Diskjockey kein fester Bestandteil in seinem Astronauten-Trainingsplan. Doch das ändert sich bald. Denn Maurer wird der nächste kosmische DJ im Weltraum. Während seines Aufenthalts auf der Internationalen Raumstation (ISS) soll er Musik auf die Erde schicken – und somit die Nachfolge seines Kollegen Luca Parmitano antreten. Der italienische Raumfahrer hatte seinen großen Auftritt bereits im August vergangenen Jahres. Aus 400 Kilometern Entfernung legte der Kommandant der Expedition 61 im Columbus-Modul der ISS auf. Seine Show wurde live auf die gigantische Leinwand eines Kreuzfahrtschiffes übertragen. Rund 2500 Gäste tanzten auf dem Partyschiff vor der Küste Ibizas zu dem intergalaktischen Sound. Etwa zwölf Minuten lang dauerte das Set des im Weltall schwebenden DJs.

„Ich hoffe, dass ich vielleicht ein bisschen länger auflegen darf. Außerdem würde ich gerne mehr eigene Musik reinbringen oder etwas mit DJ Le Shuuk gemeinsam machen“, erzählt Maurer, wie er sich seinen perfekten Auftritt in der Schwerelosigkeit vorstellt. Ein Mischpult wird ihm fern der Erde allerdings nicht zur Verfügung stehen. Das würde auf der Raumstation zu viel Platz wegnehmen. Stattdessen soll der Groniger seine Beats auf einem Tablet-Computer mixen. „Wir nutzen eine App, die extra für uns programmiert wurde“, erklärt er. Musik mit Raumfahrt und Wissenschaft zu kombinieren, bereite ihm großen Spaß. Er freue sich, die Zusammenarbeit zwischen der European Space Agency (Esa) und Big City Beats fortsetzen zu dürfen.

Deren Geschäftsführer Bernd Breiter hatte die Raumfahrtbehörde schon vor Jahren kontaktiert, weil er auf der Suche nach außergewöhnlichen Orten für Musikveranstaltungen war. Und das Konzept ging auf: Die erste Auflage des intergalaktischen Festes habe ein unglaubliches Medienecho erzeugt. Menschen weltweit hätten sich im Internet den Auftritt im erdnahen Orbit angesehen. „Seit wir soziale Medien nutzen, ist die Begeisterung für die Raumfahrt wieder gewachsen. Das Thema ist dadurch erlebbarer geworden“, weiß Maurer.

Bis er die ISS in einen Techno-Club verwandeln darf, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Gerade erst ist sein DJ-Kollege Luca Parmitano wieder auf der Erde gelandet. Als nächstes soll Thomas Pesquet aus Frankreich abheben. Erst danach ist der Saarländer an der Reihe. „Wann genau es für uns losgeht, ist noch ungewiss, weil wir mit einer neuen amerikanischen Kapsel starten werden“, erklärt er. Ein finaler Test der Raumfähre sei bereits erfolgreich gewesen. Nun plane die US-Raumfahrtbehörde Nasa, vermutlich am 7. Mai erstmals zwei Astronauten mit der Space-X-Kapsel zur ISS zu schicken. „Wenn dabei alles funktioniert, können wir mit den Planungen beginnen“, sagt Maurer. Er hofft, dass er Ende 2021 zu seiner Mission aufbrechen darf.

Bis dahin bleibt ihm also noch genügend Zeit, um seine Fähigkeiten am Mischpult auszubauen. Und die will der Astronaut nutzen. Denn er gesteht, nicht gerade ein musikalisches Talent zu sein. „Als Kind hatte ich Flöten- und Musikunterricht in Gronig“, berichtet er. Als Student habe er begonnen, Elektro-Gitarre zu spielen und sei sogar Mitglied in einer Punkband gewesen. „Aber da durfte ich irgendwann nicht mehr mitspielen, weil ich angeblich zu melodisch war“, erzählt Maurer.

Was für eine Premiere: Matthias Maurer bei seinem ersten Auftritt als Diskjockey beim World Club Dome in der Arena in Düsseldorf. Foto: © 2020 BigCityBeats

Wer hätte damals gedacht, dass er doch irgendwann noch eine Karriere als Musiker einschlagen würde? Und damit in die Geschichte eingehen könnte: als zweiter DJ auf der Internationalen Raumstation – oder vielleicht als erster Diskjockey auf dem Mond.