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Bernd Gellissen aus Gronig druckt ehrenamtlich 3D-Masken

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Aus dem Wohnzimmer zu Bedürftigen

Groniger stellt mit 3-D-Druckern in Heimarbeit hochwertige Mund-Nasen-Schutzmasken zum Selbstkostenpreis her.

Das Wohnzimmer im Haus von Bernd Gellissen in Gronig gleicht einem Forschungslabor. Seit ein paar Wochen laufen fünf 3-D-Drucker rund um die Uhr. Der 42-jährige Frührentner und seine Freunde wollen in der Corona-Krise helfen und nutzen ihre privaten Drucker, um Schutzmasken herzustellen. „Ich habe gehört, dass überall Masken fehlen. Mein Sohn ist in der Feuerwehr, der hat mal eine Maske mitgenommen, und die haben dann angefragt, ob ich für sie auch einige herstellen kann“, berichtet Gellissen, wie die Produktion ihren Lauf genommen hat. Über die sozialen Medien habe er anschließend Mitstreiter gesucht, sie gefunden und wie in einem Unternehmen die Produktion anlaufen lassen. „Der Unterschied ist, dass wir alles ehrenamtlich machen“, betont Gellissen.

Mit dem Datensatz von seinem Laptop hat er zunächst den 3-D-Drucker programmiert, der daraufhin wie auf Knopfdruck zum Kunsthandwerker wird. „Das Filament, also das Plastik, ist auf einer Rolle und wird geschmolzen. Dann setzt der 3-D-Drucker das gewünschte Objekt Schicht für Schicht, von unten nach oben, zusammen. Die Fertigungszeit für eine Maske dauert mehr als drei Stunden“, erläutert Gellissen den Arbeitsprozess. Mittlerweile laufe diese Art der Fertigung von Schutzmasken bundesweit sehr gut; Druckerfilament und Gummibänder seien daher Mangelware. „Doch wir sind wieder an Nachschub rangekommen“, was den gelernten Kraftfahrzeugmeister freut.

Die Masken, die sein Wohnzimmer verlassen, unterscheiden sich deutlich von solchen aus Stoff. „Unsere Version darf beim Reinigen nicht mit Hitze in Verbindung gebracht werden. Zur Reinigung nimmt man Wasser und Seife. Ein Arzt muss sie zum Schichtwechsel lediglich desinfizieren“, sagt Gellissen. Hin und wieder stockt die Produktion, wenn ein Drucker seine Mucken hat. „Die werden zwischendrin mal zu heiß, und die Düsen müssen raus“, schildert er. Es genügt dann ein Anruf und Spezialist Patrick Bonsen aus Urexweiler macht die Geräte wieder flott.

Mittlerweile werden die Schutzmasken in den Größen für Kinder, kleine Frauen und Erwachsene hergestellt. „Dazu gibt es die Version Mikrofaserfilter oder Aktivkohlefilter und mit einer hautverträglichen, medizinischen Dichtung, die ist speziell“, stellt Gellissen die Bauteile der Maske vor. Als Vorteile führt er auf: „Bei einem Brillenträger beschlagen die Gläser nicht, und durch die eingebauten Filter fällt das Atmen leichter.“ Firmen, Arztpraxen, Altenheime sowie an den Kältebus in Neunkirchen und Saarbrücken hat Gellissen schon Exemplare zum Stückpreis von sieben Euro liefern können. „Die sieben Euro sind reine Materialkosten, alle andere Arbeit ist ehrenamtlich“, meint er. Dazu ist noch ein Spendenkonto eingerichtet worden, mit dem Gellissen zusätzlich ein karitatives Ziel verfolgt. „Damit wollen wir Masken fertigen, die wir kostenlos an bedürftige Menschen abgeben können. Jeder Obdachlose oder die Mitbürger, die bei den Tafeln anstehen, müssen sich auch schützen und sollten deshalb eine Maske bekommen“, hat er vor. Auch wenn inzwischen landesweit Masken verteilt wurden und jeder Saarländer sozusagen ein Starter-Kit erhalten hat. Sollte am Ende ein Gewinn rausspringen, wollen Gellissen und seine Mitstreiter den Erlös an das Kinderhospiz St. Wendel spenden.  Und wer sich mit einem Drucker der Gruppe anschließen möchte, ein Anruf bei ihm genüge.

Während im Hintergrund die Produktion weiterläuft, präsentieren Bernd Gellissen (links) und Marc Schmitt fertiggestellte Schutzmasken. Foto: Frank Faber

Kontakt unter Tel. (01 72) 4 69 75 51.