Abschied wegen der Liebe

Drei Jahre hat Pastor Michael Pauken die Pfarreiengemeinschaft Oberthal-Namborn betreut. Insbesondere in der Flüchtlingsarbeit setzte er vor Ort neue Maßstäbe, loben Mitarbeiter. Jetzt verlässt er das St. Wendeler Land.

10.15 Uhr: Glocken läuten zum Hochamt in Gronig. Nicht ungewöhnlich. Außer, dass es seit Wochen wieder nieselt. Hastig schreiten Gläubige durch den Vorraum der in den 60ern erbauten Betonkirche St. Donatus. Wenig später erste Orgelklänge zu "Nun jauchzt dem Herren", Gotteslob-Nummer 144. Der Geistliche schreitet, grün gewandet und von drei Ministranten begleitet, aus der Sakristei. Wie immer. Apostel-Lesung, Predigt aus dem Johannes-Evangelium, Abendmahl folgen. Wie es die rund 150 Gottesdienstbesucher kennen. Als wäre alles wie immer.

Doch ist es nicht. Zum Ende bittet Pauken am Sonntag: "Bitte nehmen Sie nochmal Platz." Dann verkündet er, was er am Vorabend in Namborn und diesen Morgen in Gehweiler preisgab: Er möchte mit einer Frau zusammenleben.

Damit verliert die Pfarreiengemeinschaft Oberthal-Namborn ihren Pfarrer . Pauken verlässt zum Monatsende die Gemeinden. Pauken: "Meine Lebensform und die kirchliche Struktur passen für mich nicht mehr zusammen." Der Geistliche hadert mit dem Zölibat .

Seit 2012 war er für die einst sechs selbstständigen Pfarreien verantwortlich. Pauken während seines letzten Gottesdienstes in Gronig: "Ob ein neuer Pastor kommt, kann ich Ihnen nicht sagen." Diakon Oliver Besch übernehme Paukens Aufgaben in der Flüchtlingsarbeit , Dechant Volker Tekklik die Pfarrverwaltung. Der Umzugswagen ist bestellt. Im September wechselt Pauken als Krankenpfleger zur Heim- und Einrichtungsleitung in die Region Trier. Montag und Dienstag ist er noch im Oberthaler Pfarrhaus zu erreichen.

Ihm falle es nicht leicht, nach drei Jahren die Region zu verlassen. Aber seine private Lebensplanung lasse keinen anderen Schritt zu. "Mir ist klar geworden, dass ich nicht weiter ohne eine Partnerin leben möchte." Insbesondere Erfahrungen nach dem Tod seines Vaters vor drei Jahren sowie zunehmender Druck durch Veränderungen bei der pastoralen Arbeit hätten ihm vor Augen geführt, das Leben mit einem Menschen an seiner Seite zu teilen. Zum Ehe-Verbot für Priester in der katholischen Kirche schreibt er in seinem Abschiedsbrief an die Gemeinde: "Für mich ist die Lebensform (als Priester) mit den vielen Herausforderungen nicht mehr vereinbar." Das bedeute im Umkehrschluss: "Ohne die Pflicht zur zölibatären Lebensform" wäre er gerne Pastor in Oberthal und Namborn geblieben. Seinen Dienst zu beenden, sei schwer. Er habe sehr gerne mit den Menschen der Gemeinde zusammengearbeitet.

Mitarbeiter befürchten, dass er die größte Lücke in der Flüchtlingsarbeit reißt. Insbesondere bei der Betreuung Ehrenamtlicher engagierte sich der Kirchenmann. In den zurückliegenden Wochen waren die Ansprüche an ihn und seine Unterstützer gewachsen.

"Ehrenamtlich stehe ich ihnen von außen für die Flüchtlingsarbeit weiter beiseite", versichert er. In diesen Bereich habe er vor Ort neue Maßstäbe gesetzt. "Gemeinsam haben wir viel erreicht, aber auch ertragen müssen." So waren es auch einige syrische Bürgerkriegsvertriebene, die sich vor der Kirche nach dem Gottesdienst von ihm verabschiedeten. "In Namborn habe ich mit den Tränen kämpfen müssen, als ich mich am Samstag während der Vorabendmesse als erstes verabschiedet habe." Dabei schien auch dort alles bis zu seinem emotionalen Schlusswort Routine. > Seite B1: weiterer Bericht

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Zur PersonMichael Pauken (42) ist nicht auf direktem Weg in den katholischen Kirchendienst gelangt. Erst im Juli 2006 wurde er zum Priester geweiht. Der gebürtige Koblenzer hat zunächst 1996 sein Examen als Krankenpfleger am evangelischen Stift seiner Heimatstadt bestanden. 2002 bis 2004 studierte er Theologie und Philosophie in Grafschaft/Rheinland und Trier. In seiner Diplomarbeit beschäftigte sich Pauken mit der Verkündigung im Rundfunk. Was sein mediales Interesse widerspiegelt: Denn nach der Schulzeit absolvierte Pauken zuerst ein Praktikum beim Privatsender RPR im Koblenzer Studio. Auch später blieb er dem Rundfunk treu, baute 2006 Deutschlands erstes Pfarr-Radio Domradio Studio Nahe in Langenlohnsheim/Landkreis Bad Kreuznach auf. 2010 leitete er das Trierer Stadtradio. Als Pfarrer wirkte er seinerzeit nebenberuflich. hgn