20. Fest der Begegnung in Oberthal

20 Jahre Fest der Begegnung : Ein Glitterregen der Begeisterung

Fest der Begegnung feiert sich, die Akteure und einen Tag, an dem Handicaps keine Rolle spielen.

Der Refrain „Glory, glory, Hallelujah“ erklingt häufig bei bedeutsamen Ereignissen. Am Samstag präsentiert die Rexroth Band, quasi die Hauskapelle, aus besonderem Anlass die instrumentale Version des patriotischen Liedes. In Oberthal wird runder Geburtstag gefeiert. Seit 20 Jahren gibt es das Fest der Begegnung. Anfangs auf der Wiese am Bostalsee, dann im Bosaarium und schließlich ab 2011 in der Bliestalhalle. Die Macher sind wie eh und je der Lebenshilfe-Landesverband, der Landkreis St. Wendel und der SZ-Wohltätigkeitsverein „Hilf-Mit!“. Externe, singende oder tanzende Künstler haben die Organisatoren noch nie gebucht. Warum auch? Denn in den Einrichtungen der Lebenshilfe studieren Menschen mit unterschiedlichen Handicaps Showauftritte ein. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man Inklusion so angeht“, meint der Lebenshilfe-Landesvorsitzende Bernhard Müller. Es sei nach wie vor eine große Herausforderung, die vielen Menschen in Oberthal zusammenzubringen. „Vor 20 Jahren hätte ich nie daran gedacht, dass die Veranstaltung so lange besteht“, gesteht Müller. Landrat Udo Recktenwald (CDU) stellt indes klar: „Menschen mit Behinderung gehören in die Mitte unserer Gesellschaft“. Jetzt stehen sie schon mal im Mittelpunkt.

Moderatorin Ina Weißmann bezeichnet die Rexroth Band als Stimmungsgarant und ab geht die Fete, ein Großteil der 700 Besucher jubelt, klatscht, singt und tanzt mit. Einheitlich in Collegejacken erscheint die Tanzgruppe „SWA We Move“ aus Blieskastel auf der Bühne. Der Gesangspart von Sascha Eisenbeis und Anna Pick ist live. Einen Mallorca-Hit von Mia Julia hat die Gruppe in „SWA feiern ohne Ende“ umgetextet, dazu steigen Luftballons an die Hallendecke, und es regnet glitzernde Konfettischnipsel in Gold und Silber. „Mittlerweile sind die Menschen auf uns aufmerksam geworden, über das ganze Jahr werden wir gebucht“, berichtet Einrichtungsleiterin Carmen Geraci. Ihre Gruppe bringt die Geburtstagsgäste richtig in Schwung, und die Sambagruppe der St. Wendeler Lebenshilfe setzt die gute Laune fort. „Das ist einfach lebendige Musik und ansteckende Lebensfreude“, erklärt Benno Trapp, der auf der Bühne den Rhythmus vorgegeben hat. Samba sei eine Art Sprache, die jeder verstehe, eine stabile Sache, die bei der Lebenshilfe schon über Jahre hinweg sehr gut laufe. Im Alter zwischen vier und sieben Jahren sind die Sänger der Kindergruppe des Frühförderzentrums der Saarbrücker Lebenshilfe. Das Lied „Mit einem Freund an der Seite ist kein Weg lang“ erzählt, was gute Freundschaft ausmacht. Und dann wird es sportlich. Peter Frank stellt die Judogruppe der St. Wendeler Lebenshilfe vor. „Einmal pro Woche bin ich im Judotraining“, sagt Judoka Sebastian. Drei Gürtelprüfungen hat er bereits abgelegt und trägt momentan weiß-gelb. „Den Hüftwurf mache ich gerne, schwierig ist das Rückwärtswerfen“, meint Sebastian nach der Demonstration. Danach nehmen Speis-Bütten die Bühne ein. Auf den darin liegenden Pezzibällen trommelt die Gruppe der Schulgemeinschaft Eric Carle- und Rothenbergschule und intoniert dazu den Helene-Fischer-Hit „Atemlos“.

Willkommen im Tanztempel Bliestalhalle: Flippige Flower-Power-Kostüme hat sich die Showtruppe von der Püttlinger Wohngruppe für ihren Auftritt ausgesucht. Die Akteure tanzen zum Song „On the Floor“, den Jennifer Lopez 2011 mit dem Rapper Pitbull aufgenommen hat. Der bekannte Zauberer Martin Mathias staunt nicht schlecht über seine jungen Kollegen. Die Hogwarts Zauberschule (Tanzgruppe „Kalter Kaffee“) präsentiert ihre Harry-Potter-Nummer mit akrobatischen Breakdance-Einlagen. Alles echt, keine Zauberei, aber magisch. „Wassermelonen sind meine Frucht“, steht auf den T-Shirts der Tanzgruppe „Show Time“ vom Werk Püttlingen der Lebenshilfe Obere Saar. Mit ihrem „Ketchup Song“ animieren sie gar die Bedienungen im Saal, die schnellen Arm- und Handbewegungen des Tanzes mitzumachen. Den Schlusspunkt setzt die Tanzgruppe der Wohnstätte Andreasstraße mit einer „Reise in die 90er-Jahre“ mit Songs von den Backstreet Boys und den Spice Girls.

Christian Erhorn, Vorsitzender des Vereins „Hilf-Mit!“ und SZ-Geschäftsführer, hat sein erstes Fest der Begegnung erlebt. „Es ist wunderbar gestaltet und ein ganz toller Aufschlag“, schwärmt Erhorn. Und er hoffe, dass der Wohltätigkeitsverein das Fest auch die nächsten 20 Jahre begleiten werde. Zusätzlich adelt Lebenshilfe-Vorsitzender Müller Erhorns Vorgänger Alois Tritz als „Vater des Festes“. Da Tritz schon im Besitz der Lebenshilfe-Medaille ist, überreicht ihm Müller ein Kochbuch und einen guten Tropfen. „Das nehme ich stellvertretend für alle an, die sich in 20 Jahren für das Fest engagiert haben“, bleibt Tritz bescheiden wie immer. Moderatorin Weißmann findet dann die passenden Schlussworte: „Das war spitze“.