Wie einst die Legionäre lebten

Die 1000 Zelte der zwei römischen Legionen standen mitten im Siedlungsgebiet des Keltenstammes der Treverer. Am Ende der siebten Grabungskampagne stellten die Archäologen um Projektleiterin Dr. Sabine Hornung ihre neuesten Erkenntnisse vor. Die große Ackerfläche in der Nähe des Waldstadions trägt Weltgeschichte in sich.

Das Holz der Feuerstelle raucht noch ein wenig. So, als ob die Legionäre sich gerade in ihrem Zelt schlafen gelegt hätten. "Das haben wir nachgebaut, damit die Besucher sich das besser vorstellen können", sagt Sabine Hornung, Projektleiterin der Grabung in der Nähe des Hermeskeiler Waldstadions. Die Altertumsforscherin der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität entwickelt seit 2010 ein immer klareres Bild von dem, was sich um 50 vor Christus hier abgespielt hat. "Man stelle sich vor, da kommen zwei Legionen Römer und bauen eine Garnison mit 1000 Zelten mitten ins Siedlungsgebiet der Treverer", sagt Hornung. Die Stelle war in nur fünf Kilometern Entfernung zum keltischen Ringwall gut ausgewählt. Rom zeigte Präsenz gegenüber dem Teil der Treverer, der nicht mit der Besatzungsmacht zusammenarbeiten wollte.

Wie das dort einmal ausgesehen hat, haben Hornung, ihr Grabungsleiter Patrick Mertl und neun Studenten anhand der Feuerstellen herausgefunden. "Vor jedem Zelt mit etwa acht Mann wurde gekocht oder gegrillt", bestätigt Mertl. Studenten sind gerade dabei, Fotos zu machen, die ein Rechner für die wissenschaftliche Auswertung in einem 3-D-Modell zusammenfasst.

Jede Farbveränderung im Boden sagt viel aus, denn, erklärt Hornung: "Müll ist wichtig. Der sagt uns, wie und wovon hier gelebt wurde." Grabungsleiter Mertl sagt: "Gerade Asche ist spannend. Darin haben wir Reste von Getreide und Hülsenfrüchten gefunden, was zeigt, was möglicherweise hier gekocht wurde."

10 00 Menschen im Lager

Rund 10 000 Menschen mussten versorgt werden. "Römische Amphoren haben wir gefunden", zeigt Hornung den Beweis, dass Nachschub auch von weit herkam. Cäsar selbst hatte sich seinerzeit schriftlich über die aufständischen Treverer aufgeregt. Sein Feldherr Titus Labienus brach den Widerstand 51 vor Christus. "Kampfspuren haben wir jedoch keine gefunden", sagt die Wissenschaftlerin.

Nicht nur Fußtruppen auf zwölf Hektar, sondern auch Hilfstruppen, die gallischen Reiter, auf sechs Hektar und die Versorgungsabteilung, der Tross, der ebenfalls zwölf Hektar für seine Arbeit benötigte, faszinierten allein von der Größe her die rund 300 Besucher, die sich das ansehen wollten. Auch die Arbeitsweise der Fachleute beeindruckte. Es gab eine gepflasterte Straße, auf die Nägel aus den Schuhen der Legionäre gefallen waren. "Man sieht die Leute regelrecht hier durchmarschieren", sagt Hornung.

Einer der Besucher ist Heimatforscher Dittmar Lauer. Er sagt: "Dass die Römer hier waren, ist lange bekannt." Pastöre seien im Auftrag ihres Bischofs hier schon im vorletzten Jahrhundert auf Spurensuche gegangen. Es sei ein Glücksfall, dass jetzt professionell gegraben wird. Die Hochwälder sollten sich der Bedeutung ihrer Geschichte bewusst sein. Ob die Funde eine Weltsensation sind, könne man erst nach der Schlussauswertung beurteilen.

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Auf einen BlickFinanzierung: Möglich wurde die aktuelle Grabungskampagne in Hermeskeil erst durch den Spendenaufruf des Freundeskreises Nationalpark. Doch jetzt ist die Finanzierung für die kommenden beiden Jahre gesichert.Die Archäologen schütten bald die Grabung zu, um im nächsten Jahr weiterzumachen, noch detailliertere Erkenntnisse über das gesamte Siedlungsgebiet zu gewinnen. Irgendwo, da sind sich die Archäologen sicher, müsste doch noch ein keltisches Heiligtum zu finden sein. doth