Wenn Mütter Pflege brauchen

Nonnweiler. Die Geburt war schwierig. Jetzt kommt die junge Mutter mit ihrem Baby nach Hause, hat aber kaum Zeit, sich an ihr Kind zu gewöhnen. Der Papa arbeitet, die zwei Geschwister müssen Hausaufgaben machen, bekocht und versorgt werden. Die Mutter fühlt sich überlastet. In solchen Fällen kann eine Mütterpflegerin helfen. Noch in der Ausbildung ist Tamara du Hamél aus Bierfeld

Nonnweiler. Die Geburt war schwierig. Jetzt kommt die junge Mutter mit ihrem Baby nach Hause, hat aber kaum Zeit, sich an ihr Kind zu gewöhnen. Der Papa arbeitet, die zwei Geschwister müssen Hausaufgaben machen, bekocht und versorgt werden. Die Mutter fühlt sich überlastet. In solchen Fällen kann eine Mütterpflegerin helfen. Noch in der Ausbildung ist Tamara du Hamél aus Bierfeld. "Trotzdem darf ich schon als Mütterpflegerin arbeiten", erzählt die 48-Jährige im SZ-Redaktionsgespräch. Die sieben Tage Intensiv-Kurs in der Mütterpflege-Schule in Gießen hat sie schon hinter sich. Jetzt liegt noch etwa ein Jahr Ausbildung vor ihr. Ist sie fertig, ist sie nach eigenen Angaben die einzige Mütterpflegerin im Saarland.Seit etwa drei Wochen stellt sie sich bei den Hebammen im Landkreis St. Wendel vor. Noch kümmert sie sich um keine Mutter. Aber das werde sich schnell ändern. Da ist sie sich ganz sicher. Das zeige die Erfahrung in anderen Regionen Deutschlands: "Meist gibt es mehr Anfragen als Zeit", erzählt du Hamél. Derzeit verhandele sie mit der Krankenkasse. Es geht um eine Mutter, die bereits sechs Kinder hat. Sie habe die Unterstützung beantragt. Das Verhandeln mit den Kassen wird wohl einen großen Teil ihrer Arbeit ausmachen. Denn "viele wissen gar nicht, dass es so etwas gibt, sie kennen den entsprechenden Paragrafen 199 nicht".

Eine Mütterpflegerin, so erklärt du Hamél, schließe die Lücke, die durch den Wegfall der Großfamilie entstanden ist. Sie hilft in der Familie dort, wo Bedarf ist. "Die Mutter soll Zeit für sich haben und eine Beziehung zu ihrem Kind aufbauen können", sagt sie. Und sich von der Geburt erholen. Denn im Krankenhaus sei das oft nicht mehr möglich, "weil die Frauen doch sehr früh, im Vergleich zu früher, nach Hause geschickt werden". Die Mütterpflegerin könne einkaufen, sich um Geschwisterkinder kümmern, kochen, im Haushalt helfen. Oder einfach nur zuhören. "Oft besteht in so einer Umbruchsituation erhöhter Gesprächsbedarf", weißt du Hamél, die selbst zweifache Mutter und auch schon Oma ist. Die Mutter soll sich ganz einfach wohl fühlen. Denn zufriedene Eltern seien gut für die Entwicklung des Babys. "Ich gebe Tipps, ohne mich einzumischen", fasst sie zusammen. Du Hamél freut sich auf ihre neue Aufgabe. "Ich wollte immer etwas machen, was mit Menschen zu tun hat." Dabei ist sie technische Ingeneurin. Aber nach der Geburt von zwei Kindern war sie, die aus Cottbus stammt und seit 2005 in Bierfeld lebt, raus aus dem Beruf. Sie orientierte sich um. Zunächst gründete sie einen mobilen Massagedienst. Das komme ihr heute zugute: "Das kann ich gut verbinden; vielleicht braucht eine Mutter auch mal Entspannung."

Auf einen Blick

Eine Mutter kann die Unterstützung durch eine Mütterpflege nutzen: Nach der Entbindung insgesamt 48 Stunden, bei Komplikationen auch länger; während der Schwangerschaft, wenn das Bett gehütet werden soll; während einer Krankheit, die es der Mutter unmöglich macht, sich um ihren Haushalt und ihre Kinder (bis zwölf Jahre) zu kümmern; bei Überforderung (beispielsweise minderjährige oder allein stehende Mutter in Krisensituation).

Die Kosten werden fast immer komplett von der Krankenkasse übernommen. Auch das Jugendamt oder andere Träger können einen Teil der Kosten übernehmen.

Der Unterschied zu einer Haushaltshilfe ist der, dass sich die Haushaltshilfe einzig und allein um den Haushalt kümmert. Sie ist nicht spezialisiert auf Wochenbett- und Säuglingspflege. Eine Mütterpflegerin ist eine Stütze bei allen gesundheitlichen und seelischen Problemen, die nach der Geburt eines Kindes zusätzlich zu den Alltagsproblemen auftauchen können. him

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