Theater der härteren Gangart zeigt Metaloper „Pirate`s Bride“ in Nonnweiler

Metaloper : Von Liebe, Kampf und einem Schatz

Das Theater der härteren Gangart präsentierte die Metaloper „Pirate’s Bride“ in der Kurhalle in Nonnweiler. Und das mit großem Erfolg.

Theater der härteren Gangart und Metalsound hört sich gut an. Mal sehen, was dabei abgeht. Gesindel, käufliche Schlampen lungern in der schäbigen Hafenbar Tortuga Inn in der Karibik herum. Die Sauflieder des Lumpenpacks werden wohltuend heavy und  live von den Gitarrenklängen der Band Tortuga aus Dillingen dominiert. Mit der Bühnenszene und dem Abschied vom illustren Abschaum sticht die Metaloper „Pirate’s Bride“ später in See. Zweimal hat das Ensemble musikalisch die Piratenabenteuer auf der Bühne in der Nonnweiler Kurhalle umgesetzt. Den Leitfaden der Story kann der Besucher bereits nach ein paar Minuten erahnen, allerdings spannend macht es die Sache, weil die Musik wie ein Konzeptalbum dazu passt. Die Untermalung baut ein stabiles Fundament, wirkt eingängiger als das instrumentale Gedudel in älteren Piratenschinken und belebt die aufwändigen Choreografien.

Und da ist sie: Mary Reed (Wiebke Neu) taucht in der Kneipe auf und erhält von dem mysteriösen Dale (Adrian Froschauer) eine Karte, die zum Schatz von Captain Grey führen soll. Die Dialoge, Flüche und manches nicht jugendfreies Wort sind in Deutsch, Musiksprache ist Englisch. „We are ready for boarding“, singt Piratenkapitänin Mary Reed mit glasklarer Stimme zum Sound einer druckvollen Metalballade. Auf der Rackham’s Revenge, welches ein Teil der Kulisse bildet, schippert die Piratenbraut mit einer Minicrew in Richtung einer Insel, um den Schatz zu bergen. Die Anwesenheit des blinden Passagiers Valerie Barnet (Svenja Trampert), einer Lady in Nöten, lässt die Herzen von drei liebeshungrigen Seeräubern bis zum Hals hüpfen. Auch Maat Blackbeard (Oliver Pitsch) versucht ständig zu überspielen, dass er in die gutaussehende, aber bestimmende Mary, hoffnungslos verschossen ist. Und die hat ausgerechnet mit dem Onkel von Valerie Barnet, einem Commodore der Royal Navy, noch eine Rechnung offen. Die Violinenklänge von Julia Neumann skizzieren den Wind, der ins Segel der Rackham’s Revenge bläst. „Land in Sicht“, ruft plötzlich Jack the Knife (Johannes Adams) vom Ausguck der tolpatschig mimenden Schiffsbesatzung zu. Von den Tastenklängen des Klaviers geht die Dramatik aus, als die Piraten, die mitten in der Kurhalle liegende Insellandschaft betreten. Sich den Schatz zwischen der Zuschauermenge unter den Nagel zu reißen und damit zu verschwinden, wäre für das Drehbuch der Metaloper zu einfach gewesen. Das Gold samt Klunker ist verflucht und die Untoten der Damnation-Crew um Captain Grey (Verena Leidinger) wollen es nicht der Piratenbraut und deren Gefolge überlassen. Stark sehen die Zombie-ähnlichen Gestalten aus: Captain Grey könnte gar Schockrocker Marilyn Manson mal vertreten. Sägende Gitarren dominieren beim Aufeinandertreffen feindlicher Gestalten. Aber alles gut. Mit der Beute kehren die Seeräuber in die Spelunke Tortuga Inn zurück. Den Abstecher zur Opernarie vollzieht noch die Stimme von Priscilla Barnet (Ilka Simon). Und klassisch endet die Inszenierung mit einem großen, klirrenden Schwerter- und Degenfinale. Selbstredend wird beim Happy End der gelungenen Metaloper gekuschelt.

Piratenbraut Mary Reed (Wiebke Neu) singt in der schummrigen Spelunke Tortuga Inn. Foto: Frank Faber

Nebenbei war die Inszenierung auch ein rockiges Geburtstagsständchen. Das Theater der härteren Klangart feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Nach dem selbst geschriebenen Stück Ammit und den zwei Ayreon-Werken The Human Equation und 0101 1001 war „Pirate’s Bride“ die erste Zusammenarbeit mit der Band Tortuga. Deren Pirate-Metalalbum gibt es seit 2015.

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