Teilnehmer lernen im Mehrgenerationenhaus in Nonnweiler Veeh-Harfe zu spielen

Workshop in Nonnweiler : Die Veeh-Harfe — ein Instrument für jedermann

Eine klangvolle Premiere startete im Mehrgenerationenhaus in Nonnweiler. Acht Musikfreunde trafen sich an zwölf Abenden, um ein ungewöhnliches Instrument zu erlernen.

Auf den Tischen des Mehrgenerationenhauses in Nonnweiler liegen hölzerne, kastenförmige Klangkörper, die scheinbar nur darauf warten, gespielt zu werden. Mit ruhiger Stimme begrüßt Referentin Rosina Wastl ihre Workshop-Teilnehmer und stellt das Zupfinstrument, das den meisten unbekannt sein dürfte, vor: „Hermann Veeh hat Ende der 1980er Jahre die sogenannte Veeh-Harfe für seinen mit Down-Syndrom geborenen Sohn Andreas gebaut. Er wollte ein Instrument schaffen, das sein Sohn ohne Noten spielen kann. So entwickelte er auch eine einfache Notenschrift, die Andreas begreifen konnte und ihm das Musizieren mit anderen ermöglichte.“

Die Veeh-Harfe erinnert in ihrem Aufbau an Zupfinstrumente. Über einen hölzernen Resonanzkasten mit geschwungenem Hals spannen sich – je nach Modell – 18, 25 oder 37 Saiten: Neben dem handlichen Basis-Modell, ideal für Kinder, gibt es noch eine Standard-Variante für Fortgeschrittene und eine für erfahrene Musiker. Alle Harfen sind chromatisch, also in Halbtönen fortschreitend, gestimmt und erlauben durch seitliches Verschieben des Notenblattes das Spielen jeder Tonart.

Für die Dauer des Kurses können die acht Teilnehmer die Veeh-Harfe zum Üben mit nach Hause nehmen. Auch Gemeinderatsmitglied Petra Mörsdorf hat den Veeh-Harfen-Kurs gebucht und ist begeistert: „Außer Flöte habe ich seit meiner Schulzeit kein Instrument mehr gespielt. Aber diese besondere Harfe spielen zu lernen, ist sehr einfach. Ich habe selbst auch schon handschriftlich klassische Noten umgeschrieben.“ Denn mit Notenschablonen kann jeder selbst von Hand klassische Noten in das Notensystem der Veeh-Harfe übertragen. Das Prinzip ist einfach: die Noten in Form von Punkten stehen wie aufgefädelt auf einer Zickzacklinie, die sich auf dem Notenblatt von oben nach unten entwickelt. Die untereinander stehenden Notenköpfe werden dann in der vorgegebenen Reihenfolge gespielt. Die Klangdauer einer Note erkennen die Musiker an der gefüllten oder ungefüllten Darstellung.

Petra Mörsdorf schiebt vor Spielbeginn das Notenblatt seitlich zwischen Resonanzkasten und Saiten. Denn es handelt sich hier um sogenannte Unterlegenoten. Die Notenköpfe stehen genau unter den Saiten, die in der Melodie gezupft werden müssen. Rosina Wastl ist stolz, dass einiger ihrer Schüler von Hand ausgesuchte Stücke umgeschrieben haben. „Es gibt aber auch Computerprogramme, die klassische Noten einfach in das Notensystem für die Veeh-Harfe umschreiben“, erklärt die Referentin.

Die Veeh-Harfe ist eine Tischharfe und kann je nach Vorliebe auf dem Schoss an die Tischkante gelehnt oder auf der Tischplatte durch eine Stütze gehalten gespielt werden. Gabriele Mühlhaus aus Thalfang hat die zweite Variante gewählt. „Ich habe mich für diesen Kurs entschieden, weil ich gerne etwas in einer Gruppe machen und gleichzeitig meine Konzentration trainieren wollte. Beim Harfespiel wird besonders die Hand-Auge-Koordination geschult. Ich habe auch schon alleine das Lied Rote Rosen gespielt“, verrät sie begeistert.

Mit einfachen Zupfübungen führt Rosina Wastl ihre Workshop-Teilnehmer an das Veeh-Harfen-Spiel heran, ehe sie das besondere Notensystem erklärt. „Das Notenblatt kann man auch ohne klassische Notenkenntnisse spielen. Gespielt wird von oben nach unten. Man kann sowohl ein- als auch beidhändig spielen, wie es jedem am besten passt“, erklärt die Musikreferentin.

„Das Schöne ist, dass jeder, Kinder und Senioren, auch ohne Notenkenntnisse sofort mit dem Musizieren anfangen können. Man hat sehr schnell ein Erfolgserlebnis und kann schnell eine Melodie spielen“, schwärmt Rosina Wastl. Sie selbst spielt erst seit zwei Jahren Veeh-Harfe. Bei einer Zusatzausbildung in Münster zur Kultur-Geragogin, eine Geragogin ist quasi eine Pädagogibn für ältere Menschen, habe sie das Instrument kennen und lieben gelernt. Bei der Kulturgeragogik steht die künstlerisch-kulturelle Arbeit im Mittelpunkt. Dazu zählt  das Musizieren. Seit Anfang 2019 bindet sie das Veeh-Harfen-Spiel in ihrer Arbeit im Seniorenbereich ein.

Die Veeh-Harfe wird mit einem speziell entwickelten Notensystem, das vergleichsweise einfach zu erlernen ist, gespielt. Foto: Marion Schmidt

Was in ihrer ersten Kursstunde mit Klatschübungen begann, um ein Taktgefühl zu entwickeln, endet am letzten Kursabend –insgesamt zwölf Mal kamen die Teilnehmer zusammen – Anfang Januar nun in einem klangvollen Gemeinsschaftsspiel bekannter Melodien. Mit flinken Finken zupfen die Teilnehmer Stücke wie den Song „Que será“ oder einen Kanon des klassischen Komponisten Pachelbel. Stolz lauscht Rosina Wastl dem Spiel ihrer Schüler. „Wichtig ist, dass man in der Gruppe gemeinsam anfängt und gemeinsam mit dem letzten Ton endet“, bringt sie nochmal in Erinnerung. Kein Problem für ihre Kursteilnehmer, die verschiedenen Melodien auch mehrstimmig mit Begleitung erklingen lassen. Die Expertin kann am Ende ihre Begeisterung nicht unterdrücken und ist voll des Lobes: „Ich würde mich euch gerne eine Art Hochwald-Ensemble für Auftritte gründen.“