Tag der offenen Tür Backeshaus der Ernst-Wagner-Stiftung Braunshausen

Backeshaus Braunshausen : Ein Haus voller Geschichte und Geschichten

Tag der offenen Tür am Sonntag im Backeshaus der Ernst-Wagner-Stiftung in Braunhausen. Weitere Veranstaltungen sind geplant.

Neben der Fahne des Berg- und Hüttenarbeitervereines ist eine traditionelle Bergmannsuniform ausgestellt. An der Wand hängt ein Foto des Pfeifenvereins aus dem Jahr 1908. In einer Vitrine steht stumm ein vor einigen Jahrzehnten wichtiges Nachrichtensignal, die Dorfschelle. In einer anderen könnten zwei unscheinbare Glasflaschen die Geschichte des Klickerwassers erzählen. An der Wand gegenüber treibt ein Kutscher auf einem gusseisernen Relief die Pferde an, ein Motiv, das früher in kaum einem Haus gefehlt hat. Zahlreiche Fotos ziehen die Blicke auf sich.

Das Backeshaus in Braunshausen blickt nicht nur auf eine lange Geschichte zurück, es kann auch die Geschichte des Dorfes und der Region um den Peterberg lebendig werden lassen. Dabei soll es kein klassisches Heimatmuseum sein, sondern „wir wollen das Haus durch verschiedene Angebote und Veranstaltungen beleben“, unterstreicht der Nonnweiler Bürgermeister Franz Josef Barth (SPD-unterstützt) beim SZ-Besuch vor Ort.

Das Backeshaus in der Ernst-Wagner-Straße 46 in Braunshausen ist ein typisches lothringisches Bauernhaus, über der Haustüre steht die Jahreszahl 1904. Es besteht aus einem langgezogenen Gebäude mit Wohnhaus, Stall und Scheune. „Vermutlich war es einmal ein Backhaus“, sagt Gottfried Hares, ehemaliger Chef von Pizza Wagner. Wie damals üblich, hielten die Besitzer wohl Schweine, Hühner und vielleicht sogar Kühe. Der Braunshausener Ernst Wagner, Gründer von Pizza Wagner, habe das Gebäude Mitte der achtziger Jahre gekauft, zunächst sei es als Büro genutzt worden. „Da mache ich etwas Schönes daraus“, habe Wagner damals gedacht. Mit viel Liebe zum Detail sei es saniert worden. Hares nennt als ein Beispiel das Pflaster vor der Haustür. Das sei mit Steinen gelegt worden, die auf den Feldern rund um den Peterberg gesucht wurden. So wie man das früher gemacht habe. Hares: „Vieles ist authentisch.“

Als das Gebäude nicht mehr für das Unternehmen gebraucht wurde, habe man sich Gedanken über eine weitere Nutzung gemacht. Die Ernst-Wagner-Stiftung hat es übernommen und dem Dorf zur Verfügung gestellt. „Da könnte man etwas Besonderes daraus machen“, so sei der Gedanke gewesen, erzählt Hares von der Stiftung.

Es soll dazu dienen, zeitgeschichtliche Dokumente, Bilder, Exponate aus Braunshausen und der Gemeinde zu sammeln und zu dokumentieren. Damit will man verhindern, dass heimatgeschichtlich interessante Dinge verloren gehen. Wie es leider immer wieder bei Haushaltsauflösungen passiere.

In verschiedenen Räumen werden zahlreiche Exponate und Bilder ausgestellt. Da ist schon jetzt einiges zusammengekommen. Die Räume sind thematisch aufgeteilt. Da gibt es einen für das Vereinsleben. In einem anderen dreht es sich um das Dorf, in einem dritten um die Wirtschaft. Im Obergeschoss der Scheune werden das Lebenswerk von Ernst Wagner und die Firmengeschichte dargestellt. Ein Zimmer wird als Bibliothek entwickelt, eines wird sich dem Thema Krieg und Nationalsozialismus widmen. Neben den zahlreichen Exponaten besticht die Ausstellung durch viele Fotos. Unter anderem vom Wintersport auf dem Peterberg.

Damit aber nicht genug. Für Themenabende, Vorträge und Lesungen in der Scheune soll das Backeshaus genutzt werden. Auch soll die Scheune als Begegnungsstätte dienen, allerdings kein Gastronomieersatz sein. Eine Lesung von Oliver Weiler vor einigen Tagen fand schon regen Zuspruch. Nach dem Tag der offenen Tür an diesem Sonntag wird es noch im November ein Adventstreffen geben.

Die Ernst-Wagner-Stiftung hat das Haus übernommen und trägt die Unterhaltungskosten. Bei der Umsetzung des Konzeptes setze man auf ehrenamtliches Engagement. Zum Beispiel, indem Paten Themenräume betreuen, Veranstaltungen und Öffnungszeiten organisieren. Da habe man einige Helfer gefunden. Besonders unterstreicht Hares das Engagement von Claudia und Harald Peter, die zum Beispiel schwerpunktmäßig die Fotos und Exponate aus dem Dorf zusammengetragen haben.

„Wie finden wir eine gute Mischung an Veranstaltungen, die die Menschen interessieren?“, diese Frage stellen sich Barth und Hares mit ihren Helfern. Denn für sie ist klar: „Das Backeshaus muss bespielt werden, indem die Menschen hier zusammenkommen.“ Ideen und Vorschläge sind da willkommen, aber auch weitere Dokumente und Exponate aus der jüngeren Vergangenheit.

Mit am und auf dem Peterberg gefundenen Steinen ist dieses Motiv vor dem Haus gestaltet worden. Foto: Volker Fuchs
Wenn die Dorfschelle geläutet hat, dann gab es neue Nachrichten. Foto: Volker Fuchs
Klickerwasser war auch in Braunshausen eine beliebte Limonade. Foto: Volker Fuchs
Ein beliebtes Motiv aus in Mariahütte hergestelltem Gusseisen: Kutscher und Pferde. Foto: Volker Fuchs

Vom Backeshaus, das übrigens 2018 beim Bauernhauswettbewerb landesweit ausgezeichnet wurde, der Ausstellung und dem Konzept können sich die Besucher beim Tag der offenen Tür überzeugen. Am Sonntag, 17. November, ist das Haus von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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