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Siegfried Feid hat zwischen Primstal und Eiweiler eine Open-Air-Galerie mit Kirmestieren erstellt

Open-Air-Galerie bei Primstal : Aus Kirmeshelden werden Kunstobjekte

Die Open-Air-Galerie zwischen Primstal und Eiweiler könnte fast den Stillstand der Corona-Zeit interpretieren. Initiator ist Siegfried Feid.

Wer in diesen Tagen zwischen Primstal und Eiweiler unterwegs ist, kann es kaum übersehen. Dort, wo sich sonst allenfalls grasende Kühe die Zeit vertreiben, tummeln sich 40 farbenfrohe Figuren, die eigentlich eher in die Kirmeswelt passen. Eine Gesellschaft aus Comicfiguren, Tieren, Rennautos und Traktoren hat sich hier wie ein Karneval der Kirmesfiguren zu einer Open-Air-Galerie versammelt. Die Installation ist das neueste Projekt des Nonnweiler Objektkünstlers Siegfried Feid. Der an einem Lebacher Gymnasium arbeitende Kunsterzieher hat die Figuren bei einem Schausteller in Niederlinxweiler entdeckt. „Die Figuren haben mich so geflasht. Wie sie da so konzentriert in der Masse zusammenstanden, das war beeindruckend und hat mich tief berührt“, verrät der Künstler, den sonst eher apokalyptische Themen umtreiben. Er überlegte nicht lange und wurde für einen vierstelligen Betrag stolzer Besitzer der Kirmesfiguren.

Eine Ausstellungsfläche für das Figuren-Ensemble war schnell gefunden – auf einem freien Feld zwischen Primstal und Nonnweiler. Der zuständige Landwirt hatte sofort zugestimmt und sein Feld für die Aktion freigegeben. Auch Günther Barth, der Ortsvorsteher von Nonnweiler, war schnell überzeugt.

 Ein Herz und eine Seele: Objektkünstler Siegfried Feid inmitten seiner Kirmesfiguren. Foto: Marion Schmidt

Unter dem Motto „Kunst für alle“ hat Siegfried Feid die schweren, auf massiven Sockeln stehenden Figuren in lockerer Zusammenstellung in seiner Open-Air-Art-Galerie auf dem Feld platziert. Wäre ein Stromanschluss vorhanden, könnten die Figuren sich jederzeit wieder in Bewegung setzen. Denn der kleine Kasten zum Einwurf der Münzen und die im Sockel verstaute Maschinerie sind vorhanden. Doch auf dem Feld dürfen die Figuren aus Sicherheitsgründen und ganz im Sinne der Kontaktsperre nur mit gebührendem Abstand betrachtet werden. Die Comic- und Tierfiguren blicken wie stille Beobachter Richtung Hauptstraße und fordern die Vorbeifahrenden zum Verweilen und Betrachten auf.

Viele sind es in dieser stillen Coronazeit nicht, die aktuell das Feld passieren. Fast möchte man meinen, die Figuren, wie sie  bewegungslos in der Landschaft stehen, symbolisieren den coronabedingten Stillstand der Gesellschaft. Farbenfroh in der Sonne glänzend und Lebensfreude versprühend, geben sie dem angehaltenen Alltag für einen Augenblick einen positiven Anstrich. Denn es gibt wohl kaum jemanden, der sich beim Anblick dieser fröhlichen Figuren nicht in seine Kindheit zurückgesetzt fühlt und spürt, wie viel Spaß es bereitet hatte, sich nach Einwurf einer Münze auf diesen bunten Maschinchen auf und ab zu bewegen. So sehen es auch Andreas und Karin Thome aus Kastel, die sich mit einem Lachen im Gesicht die Figuren genauer anschauen: „Das ist gerade jetzt mal eine schöne Abwechslung, ein Lichtblick im eingeschränkten Alltag. Schaut man sich die Figuren an, vergisst man für eine Minute die Krise.“

In Siegfried Feids Open-Air-Installation wird die Kunst zum Erlebnis: „Das Anfassen, Draufsetzen und Festhalten führt durch die Bewegung der Polyesterfiguren zur Aufhebung zwischen Kunst und Leben, zum Selbst als Teil des Kunstwerks. Die Anordnung der Figuren in der Masse führt direkt zur menschlichen Kommunikation und befördert Energien. Sie eröffnen den Versuch einer eigenen Befreiung im Zurück in eine kindlich heile Welt.“

Siegfried Feid sieht sich mit seiner Installation in der Tradition der Pop-Art-Künstler: „Roy Lichtenstein zeichnete 1958 Donald Duck und Micky Mouse. Die so entstandene Pop-Art, die 1960 zum Schlagwort wurde, veränderte die Kunstwelt nachhaltig. Das Ergebnis sind vorgeprägte Bilder als Zeichen der Massenkultur. Die Künstler machten Werke, die jeder, der den Broadway entlang ging, im Bruchteil einer Sekunde wieder erkennen konnte.“ Die aus beständigem Polyester gefertigten Kirmesfiguren stünden in dieser massentauglichen Tradition.

Die Installation des Nonnweiler Objektkünstlers gewinnt gerade in Zeiten der geschlossenen Museen an Bedeutung. „Alle Kulturschaffenden müssen im Moment zurückfahren. Hier draußen kann ich offensiv arbeiten. Ich schicke mein Pferd ins Rennen, um etwas Positives für die Gesellschaft zu schaffen. Die Kunst muss raus in den öffentlichen Raum zu den Menschen. Hier erreiche ich auch Leute, die sonst eher den Gang in ein Museum scheuen“, beschreibt  Feid sein Konzept. Dieses Credo hat sich durch die Corona-Krise verdichtet. Feid macht Kunst für jedermann und zum Anfassen. Erst durch das Wahrnehmen, Ergreifen und Begreifen wird seine Installation zum Gesamtkunstwerk. Im Gespräch mit dem Künstler spürt man, dass ihm jede  Figur ans Herz gewachsen ist. Die Open-Air-Ausstellung kann noch etwa drei Wochen auf dem Feld zwischen Primstal und Eiweiler entdeckt werden. Danach will der Künstler seine Art-Galerie auch in anderen Landkreisen präsentieren. Jedoch soll die Ausstellung der Kirmesfiguren nur in dieser Konstellation gezeigt werden. Denn die lebensfrohe und motivierende Wirkung ginge verloren, würden einzelne Figuren isoliert zur Schau kommen.