Schuhnägel schreiben GeschichteHornung: Ich halte mich an Regeln wissenschaftlicher Praxis

Schuhnägel schreiben GeschichteHornung: Ich halte mich an Regeln wissenschaftlicher Praxis

Hermeskeil und Nonnweiler haben schon ein paar Zeilen Weltgeschichte geschrieben, da hat es die Kommunen mit diesem Namen noch lange nicht gegeben. Denn um 50 vor Christus standen sich römische Soldaten und keltische Krieger hier gegenüber. Archäologen der Uni Mainz konnten jetzt nachweisen, dass in Hermeskeil in Sichtweite des Hunnenringes das älteste römische Militärlager in Deutschland stand.

Hermeskeil/Nonnweiler. Über das Stoppelfeld in der Nähe des Hermeskeiler Waldstadions weht an diesem warmen Montagmorgen sanft der Wind. Von einem Hauch der Weltgeschichte ist allerdings nichts zu spüren. Und doch haben hier Archäologen der Universität Mainz das älteste römische Heerlager auf deutschem Boden nachgewiesen. "Mit 90-prozentiger Sicherheit handelt es sich um ein Militärlager aus der Zeit des Gallischen Krieges von Julius Caesar", erklärt Projektleiterin Sabine Hornung vom Institut für Vor- und Frühgeschichte der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz bei einer Pressekonferenz. Und das lag an einer Straße aus der Keltenzeit in Sichtweite des Hunnenringes. Die keltische Festungsanlage war nur fünf Kilometer entfernt."Wir haben bislang hier das einzige Zeugnis des Gallischen Krieges auf deutschem Boden", betont die Wissenschaftlerin. Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben römische Soldaten an dem leicht abfallenden Hang im Jahr 53 vor Christus ihre Zelte aufgeschlagen, eventuell auch 51 vor Christus. Das Militärlager war 18,2 Hektar groß. Es war umfriedet von einem Graben und einem Wall, bot Platz für mehrere tausend Soldaten. Teile des Erdwalles sind in einem nahe gelegenen Wald noch als kleine Bodenunebenheiten zu sehen, wenn man denn weiß, was man vor sich hat. Vom Lager selbst ist auf dem abgeernteten Getreide- und angrenzendem Maisfeld nichts mehr zu entdecken.

Um das Lager und seine Grenzen zu vermessen, haben die Mainzer Wissenschaftler in den Boden geblickt, mit Hilfe geomagnetischer Vermessung. Hier kommen unterschiedliche Strukturen im Erdboden zu Tage. Anschließende Grabungen können dann zentimetergenau vorbereitet werden. So haben Hornung und ihr Team im vergangenen Jahr ein Eingangstor des Lagers ausgegraben. Und dabei die Funde gemacht, die die Datierung des Lagers ermöglichen. Unscheinbare 2,6 Zentimeter lange Schuhnägel zum Beispiel. Die in die Sandalen der Legionäre geschlagen wurden, damit diese nicht so leicht ins Rutschen kamen.

Von denen diese aber im gepflasterten Eingangsbereich des Lagers eine ganze Reihe verloren haben. Die Machart dieser Nägel und die gefundenen Keramikscherben sowie von zwei Münzen machen laut Hornung eine Datierung in die 50er-Jahre vor Christus sehr wahrscheinlich.

In diese Zeit fallen die kriegerischen Auseinandersetzungen der Römer und der Treverer. 53 vor Christus führte der Feldherr Titus Labienus drei Legionen gegen die Treverer, zwei Jahre später sind erneute Unruhen im Stammesgebiet der Treverer belegt, die Labienus von seinen Soldaten niederschlagen ließ. Die Römer konnten von ihrem Lager aus die keltische Festung auf dem Dollberg im Auge behalten, belagern oder aushungern. Für eine gewaltsame Zerstörung des Hunnenringes gibt es keine Belege. Die ehemaligen Bewohner scheinen vertrieben worden zu sein oder haben ihre Siedlung freiwillig verlassen.

Das Militärlager haben die Römer mindestens mehrere Wochen, wenn nicht gar einige Monate benutzt, so Hornung. Dies belegten die Abnutzungsspuren auf den Pflastersteinen im Torbereich. Die Soldaten selbst lebten in dieser Zeit in Zelten, Hilfstruppen waren in einem eigenen Bereich untergebracht. An das Lager angrenzend hatte sich vermutlich der Versorgungstross niedergelassen. Auf einem kleinen Areal dort läuft seit einigen Wochen die jüngste Grabung der Universität, die diese Woche abgeschlossen werden soll.

Die nächste Grabung ist 2013 geplant. "Wir müssen auf jeden Fall weiterforschen", unterstreicht Sabine Hornung.

Übrigens: Das Militärlager selbst habe sie nicht entdeckt, sagt Hornung. Schon im 19. Jahrhundert haben nach ihren Angaben Heimatforscher hier ein Militärlager vermutet. 2005 und 2007 gab es erste Grabungen der Terrex gGmbH unter Federführung von Thomas Fritsch und des Rheinischen Landesmuseums.

Es folgten ab 2010 die geomagnetische Vermessung des Geländes und Ausgrabungen der Universität Mainz im Rahmen des Forschungsprojektes "Mensch und Umwelt - Besiedlungsgeschichte, Kulturlandschaftsgenese und sozialer Wandel im Umfeld des Hunnenringes von Otzenhausen". Dieses Projekt leitet Sabine Hornung.

Nonnweiler. Sabine Hornung von der Universität Mainz weist die Vorwürfe von Thomas Fritsch, Projektleiter der Terrex auf dem Hunnenring, zurück, die Uni habe den Forschungserfolg der Terrex als den ihren verkündet.

Sie habe nicht behauptet, das Lager entdeckt zu haben, unterstreicht Hornung. Ihr sei es aber gelungen, nachzuweisen, dass es sich um ein römisches Militärlager aus der Endphase des Gallischen Krieges handelt. Die dazu gehörigen Funde habe das Mainzer Team 2011 bei einer Grabung gemacht (siehe Haupttext).

Hornung: "Ich halte mich generell an die Regeln der wissenschaftlichen Praxis und zitiere selbstverständlich alle Forschungsergebnisse der Kollegen, nehme darauf Bezug. Ich habe dies auch selbstverständlich bei der jüngsten Veröffentlichung getan." vf

Hintergrund

Die Präsentation der Ergebnisse verfolgten auch Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth sowie Hermeskeils Stadtbürgermeister Udo Moser. Nonnweiler unterstützt die Mainzer Forschungsarbeit mit 25 000 Euro im Jahr, eine erfolgreiche Kooperation, so Barth. Er erhofft sich touristische Impulse durch die Entdeckungen aus der Kelten- und Römerzeit. So entsteht am Fuße des Hunnenringes zurzeit ein Keltenpark. Moser will unter anderem mit Hilfe von Geländemarkierungen versuchen, die Dimension des Lagers sichtbar zu machen. vf