1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Nonnweiler

Leser-Reporter: Ringwall-Treppe als Stein des Anstoßes

Leser-Reporter : Ringwall-Treppe als Stein des Anstoßes

Eine Gästeführerin beklagt sich über lockere Stufen, die für Besucher zur Stolperfalle würden. Sie verlangt, die Trittsteine zu befestigen.

Am Keltischen Ringwall in Otzenhausen fühlt sich Evi Zarth wie zuhause. Die 65-Jährige kennt diesen historischen Ort in- und auswendig. Unzählige Male ist sie schon über das 18,5 Hektar große Oppidum spaziert. Denn Zarth arbeitet als Gästeführerin. Mit Besuchern erkundet sie regelmäßig die am besten erhaltene keltische Befestigungsanlage im Südwesten Europas. Sie informiert über das Bauwerk, erläutert die archäologischen Fakten und erzählt die Geschichte des Steinwalls. Doch seit dem vergangenen Winter tut sie dies mit einem unguten Gefühl.

Grund dafür ist die sogenannte Steinerne Treppe, die über den Nordwall führt. Sie werde für Besucher immer wieder zur Stolperfalle, weil im oberen Bereich mehrere Steine locker sind. „Die Kelten haben den heute noch zehn Meter hohen Wall vor mehr als 2000 Jahren erbaut. Vor fast 200 Jahren wurde eine Treppe anlässlich des Besuches eines preußischen Prinzen angelegt“, erklärt Zarth. Jährlich würden tausende Wanderer diese Treppe benutzen. Und auch die Gästeführerin und ihre Gruppen klettern regelmäßig über die Stufen.  Dass drei bis vier Tritte nicht richtig befestigt sind, hält Zarth für äußerst gefährlich. Mehrere Male war sie deshalb im Nonnweiler Rathaus und im Birkenfelder Nationalparkamt. „Ich habe darum gebeten, die Stufen zu befestigen. Aber es passiert nichts“, beschwert sich Zarth. Dabei ließe sich das Problem ihrer Meinung nach mit ein paar Schaufeln Beton beheben. Die Gästeführerin möchte dem „verantwortungslosen Nichtstun“ nicht mehr länger zusehen. „Ein schwerer Unfall ist bereits geschehen“, sagt sie. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis es wieder zu einem Unglück kommt.

Thomas Finkler von der Gemeinde Nonnweiler bestätigt, dass am 22. Oktober 2017 ein 80-Jähriger auf der Treppe gestürzt ist. Grund dafür seien allerdings nicht die lockeren Stufen gewesen. „Nach Information unseres Wehrführers erlitt der Mann einen Schwächeanfall“, sagt Finkler. Dennoch hat er Verständnis für die Beschwerden der Gästeführerin. Über die Steinerne Treppe würden viele Wanderwege führen wie beispielsweise der Saar-Hunsrück-Steig, die Dollbergschleife, der Saarland Rundwanderweg, der Europäische Fernwanderweg E3, der Archäologischer Wanderweg oder der Skulpturenweg Cerda & Celtoi. Neben den Wanderern würden zahlreiche kulturhistorisch interessierte Besucher die Treppe erklimmen. „Die intensive Nutzung führt zwangsläufig zum Lostreten der Stufen“, sagt Finkler. In der Vergangenheit habe die Gemeinde Nonnweiler die Pflege und Unterhaltung der Steinernen Treppe übernommen und die Tritte regelmäßig befestigt.

Seit der Gründung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald im Jahr 2015 sei jedoch das Nationalpark-
amt dafür verantwortlich, Liegenschaften innerhalb der Gebietskulisse zu unterhalten. Also auch für den Ringwall. „Das Denkmal selbst befindet sich in der Pflegezone, nicht in der Naturzone des Nationalparks. Verkehrssicherungs- beziehungsweise Unterhaltungsarbeiten sind also möglich – unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes“, erläutert Finkler weiter. Die Gemeinde habe das Nationalparkamt in Birkenfeld auf die Gefahrenstelle an der Ringwalltreppe hingewiesen. Auf SZ-Nachfrage erklärt Anja Eckhardt vom Nationalparkamt allerdings: „Da es sich beim Ringwall um eine denkmalgeschützte Anlage handelt, ist es leider nicht möglich, hier einen Eingriff vorzunehmen.“ Daher sei man mit der Gemeinde so verblieben, dass „wir dort ein Schild mit einem entsprechenden Hinweis aufstellen werden“.

Der aktuell noch sichtbare Nordwall wurde im vierten Jahrhundert vor Christus erbaut. Foto: Timo Volz
Tausende Wanderer spazieren jedes Jahr über den Keltischen Ringwall in Otzenhausen. Kurz vor dem Hunnenring haben sie einen schönen Blick auf den Nonnweiler Stausee. Foto: Bonenberger & Klos/Bonenberger

Für Gästeführerin Evi Zarth ist das keine ausreichende Maßnahme. Ihren Gruppen zeigt sie, an welchen Tritten Vorsicht geboten ist. Sorgen macht sie sich vielmehr um die Menschen, die den Keltischen Ringwall ohne Begleitung erkunden. Ein Schild zu errichten, sei daher das Mindeste, was das Nationalparkamt tun müsse. „Immerhin werden die Besucher dann schon mal gewarnt“, findet sie. Doch damit zufrieden geben will sich Zarth nicht. Ihrer Meinung nach ist es „großer Unsinn“, dass die Steine nicht befestigt werden. Im nächsten Schritt möchte sie sich daher ans Denkmalamt wenden.