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Nur mit Qualität auf dem richtigen Weg Der Service muss täglich erlebbar sein

Nur mit Qualität auf dem richtigen Weg Der Service muss täglich erlebbar sein

Weiskirchen/Nonnweiler. Wer von den Wanderern auf dem Saar-Hunsrück-Steig profitieren will, der muss auf Qualität setzen. Diese Schlussfolgerung zog sich wie ein roter Faden durch die Vorträge beim IHK-Tourismustreff am Montag im Flair Parkhotel in Weiskirchen. Dazu hatten die Industrie- und Handelskammern Saarland, Trier und Koblenz eingeladen

Weiskirchen/Nonnweiler. Wer von den Wanderern auf dem Saar-Hunsrück-Steig profitieren will, der muss auf Qualität setzen. Diese Schlussfolgerung zog sich wie ein roter Faden durch die Vorträge beim IHK-Tourismustreff am Montag im Flair Parkhotel in Weiskirchen. Dazu hatten die Industrie- und Handelskammern Saarland, Trier und Koblenz eingeladen. "Ihr Weg zum Erfolg: Was bringt uns der Saar-Hunsrück-Steig?", das war das Thema (wir berichteten kurz). 120 Interessierte, darunter Gastwirte und Hoteliers, waren nach Weiskirchen gekommen.Das Feld beackern"Der Steig bringt uns mehr Umsätze. Das haben wir schnell festgestellt." Das sagte Michael Buchna vom Hotel "Zur Saarschleife" in Orscholz und Präsidiumsmitglied des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Saarland. Und weiter: "Wir brauchen dringend mehr Umsätze, brauchen alternative Marktfelder, die wir beackern können." Der Steig trainiere aber auch die Servicequalität der Unternehmen, denn Wanderer seien anspruchsvolle Gäste. Die Saarwirts-Wandertüte ist für Buchna ein Beispiel für gute Service-Qualität. Seine Gäste stellen ihr eigenes Lunchpaket zusammen, bekommen mit der Tüte aber auch Wegbeschreibungen und sogar Rezeptvorschläge. Jüngste Idee: eine Saar-Wirtsschuhputzbar zum Reinigen der Schuhe.Damit lieferte der Hotelier gleich zwei Beispiele für den so genannten Wow-Effekt der Kundenverblüffung. Eines von fünf Kriterien, die nach Ansicht des Unternehmensberaters Karl-Heinz Kühnel erfolgreiche Betriebe von anderen unterscheiden. Kühnel von der Creuznacher Betriebsberatung ist Sachverständiger der Dehoga Rheinland-Pfalz und betreut Gastronomie- und Hotelbetriebe. Bei seiner Beratungsarbeit habe er fünf Hauptkriterien festgestellt, die erfolgreiche Betriebe ausmachen, so Kühnel in seinem Vortrag. Der Wow-Effekt ist einer. Kühnel: "Dabei geht es darum, die Erwartungen des Gastes nicht nur zu erfüllen, sondern sogar zu übertreffen". Damit rücke der Betrieb in der persönlichen Hitliste des Gastes nach vorne, es gebe positive Mund-zu-Mund-Werbung, und das Unternehmen bleibe in guter Erinnerung. Kühnel: "Der Gast erfährt Wertschätzung. Das ist das Entscheidende an der Überraschungsqualität." Auf Emotionen setzenErfolgreiche Vermarktung sei nur möglich über die Emotion oder den Preis. Das ist für Kühnel ein weiteres Kriterium. Wer mit einem niedrigen Preis Gäste gewinnen will, müsse dies konsequent auch beim Einkauf tun und mit einer Masse von Besuchern rechnen können. Emotion werde vermittelt über Erlebnisse. Der Gast komme nicht nur, um satt zu werden, sondern um eine schöne Zeit zu verbringen. Kühnel: "Je mehr Emotion in einem Produkt, desto höher die Rendite."Drittes Erfolgskriterium sind für ihn die Mitarbeiter. Da gehe es um die Auswahl bei der Einstellung, um die Fortbildung, Motivation und das Einbinden des Teams. Der Referent: "Nicht geschimpft ist Lob genug, das zieht heute nicht mehr. Ohne Teambesprechungen gibt es keinen Teamgeist und ohne Teamgeist keinen Erfolg."Das vierte Kriterium besteht für ihn darin, klare unternehmerische Ziele zu setzen und die konkrete Umsetzung zu planen. Auch da müsse man die Mitarbeiter einbinden. Ein letzter Punkt ist die permanente Innovation. Da gelte es, den Markt zu beobachten, Anregungen zu sammeln und neue Angebote aufzunehmen, von Bioprodukten über neue Gerichte bis zur Ausstattung der Zimmer. Was gehört zur Qualität? Auf diese Frage ging Susanne Leder ein, Marketingleiterin des Mullerthal-Trails, eines Wanderwegenetzes in Luxemburg. Sie sprach über "Wandertourismus heute". Da gebe es zum einen die Wegequalität. Die sei beim Saar-Hunsrück-Steig gegeben. Wichtig sei die Gastgeberqualität. Da habe man im Mullerthal für wanderfreundliche Betriebe Standards definiert.Standards definierenZu kostenfreien Leistungen gehören hier unter anderem wanderkundige Mitarbeiter, Tourenvorschläge, Möglichkeiten, Schuhe und Kleider zu reinigen und zu trocknen. Gegen Gebühr gebe es Lunchpakete, einen Hol- und Bringservice und Gepäcktransport. Leder verschwieg nicht, dass es bei der Einführung dieser Kriterien Probleme mit manchen Betrieben gegeben habe, die sich bevormundet gefühlt haben. Diese Standards sind für sie aber Voraussetzung für den Erfolg. Denn: "Die Konkurrenz schläft nicht."Weiskirchen/Nonnweiler. "Der Saar-Hunsrück-Steig bringt uns Wertschöpfung. Wir können Arbeitsplätze halten und ausbauen. Dies ist auch Wirtschaftsförderung." Mit diesen Worten unterstrich Daniela Schlegel-Friedrich, Landrätin des Kreises Merzig-Wadern und Vorsitzende des Naturparks Saar-Hunsrück, die Bedeutung des Saar-Hunsrück-Steiges. Sie zählte die Fakten auf. Der Steig ist 184 Kilometer lang und führt von Mettlach bis nach Trier und Idar-Oberstein. Er ist mit 58 Punkten der höchst bewertete Fernwanderweg in Deutschland und hat ein europaweites Alleinstellungsmerkmal: 96 Prozent des Weges sind naturbelassen. Der Weg ist Deutschlands Fernwanderweg 2009. Projektträger ist der Naturpark Saar-Hunsrück. Die 13 am Weg liegenden Kommunen machen mit, darunter ist auch die Gemeinde Nonnweiler. 264 000 Euro sind an öffentlichen Geldern in die Ersteinrichtung des Weges geflossen. Hinzu kommen die Eigenleistungen der Kommunen. 200 000 Euro stehen in jedem Jahr für die Qualitätssicherung und Marketing bereit. Den Weg unterhalten die 13 Kommunen.44 PremiumwegeBisher gibt es im Umfeld des Steiges 44 Premium-Rundwanderwege mit dem Markennamen Traumschleifen Saar-Hunsrück. Weitere 25 folgen im Jahr 2010. Schlegel-Friedrich: "Die Traumschleifen erweitern das Qualitätsangebot vom linearen Steig auf die Gesamtregion Saar-Hunsrück." 100 000 Besucher sind in diesem Jahr auf dem Steig gewandert, so die Schätzungen. Die Landrätin: "Der Steig ist ein Motor der touristischen Entwicklung der Region." Ein weiteres Ziel sei die Verlängerung des Steiges Richtung Frankreich und Luxemburg.Den Betrieben empfahl Schlegel-Friedrich die klare Ausrichtung auf die Zielgruppe der Wanderer. Bisher seien 44 Betriebe entlang des Steiges als wanderfreundlich zertifiziert worden. Der Wanderservice müsse täglich erlebbar sein, dazu gehörten auch die entsprechenden Öffnungszeiten. Die Landrätin: "Wir brauchen die Betriebe. Man kann keine Wanderdestination ohne die entsprechenden Betriebe sein."Die Zeit für Investitionen in die Betriebe ist günstig. Darauf wies Siegfried Eckert, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Merzig-Wadern, in seinem Vortrag "Möglichkeiten der Tourismusförderung einer regional engagierten Bank" hin. In den letzten drei Jahrzehnten seien die Zinsen noch nie so günstig gewesen wie heute. 22,3 Millionen Euro habe die Sparkasse an Investitionskredite für das Beherbergungs- und Gastronomiegewerbe ausgegeben. Das seien 5,3 Prozent des gesamten Kreditvolumens an die gewerbliche Wirtschaft. vf