Gemeinderat: Nonnweiler sagt Ja zum Freizeitweg

Gemeinderat : Nonnweiler sagt Ja zum Freizeitweg

Als dritter Gemeinderat stimmte nun auch Nonnweiler dem geplanten Freizeitweg zu. In der jüngsten Sitzung erläuterte der Projektplaner, wie die Strecke in der Gemeinde aussehen wird.

Bernd Zollhöfer hat seine Tour beendet. Der Geograf war bereits in Freisen und Nohfelden zu Gast. Vergangene Woche besuchte er nun auch die Gemeinderatssitzung in Nonnweiler. Seine Mis-
sion: Den Mitgliedern die Strecke des geplanten Freizeitweges vorzustellen. Zollhöfer vom Velo-Büro Saar betreut das Projekt und die technische Planung im Auftrag des Landkreises St. Wendel. Der Strecke über die ehemalige Bahntrasse zwischen Freisen und Nonnweiler spricht er großes Potenzial zu.

„Der Weg ist für Touristen sehr interessant, da er an viele Ausflugsziele angebunden ist“, sagt der Geograf. Dazu zählen Naturwildpark, Bostalsee, Ringwall, Keltenpark und Nationalpark. Aber auch für Freizeit- 
sportler sei die Strecke optimal. „Vor allem der Abschnitt durch Nonnweiler ist landschaftlich reizvoll“, ist Zollhöfer überzeugt. Hier führt der Weg unter anderem durch einen 260 Meter langen Tunnel. „Ein Bewegungsmelder wird dort für Licht sorgen“, kündigt Zollhöfer an. Der Einstieg zu dem Weg werde sich am Friedhof befinden.

Zwei Bauabschnitte sind in Nonnweiler angedacht. Zum einen von der Gemeindegrenze bei Ziegelhütte bis nach Nonnweiler. Zum anderen von Nonnweiler bis nach Bierfeld. Planung und Ausschreibung für dieses Stück sollen 2018/19 über die Bühne gehen. Der Bau stehe für 2020 an. Insgesamt 30 Kilometer lang wird der Freizeitweg sein, 8,95 davon liegen auf Nonnweiler Boden. Die Kosten für diesen Abschnitt beziffert Zollhöfer auf 1,68 Millionen Euro. Darin enthalten seien unter anderem die Demontage der Schienen, die Beschilderung und der Grunderwerb. Denn noch ist die Trasse im Eigentum der Deutschen Bahn (DB). Die Naturlandstiftung will die komplette Strecke übernehmen und an die jeweiligen Gemeinden verpachten. Im Gesamtpaket der DB sind auch die zunächst nicht benötigte Strecke vom Bahnhof Bierfeld bis nach Rheinland-Pfalz und der ehemalige Bahnanschluss in Richtung Mariahütte enthalten. „Den Anschluss in Richtung Mariahütte beabsichtigt die Gemeinde zu übernehmen“, erklärt Bürgermeister Franz Josef Barth (parteilos). Die Strecke von Bierfeld bis zur Landesgrenze solle vorerst bei der Naturlandstiftung verbleiben. Sie kümmere sich übrigens auch um die Verkaufsgespräche, die Rodung und die Entfernung der Gleise. „Die Gemeinden können die Trasse dann baufertig übernehmen“, sagt Zollhöfer. Abzüglich aller Förderungen und Zuschüsse von Land und Landkreis muss Nonnweiler voraussichtlich noch 168 000 Euro (zehn Prozent) zum Bau des Freizeitweges beisteuern.

Damit sind auch die meisten Ratsmitglieder einverstanden. Sie halten den Freizeitweg für eine gute Investition. „Es gibt viele Zuschüsse für die Finanzierung, und der Weg wird ein neuer touristischer Höhepunkt in der Region sein“, sagt Erwin Scherer, Sprecher der SPD-Fraktion. Er fordert allerdings, dass vor Baubeginn ein Gutachten der Brücken und des Tunnels erstellt wird, um auszuschließen, dass diese baufällig sind und in naher Zukunft saniert werden müssen. Doch diese Bedenken räumt Rathauschef Barth gleich aus der Welt: „Nach einem ersten unverbindlichen Gutachten sind die Brücken und der Tunnel für die beabsichtigte Nutzung noch in Ordnung.“ Lediglich an drei Brücken seien kleinere Schäden zu erkennen gewesen. Deren Reparatur würde etwa 45 000 Euro kosten.

Und so fällt das Ergebnis der anschließenden Abstimmung eindeutig aus: Die große Mehrheit ist für das Projekt. Es gibt lediglich eine Enthaltung und eine Gegenstimme. Diese kommt von Andreas Lauer. Seine Stellungnahme gibt er als Privatperson und nicht als CDU-Mitglied ab. Er betont: „Aus verkehrspolitischer Sicht finde ich es völlig falsch, gleich in der Aufbauphase des Nationalparks Hunsrücke-Hochwald, ihn seines Bahnanschlusses zu berauben.“ Er verurteilt daher den Plan, den saarländischen Teil der stillgelegten Hunsrückbahn nur als Freizeitweg auszubauen. Weiterhin kritisiert er, wie mit den Mitgliedern des rheinland-pfälzischen Vereins „Pro Hochwald- und Hunsrückbahn“ umgegangen wird. „Ein Dialog zwischen den Bahnbefürwortern und dem Ministerium für Verkehr kam nie zustande“, beklagt Lauer. Solange es im benachbarten Rheinland-Pfalz noch Bestrebungen zur Reaktivierung dieser Strecke gebe, solle man nicht voreilig die Gleise abbauen.

Lauer fordert hingegen eine Verknüpfung von touristischem Bahnverkehr sowie Radtourismus. „Aber auf die Möglichkeit zwischen Türkismühle und Nonnweiler einen Radweg über 80 Prozent der Strecke parallel zur Bahn zu führen, wird nicht eingegangen“, erläutert der Politiker weiter. Die Mobilitätsstudie, die zu dem Ergebnis kommt, dass nur wenige Besucher mit dem Öffentlichen Personennahverkehr in den Park fahren würden, hält Lauer nicht für aussagekräftig. Sie hätte gar nicht die Aufgabe gehabt, das Potenzial der Hochwald-/Hunsrückquerbahn zu untersuchen. „Als unseriös in dieser Studie empfinde ich auch die Kostenschätzung bezüglich der drei Brücken und des Tunnels“, erklärt Lauer.  Er verlangt, dass Mitglieder des Vereins „Pro Hochwald- und Hunsrückbahn“ ihre Argumente im Gemeinderat vortragen dürfen. „Eine Entscheidung pro Bahn und Radweg wäre die einzig richtige Entscheidung für Umwelt, Wirtschaft und Tourismus“, ist sich Lauer sicher und beanstandet: „Verkehrspolitik pro Schiene findet im Saarland so gut wie nicht statt.“

Insgesamt drei Brücken werden Nutzer des Freizeitweges in der Gemeinde Nonnweiler überqueren. Foto: Bernd Zollhöfer
In der Gemeinde Nonnweiler führt der Freizeitweg durch einen Tunnel. Laut Bernd Zollhöfer soll dort ein Bewegungsmelder für Licht sorgen. Foto: Bernd Zollhöfer
Noch ist die Bahntrasse im Besitz der Deutschen Bahn. Die Naturlandstiftung wird die Strecke übernehmen und an die Gemeinden verpachten. Foto: Bernd Zollhöfer

Projektplaner Zollhöfer ist da anderer Meinung. „Die Bahn würde den Menschen vor Ort nichts bringen. Sie würden die Bahn nicht nutzen. Aber auf dem Freizeitweg haben sie viele Möglichkeiten, sich zu bewegen und die Natur zu genießen“, kontert der Geograf und erklärt seine Gemeinderats-Tour somit erstmal für abgeschlossen.

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