Musik verbindet und ist bunt

Über 200 Menschen feierten eine Integrationsparty für Kriegsflüchtige aus Syrien und Eritrea im Primstaler Gasthaus Zeggels. Es wurde gekocht, musiziert, getanzt und dabei lernte man sich kennen. Die Interessengemeinschaft Prims-Art hatte die Benefizveranstaltung „Musik verbindet“ auf die Beine gestellt.

Wofür Menschenmassen in Großstädten durch die Straßen ziehen, funktioniert im Kleinen: "Primstal ist bunt". Über 200 Menschen, völlig egal welcher Hautfarbe und Religion, feiern die Integrationsparty "Musik verbindet". Thomas Schmidt von der Interessengemeinschaft Prims-Art strahlt und sagt: "Die Vielfalt auf der Bühne spiegelt sich im Publikum wider".

Begonnen hat das Kennenlernen bereits Anfang der vergangenen Woche. Trainingsgäste aus Syrien und Eritrea haben bei den Saarlandliga-Fußballern mitgekickt. Nach der Übungseinheit wird Trainer Lothar Pesch von den fußballbegeisterten Kriegsflüchtlingen in Nonnweiler zur Teestunde eingeladen. 20 Menschen aus den Krisenländern Syrien und Eritrea leben derzeit in der Gemeinde. Salah, hat in seiner syrischen Heimat als Apotheker gearbeitet. Am Freitag schnürt er sich im Primstaler-Bio-Markt von Martin Scheid die Kochschürze um. Ein deutsch-syrisches Quartett bereitet die Gerichte für die Party vor. Batata, Hähnchenschenkel mit Kartoffeln und Kabasa (Huhn mit Reis) stehen unter anderem auf der Speisekarte. "Es hat sehr viel Spaß gemacht", meint Amir, der in Dirmingen wohnt. Ehe er seine syrische Heimat verlassen musste, war er als Bäcker in einer französischen Carrefour-Filiale in Aleppo angestellt. "Meine Familie mit dem einjährigen Baby ist in der Türkei. Ich will sie irgendwann nach Deutschland holen", hofft Amir. Nach getanem Job mischt er sich unter die Leute.

Im Saale Zeggels steigt die Stimmung. Amal aus Büschfeld feiert ihren 14. Geburtstag. Organisator Schmidt hat das spitzgekriegt. Spontan erklingt "Happy Birthday", zunächst in Englisch, dann in syrischer Sprache. Zwischendrin werden alle Gäste von der Realität eingeholt. Doch das gehört einfach auch dazu. Adoula Dado vom Verein Rote Sonne berichtet von ihrem zehntägigen Besuch im Nord-Irak. "Die Leute brauchen lebensnotwendige Sachen und humanitäre Hilfe vor Ort. Jetzt ist der Nord-Irak aus den Medien verschwunden, dementsprechend tut sich weniger", meint Dado. Nach ihr nimmt Tanburspieler Mahmoud Bozan auf der Bühne Platz. In Syrien war der 35-jährige Musiker aus Kobane durch zahlreiche Auftritte im Fernsehen bekannt. Seit gut einem Monat lebt er in Nonnweiler . "Ich gebe mein erstes Konzert in Europa", freut sich Bozan. Eigens für die Veranstaltung hat er das Lied "Das Leben ist schön" geschrieben. Vor ihm und Mitmusiker Michael Weyland nehmen sich die Leute gegenseitig zum kurdischen Tanz in die Arme. "Seid Friedenstifter. Glaubt nicht, Kriege seien es wert, unterstützt zu werden", heißt es darin in einer Textpassage. "Ich will lernen eine Gitarre spielen zu können und mal ein englisches Leid singen", wünscht sich Bozan. Mitsummen, mitklatschen kann er gleich. "Let's twist again", fordert das Anton-Rock-Projekt auf. Zum Schluss ist dann die Hip-Hop-Truppe Spirit Heroes noch an der Reihe. "Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass ich richtig glücklich war", urteilt Amir über den Abend. Die Interessengemeinschaft ist überwältigt vom Besucherzuspruch. "Das war sehr gut". Also alles bestens? Nicht ganz. "Das Feedback, das Verabredungen untereinander entstanden sind, hat mir gefehlt", so Schmidt. Man habe es versäumt, da mehr nachzuhaken. Überlegungen sind schon im Gange die Integrationsparty nochmals im Sommer zu feiern.

An Spenden wurden 1620,80 Euro gesammelt. Der Erlös kommt der Hilfsorganisation Rote Sonne zugute. Die Sachspenden gehen an die Kleiderkammer der evangelischen Kirche in St. Wendel und an den Förderverein Kleine Hände.