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Kreis-SPD hatte zum Heringsessen geladen

Aschermittwoch : Jung lobt Fans von Preußen Münster

Rechte Strömungen waren beim politischen Aschermittwoch in der Kritik der Kreis-SPD.

Mit dem politischen Gegner abzurechnen, das überließen die Nonnweiler Sozialdemokraten am Aschermittwoch beim Heringsessen im Braunshausener Bürgerhaus anderen. Die 80 Parteigenossen des Gemeindeverbandes trafen sich auch nicht, um eine Katermahlzeit zu verspeisen. Gemütlich konnten sich alle zunächst zurücklehnen, als der Gemeindeverbandsvorsitzende Christof Görgen seine Rückschau ins Jahr 2019 startete. „Bei der Kommunalwahl waren die Ziele hoch. Im Gemeinderat haben wir die Mehrheit und stellen sechs von acht Ortsvorstehern“, führte Görgen aus. ass die SPD in Primstal nicht mehr die Mehrheit besitze, schmerze allerdings sehr. „Die Erfolge überwiegen, sodass wir positiv in die nächsten Jahre gehen können“, meinte Görgen.

Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth (parteilos) listete 14 abgeschlossene Maßnahmen auf, die von der SPD uns Leben gerufen und umgesetzt wurden. „Wir zeigen uns eng und geschlossen, das macht unsere Stärke aus, und wir finden immer den Konsens“, erklärte Görgen. Allerdings müsse ein Sozialdemokrat auch leidensfähig sein. Görgen verurteilte den Terroranschlag von Hanau und empfand durch das Verhalten der AfD eine Bedrohung von rechts.

„Ich denke an Eugen Berl“, sagte Kreis-Chef Magnus Jung. Der Kaufmann war Mitbegründer des ersten SPD-Ortsvereins in St. Wendel. „Die Nazis haben ihn und seine Familie damals mit Schimpf und Schande behandelt“, blickte er zurück. Aber mittlerweile habe er feststellen müssen: „Die Nazis sind wieder da“. Laut Bundesinnenministerium wurden insgesamt 1241 politisch motivierte Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger im Jahr 2019 erfasst. „Wir sind nun alle in besonderer Weise gefordert“, meinte der Landtagsabgeordnete aus Kastel. Denn die SPD sei es schon 1933 gewesen, die als einzige Partei gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt habe, erläuterte Jung.

Mit seiner Kritik zielte der Kreis-Chef vor allem nach rechts. Für ihn steht klipp und klar fest: „Der Rechtsextremismus ist die Bedrohung Nummer eins geworden“. Dafür verantwortlich sei auch die AfD durch die aggressive Rhetorik ihres Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland mit Sätzen wie „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ oder „Wir werden Frau Merkel jagen“.

Des Weiteren prangerte Jung die Hetze im Netz gegen den Saar-Polizeigewerkschafter David Maaß an, der nach einem AfD-kritischen Beitrag Beleidigungen und Bedrohungen erhielt. „Wir müssen uns vor ihn stellen“, forderte Jung auf. Laut seiner Einschätzung brodelt es, und er sieht seine Partei gefordert. „Die SPD war immer die Partei, die für die Freiheit eingestanden ist, und ohne die SPD hätte es keine Demokratie gegeben“, sagte Jung. Den Sozialdemokraten empfahl er, sich die Anhänger des Fußball-Drittligisten Preußen Münster als Vorbild zu nehmen. Ein Zuschauer hatte den Würzburger Spieler Leroy Kwadwo von der Tribüne aus rassistisch beleidigt. Die Münsteraner Anhänger antworteten mit „Nazis-raus-Rufen“ und halfen den Ordnungskräften, den Mann ausfindig zu machen. Diese Zivilcourage wünscht sich Jung bei seinen Parteigenossen: „Seid mutig, mischt euch ein und kein Fußbreit den Faschisten.“