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Kräftemangel bremst WirtschaftskraftGeschäftsmann: Auch Ältere müssen Willen zur Arbeit zeigen

Kräftemangel bremst WirtschaftskraftGeschäftsmann: Auch Ältere müssen Willen zur Arbeit zeigen

Nonnweiler. Nachwuchsknappheit hat längst Arbeitgeber der Region erreicht. Das könnte die Existenz einiger Firmen bedrohen, Arbeitsplätze kosten. Bei der Suche nach Fachkräften sieht's ebenfalls eng aus: Gut ausgebildete Mitarbeiter - Mangelware. "Deshalb wird der Kampf zwischen Unternehmen um die Bewerber härter

Nonnweiler. Nachwuchsknappheit hat längst Arbeitgeber der Region erreicht. Das könnte die Existenz einiger Firmen bedrohen, Arbeitsplätze kosten. Bei der Suche nach Fachkräften sieht's ebenfalls eng aus: Gut ausgebildete Mitarbeiter - Mangelware. "Deshalb wird der Kampf zwischen Unternehmen um die Bewerber härter." Diese Prognose stellte Patrick Müller - der Geschäftsführer der Primstaler Alois-Kasper-Aufzugfabrik war Teilnehmer der Podiumsdebatte "1. Nonnweiler Wirtschaftsdialog" - zu Auszubildenden und Fachkräften der Zukunft. Gemeinde und Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land hatten ins Mehrgenerationenhaus geladen. Sollten die Veranstalter erwartet haben, Wirtschaftsvertreter, Arbeitsvermittler und Behördenmitarbeiter reden sich die Köpfe heiß: weit gefehlt. Sie einte weitgehend eine traurige Übereinstimmung zu bereits herrschenden Arbeitsmarkt-Schwierigkeiten. Um die Dramatik klar zu machen, wollte Müller mit seinen Thesen die übrigen Diskussionsteilnehmer provozieren. Stattdessen bestätigte Sabine Wolf, für die Neunkircher Arbeitsagentur im Podium: "Auch wir stellen fest, dass es zu einer Unterbelegung kommt." Besonders beim Handwerk. "Den Fachkräftemangel spüren wir daran, wie lange Stellen offen gemeldet sind, weil sie nicht besetzt werden können" - trotz intensiver Suche. Meinungsunterschiede gab's dann doch bei den Gründen dafür. Demnach sollten sich Personalchefs stärker um Alleinerziehende kümmern, verlangte Harald Becker. Der Leiter für Eingliederung bei der Kommunalen Arbeitsförderung des Landkreises St. Wendel schlug "flexiblere Arbeitszeiten, Teilzeit und Telearbeit" vor, um beispielsweise in der Regel gut ausgebildeten Frauen nach der Babypause den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Zugleich kritisierte der Arbeitsförderungsexperte, dass viele Firmen nicht auf die Qualifikation durchaus leistungsfähiger Älterer setzten. "Ich finde nicht okay, dass sie mit 55 frühverrentet werden und dann Höchstleistungen auf dem Sportplatz bringen." Das könne "eine Volkswirtschaft nicht lange mitmachen". Und: "In Osteuropa ist das gang und gäbe", ältere Mitarbeiter einzustellen. "In Deutschland wird nicht darauf reagiert." Viele Betriebe verfielen dem Jugendwahn. Seine fordernde Frage: "Warum stellen sie keine Älteren ein?" Müller konterte für seine Fabrik: "Wir stellen keine Älteren bei uns ein, Mitarbeiter werden bei uns so alt." Wolf von der Arbeitsagentur widersprach: "Über 50-Jährige sind schwieriger zu vermitteln", seien überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen.Um Nachwuchs zu gewinnen, müssten Betriebe "Kindern von 14, 15 Jahren Praktika anbieten. Viele von ihnen hatten noch nie einen Schraubenzieher in der Hand. Wir haben keine Möglichkeit, dass dies die Schule macht." So müsse das die Wirtschaft leisten, sagte Justus Wilhelm von der Saar-Handwerkskammer (HWK).Im Übrigen habe das Handwerk unter mangelnder Nachfrage bei jungen Leuten wegen "Überschulung" zu leiden. Arbeitsagentur-Vertreterin Wolf: "Viele Eltern wollen für ihr Kind was Besseres." Für sie sei deshalb ein Hauptschulabschluss nicht mehr zeitgemäß. "Aber gerade das Handwerk will lieber einen guten Hauptschulabschluss als eine schlechte Mittlere Reife." > Seite C 3: Arbeitsmarkt Nonnweiler. Schlechte Erfahrungen mit älteren Arbeitslosen oder Jobsuchenden hat Erbo Schneider (Foto: B & K) gemacht. Der 68-jährige Seniorchef einer Nonnweiler Stahlbaufirma: "Die innere Einstellung stimmt nicht." Das habe er zuletzt registriert, als sich ein 53-Jähriger auf eine Stelle im Unternehmen bewarb. Während des Vorstellungsgespräches seien beide Seiten so verblieben, dass der mögliche neue Mitarbeiter im Laufe der Woche seine Entscheidung telefonisch mitteilt, ob er das Angebot annimmt. Schneider: "Er sagte: 'Ja, ich überleg' es mir.' Dann hat er sich aber nicht mehr gemeldet." Nicht das erste Mal, dass ihm sowas passiere, berichtete der Firmenchef als Zuhörer der Podiumsdiskussion "Auszubildende und Fachkräfte der Zukunft" in Nonnweiler. Damit machte er klar, dass der Unterschied zwischen vielen Jungen und Alten nicht groß sei, was die Arbeitsmoral betrifft.Auslöser für Schneiders Stellungnahme: Zuvor hatten die Podiumsteilnehmer über den Arbeitswillen von Berufseinsteigern gesprochen. Sabine Wolf von der Neunkircher Arbeitsagentur: "Zuhause fehlt heute jemand zur Motivation." Was die Berufswahl angeht, komme deshalb Orientierungslosigkeit hinzu. Ebenso falsch seien zu gut behütete Kinder. Wolf nannte das "Überbetütelung", wenn zum Beispiel die Mutter beim Arbeitgeber anruft und im Auftrag entschuldigt: "Mein Kind kann heute nicht." Dann könne es kein Verantwortungsbewusstsein entwickeln. Viele Familien würden damit ihre Aufgaben, Zuverlässigkeit und innere Einstellung zum Job beizubringen, auf Lehrer abwälzen. hgn

 Das Podium (von links): Harald Becker, Patrick Müller, SZ-Regionalleiter Volker Fuchs, Sabine Wolf und Justus Wilhelm. Foto: Bonenberger & Klos
Das Podium (von links): Harald Becker, Patrick Müller, SZ-Regionalleiter Volker Fuchs, Sabine Wolf und Justus Wilhelm. Foto: Bonenberger & Klos

Auf einen BlickTeilnehmer der Nonnweiler Podiumsdiskussion: Patrick Müller, Geschäftsführer der Alois-Kasper-Aufzugfabrik; Justus Wilhelm, Bereichsleiter Bildungspolitik und Ausbildung der Handwerkskammer (HWK) des Saarlandes; Sabine Wolf, Teamleiterin Arbeitgeberservice bei der Neunkircher Arbeitsagentur; Harald Becker, Leiter Eingliederung, Kommunale Arbeitsförderung des Landkreises St. Wendel; Moderation: SZ-Regionalleiter Volker Fuchs. red