Kirchenvertreter schauen Fußballspiel in Primstal

Fußball und Kirche : Was Kirche und Fußball gemeinsam haben

Vertreter der katholischen Kirche haben sich ein Fußballspiel des Saarlandligisten VfL Primstal angesehen.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Benedikt, ist Ehrenmitglied und glühender Fußball-Fan des argentinischen Erstligisten Atlético San Lorenzo de Almagro aus Buenos Aires. Doch was haben Kirche und der Weltsport Nummer eins gemeinsam? Schon in den Wortspielen finden sich Analogien zur Religion. Beliebt und oft benutzt wird der „heilige Rasen“, der Kicker-Adelstitel „Fußballgott“ oder die „Hand Gottes“ des früheren argentinischen Ausnahmespielers Diego Maradona, der damit bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko ein irreguläres Tor erzielt hat.

„Es gibt viele Parallelen zwischen Fußball und Kirche“, stellt Pastoralassistent Raphael Collinet vom Dekanat St. Wendel fest. Bei der Pfarrei sei es der Pfarrbrief, beim Fußballverein die Stadionzeitung, die auf die Termine aufmerksam mache. Eine Abordnung mit Vertretern der katholischen Kirche hat sich kürzlich die Fußball-Saarlandliga-Partie zwischen dem VfL Primstal und dem SV Auersmacher angesehen, um das Leben und die Rituale um ein Spiel mit dem runden Ball zu beobachten und zu verstehen.

„Wir haben uns dazu die am höchstklassig spielende Mannschaft im Landkreis ausgesucht“, erklärt Collinet. Ihn begleiten dabei: Erzieherin Andrea Tschida, der Küster Christoph Kirsch und das Oberthaler Pfarrverwaltungsratsmitglied Herbert Maurer. „Wir haben alle Stadionerfahrung“, vermeldet Kirsch, als der Primstaler Spielausschussvorsitzende Dieter Jochum vor dem Anpfiff die Gäste begrüßt.

Im Sportheim treffen sich die Zuschauer bei Kaffee und Kuchen. Ein traditionelles Ritual, welches wie die Bratwurst in der Halbzeitpause beim Besuch eines Fußballspiels dazugehört. Dass die Kirche und der Sportplatz Orte der Begegnung sind, ist hinlänglich bekannt. Der Fußballplatz, so Collinet, könne als ein Stück soziales Eigentum betrachtet werden. „Es ist ein gesicherter Ort, ein sozialer Raum, in dem sich Menschen treffen, miteinander eine gemeinsame Leidenschaft pflegen und über das sprechen, was sie bewegt und unter der Woche erlebt haben“, meint Collinet. Die katholische Kirche müsse sich bewusst machen, dass viele Abläufe bei einem Fußballspiel christlichen Ritualen ähneln. Der Pastoralassistent vergleicht den Einzug der Spieler auf das Feld mit dem der Priester und Messdiener in einer Messe. Die Kommunikation zwischen Stadionsprecher und Publikum unterliege ähnlichen Regeln wie zwischen Liturg und Gottesdienstbesuchern. „Fußball ist eine Religion und wird bei uns als Konkurrenz im schlechten Sinn gesehen“, sagt der Pastoralassistent. Dies findet er weniger passend. Collinet schlägt deshalb vor, dass eine Pfarrei häufiger Anlässe für Gemeinschaftserlebnisse schaffen solle: „Denn der Heilige Geist ist überall und nicht nur auf den zehn Metern in den Kirchenbänken“, ist Collinet überzeugt.

Fern ab vom Torjubel auf dem Platz haben Vereine auch identische Probleme wie die Kirche. „Hier sind es die Nichtmitglieder, um die der Verein werben muss, da sind es die Gläubigen, die nicht mehr zum Gottesdienst kommen“, stellt er gegenüber. In Zeiten des demografischen Wandels heiße das Kerngeschäft; die Bildung von Spiel- und Pfarreiengemeinschaften für beide Seiten. Fast sentimental wirkt der aus dem Westerwald stammende Collinet, wenn an seine eigene Jugend zurückdenkt. „Wir haben jeden Tag Fußball gespielt, leider gibt es heutzutage keine Bolzplätze mehr“, bedauert er.

Bitter waren die 90 Minuten für den Spielausschussvorsitzenden Jochum, der eine 2:3-Heimniederlage des VfL Primstal gegen Auersmacher hat schlucken müssen. „War schade, aber für uns hat sich der Besuch gelohnt“, resümiert Collinet. Die Eindrücke aus dem Vereinsleben bezeichnet er als hilfreich. Sie sollen dazu dienen, um das kirchliche Leben für die Zukunft aufzustellen.

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