Hinauf auf den Ringwall bei Otzenhausen : Wanderung auf den Spuren der Kelten

Bei einer Tour ging es rauf auf den Ringwall. Oben angekommen, erwartete die Teilnehmer ein Ausblick auf den Nonnweiler Stausee.

„Komm, wir gehen Römer kloppen“, lud ein großer blond bezopfter Gallier, oder besser Kelte, wie sie in unserer Region genannt werden, seinen kleineren Kumpel ein und sie zogen vom Keltendorf in Otzenhausen hinunter zum Römerlager. Dabei handelt es sich nicht um eine geschichtliche Überlieferung, sondern um ein aktuelles Ereignis, denn das alles passierte beim Treffen von Darstellern von Römern und Kelten im Keltendorf am Ringwall. Gut, die Aufforderung zur Schlägerei war – angelehnt an die Comics von Uderzo und Goscini – nicht ganz ernst gemeint. Vielmehr war das Aufeinandertreffen der Kulturen mehr freundschaftlich denn feindlich.

Ein umfangreiches Programm lud die Besucher zum Mitmachen und so konnte im Rund der Hütten nach alten keltischen Weisen gemeinsam getanzt werden, es durfte keltisches Essen gekostet werden und römischer Wein, den Mulsum. Spielen wie die Römer und Kelten, das konnten die Kinder und wer Lust hatte, konnte auch an einer der Führungen über den Ringwall und durch das Keltendorf teilnehmen.

Unsere Gästeführerin ist Andrea Fritsch. Als Erstes begutachtet sie das Schuhwerk derer, die mitwandern wollen. Meine Trekkingsandalen mustert sie mit einem skeptischen Blick: „Na ja – das wird schon gehen“, war ihr Kommentar und ich kann den Leser beruhigen: Es ist gegangen. Sehr gut sogar, wenn auch der Weg schon etwas anspruchsvoller als ein sonntagnachmittäglicher Spaziergang ist. Führt er doch bis hoch hinauf auf den Ringwall und wer Lust hatte, konnte die Überreste der Wallbefestigung auch erklimmen. Ein herrlicher Ausblick war der Lohn der Mühen und sicherlich ein unvergessliches Erlebnis.

Einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass die geführte Wanderung und Besichtigung einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat, ist sicherlich auch der unterhaltsamen und von fundierten Kenntnissen geprägten Art, wie Andrea Fritsch den Gästen die Kultur und das Leben der Kelten näher brachte, geschuldet. 400 vor Christus beginnt die Geschichte des Ringwalls, wie sie erläuterte. Zwischenzeitlich waren die Kelten für ein paar Jahrhunderte aus der Gegend wieder verschwunden, bevor etwa 100 vor Christus die Hochzeit der keltischen Kultur in unserer Heimat war. Wir erfuhren, dass der Nordwall der Befestigungsanlage 20 Meter hoch gewesen sein muss. Der gesamte Wall hat 2,5 Kilometer Umfang und besteht aus 240 000 Kubikmeter Gestein. „Das entspricht dem Bau von 13 000 Einfamilienhäusern“, veranschaulichte die Gästeführerin. „Wo kamen denn all die Steine her? Nun, wir befinden uns hier am Baumarkt“, verblüffte sie die Gäste und deutete auf eine Felswand aus Taunusquarzit im Hintergrund, die seinerzeit wohl als Steinbruch gedient haben mag. Man schätzt, dass rund 1000 Kelten in der Umgebung gelebt haben bis Gaius Julius Cäsar im Jahre 52 vor Christus mit zwei Legionen, also mit mehr als 12 000 Mann, hier eingefallen ist.

Die Führung dauerte mit allem drum und dran so gute drei Stunden und war ausgesprochen interessant, reizvoll, informativ und kurzweilig. Die Termine der Führungen kann man bei der Gemeinde Nonnweiler erfragen.

Im Keltendorf kann man den Schmieden über die Schulter schauen. Sie waren wahre Meister in der Eisenverarbeitung. Foto: Ralf Mohr
Auch für die Kinder gibt es viel zu entdecken: Hier können sie an einem Holzspiel die richtige Kleidung der Römer und Kelten kennenlernen. Foto: Ralf Mohr

www.nonnweiler.de/tourismus/tourist-info/

Mehr von Saarbrücker Zeitung