Fastnacht : Die rostigen Elf und eine getanzte Revolution

Mit einer Mischung aus Vorträgen und Tanz ging die Kappensitzung im Kasteler Castellum über die Bühne. Drei Vereine sind die Veranstalter.

Die Kasteler Büttenredner geben Alltagsgeschehen des Dorfes wie Alterskriminalität, das typische Gebaren eines Ur-Kastelers oder die Küche des Landtages mit viel Witz und Augenzwinkern wieder und begeistern damit das Publikum. 140 Närrinnen und Narren halten sich den Bauch vor Lachen bei der Kappesitzung im Castellum am vergangenen Samstag. Veranstaltet wird das närrische Treiben von der Pfarrkapelle, dem Handwerker- und dem Tischtennisverein Kastel.

Schlag 20.11 Uhr betritt das Prinzenpaar Elke und Dieter Alt das Bürgerhaus Castellum, gefolgt vom Elferrat. „Die rostigen Elf“ nennen sie sich, denn alle sind im Stil des Steampunks gekleidet – einer Mischung aus Punk, Science Fiction und Barock. „Rostig“ ist wohl auch gedacht als Anspielung auf das Durchschnittsalter des Elferrates, auf den die zwei alten Tratschen Sepp und Marie unverblümt hinweisen. Die Alterskriminalität in Kastel ist ein großes Thema in ihrem Vortrag von der Rentnerbank aus. Eine Bande gäbe es sogar, die mit ein OS (= Omastärke) das Dorf unsicher macht (gemeint sind zwei Damen, die mit ihren Rollatoren auf der Fahrbahn gehen). Zu sehen sind sie oft am Kleidercontainer. „Daher kommt ja auch der Name. Die nennen sich die Shopping Queens. Oder: Vier Räder gegen Kastel!“, prustet Marie, alias Sabine Schmitt.

Über die Herkunft und das Leben des urtypischen Kastelers weiß Dominique Engelen als Torsten Sträter aus seinem Männerhaushalt zu berichten. Dazu enthüllt er gleich zu Beginn ein Poster, das die Grundeigenschaften des Kastelers zeigt. Über die Herkunft weiß er: „Die Kasteler stammen nicht aus Holland, also nicht ‚van Kaschdel‘ entgegen der Behauptungen des südlich gelegenen Dorfes – Primstal.“ Und nimmt damit deren Dialekt auf die Schippe. Neben dem Engagement in den verschiedenen Vereinen gehört es zu einem guten Kasteler, dass er vollen Körpereinsatz zeigt. „Oder auch einen Leberschaden. Wieviel Geld ist da schon zusammengesoffen worden für eine neue Orgel“, gibt der Mann in der grauen Wollmütze zu bedenken.

Voller Körpereinsatz ist auch bei Bademeister Steven Schuh gefragt. Der Poolmaster gibt einen Einblick in sein Alltagsleben samt Geheimnisse aus dem Saunabereich und Erfahrungen mit Halbstarken im Schwimmbecken. Die rote Rettungsboje darf natürlich dabei nicht fehlen. Da ihm Sicherheit ein wichtiges Anliegen ist und es beim nächsten Hochwasser nicht zu Ertrinkungsunfällen kommen soll, nimmt er dem Publikum das Schwimmzeichen ab. Alle machen begeistert seine Schwimmbewegungen mit. Das Seepferdchen haben sie ja schon im letzten Jahr erreicht. Weitere Büttenredner sorgen für ausgelassene Stimmung (siehe Info).

Stolz sind die Kasteler auf ihre Funkenmariechen. Viele Vereine haben keins, sie haben sogar zwei: Svenja Görgen und Xenia Martin wirbeln über die Bühne. Die Tanzgruppe The Revolution gibt einen Querschnitt aus fetziger Musik. Die Begeisterung, mit der sie tanzen, ist auf ihren Gesichtern abzulesen. Das Publikum fordert deswegen sogar zwei Zugaben. In die Lüfte geht es kurz vor dem Finale mit dem Männerballett. Als Piloten verkleidet nehmen sie die Zuschauer mit auf eine Reise durch Moskau, Bangkok, Athen und Mallorca, wo sie dann auch die Hüllen fallen lassen.

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