Junge aus Niedersachen antwortet Primstaler Mädchen auf Flaschenpost

Primstaler Familie schickt Nachricht auf den Weg : Flaschenpost zieht Freundschaft an Land

Vor drei Jahren hat Phillip Maries Flaschenpost gefunden. Seitdem sind sie Brieffreunde und haben sich nun zum ersten Mal getroffen.

Kürzlich hat ein neunjähriger Australier Schlagzeilen gemacht, der eine 50 Jahre alte Flaschenpost fand (wir berichteten). Die hatte einst ein heute 63-jähriger Engländer von einem Schiff aus in den Indischen Ozean geworfen. Viele tausend Meilen und ein halbes Jahrhundert später wurde seine Botschaft endlich gelesen.

Ganz solange hat es nicht gedauert, bis Corina Arm und ihre inzwischen zehnjährige Tochter Marie Wagner Antwort auf ihre Flaschenpost bekamen. Und die schwimmende Botschaft hat auch keine solch lange Strecke zurückgelegt. Doch wie auch im Falle des neunjährigen Australiers und des 63-jährigen Engländers entstand eine Brieffreundschaft.

Die 42-jährige Corina Arm aus Primstal verbringt ihren Urlaub mit Tochter Marie und ihrem Lebensgefährten Axel Jung gerne im Ferienpark Schloss Dankern im Emsland. Von dort aus starten die drei auch gerne auf Tagesausflüge. So auch 2016. Das Ziel: Norddeich an der Nordsee. „Ich habe meiner Tochter öfter Geschichten vorgelesen, in denen es auch um Flaschenpost ging“, erinnert sich Corina Arm. So sei die Idee entstanden, selbst einmal eine Botschaft loszuschicken. Den Text verfasste Mama Corina stellvertretend für ihre Tochter. Sie stellte Marie kurz vor, erzählte, dass sie in Urlaub sei und sich über eine Nachricht des Finders freuen würde. „Ich habe den Text in Deutsch und Englisch geschrieben. Man weiß ja nie, wie weit die Flaschenpost kommt“, verrät die 42-Jährige und lacht.

Inzwischen weiß sie, eine Rekordstrecke hat die Flasche nicht zurückgelegt, aber sie wurde entdeckt. Und das ziemlich schnell. Denn kaum zurück aus den Ferien lag plötzliche eine Postkarte aus Norddeich im Briefkasten. „Das kann doch nicht sein?“ sei ihre erste Reaktion gewesen. Immerhin hatte sie die Botschaft gerade erst auf ihre Reise ins Meer geschickt. „Die Vorstellung von Kindern ist es, dass ein Schiff die Nachricht findet“, weiß Corina Arm.

In ihrem Fall aber war es kein Matrose und kein Kapitän, sondern eine achtjährige Landratte namens Phillip Werner, die auf die Botschaft reagierte. Er hatte ebenfalls seinen Urlaub an der Nordsee verbracht und die Flasche am Ufer entdeckt. Seit dieser ersten Postkarte vor drei Jahren ist der Kontakt zwischen Marie und Phillip nicht mehr abgerissen. „Die beiden wurden Brieffreunde“, erzählt Corina Arm. Neben den geschriebenen Zeilen wurden immer öfter auch Fotos hin und her geschickt.

Zuletzt sei in den Briefen immer mehr der Wunsch nach einem Treffen laut geworden. Beide Kinder trennen eine Entfernung von mehr als 500 Kilometern. Marie lebt in Primstal, Phillip in Ribbesbüttel (Niedersachsen). Corina Arm schlug einen gemeinsamen Urlaub im Ferienhaus in Schloß Dankern vor. Doch das passte terminlich nicht. Davon ließ sich die 42-Jährige nicht entmutigen und fädelte vor kurzem eine Überraschung ein. Die Familie fuhr am Ende des Urlaubs einen Umweg von 300 Kilometern,  um die  Werners in Ribbesbüttel zu besuchen. Die waren eingeweiht, nicht aber Tochter Marie. „Sie durfte sich dann wenige Kilometer bevor wir den kleinen Wohnort Ribbesbüttel erreichten nach vorne auf den Beifahrersitz setzen“, erzählt Mama Corina. Ihre Tochter sei vor Begeisterung sprachlos gewesen, als die erste Beschilderung zu lesen war, sie hatte wirklich nichts geahnt.

Durch eine Botschaft in einer Flaschenpost wurden sie vereint: Corina Arm, Axel Jung und Marie (links) und Familie Werner (Sabine, Ingo und Philipp). Foto: Corina Arm

Beide Familien hätten sich auf Anhieb verstanden. „Wir liegen auf einer Wellenlänge.“ Die Saarländer übernachteten im Wohnzimmer, es gab reichlich Gesprächsstoff. Auch beim gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen. Corina Arm ist begeistert von der Gastfreundschaft – vor allem in einer Zeit, in der man vorsichtiger und misstrauischer geworden sei. „Inzwischen stehen wir im regelmäßigen Whatsapp-Kontakt mit den Eltern“, verrät Corina Arm. Auch die Kinder dürften den Nachrichten-Dienst inzwischen nutzen. „Unter der Bedingung, dass sie sich auch weiter Briefe schreiben“, erklärt die Mutter. Der Kontakt zwischen den Familien soll auf jeden Fall bestehen bleiben. „Ich hoffe, dass die Werners uns im Herbst im Saarland besuchen“, sagt Corina Arm. Was aus einer Flaschenpost so alles entstehen kann...