1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Nonnweiler

Theater: Ja, so war’s — die alten Kelten am Ringwall

Theater : Ja, so war’s — die alten Kelten am Ringwall

Sie waren gute Kämpfer und gute Esser. Die Rede ist von den Kelten. Das Schicksal zweier Fürsten bringt Manfred Peter am Samstag auf die Bühne.

„Hauptsach gudd gess “– das ist dem Saarländer wichtig. Früher wie heute. Dass das Thema Essen aber schon etwa 50 vor Christus in der Region eine wichtige Rolle spielte, das zeigt Autor Manfred Peter in seinem Stück „Indutiomarus und Cingetorix“. Dort wird bei einem Festmahl im dritten Akt ordentlich aufgetischt. „Ich wollte zeigen, was damals gegessen wurde.“ Viele historische Fakten und Ereignisse serviert der aus Primstal stammende Peter in seinem Stück als leichte Kost. Er erinnert sich beim Besuch in der St. Wendeler Redaktion noch gut an die Premiere vor zwei Jahren. „Einige Besucher haben danach zu mir gesagt: ,Jetzt habe ich verstanden, was da am Hunnenring passiert ist.’“ Eine schöne Anerkennung für Peter, der 1985 mit „Das vergessene Erbe“ sein erstes Buch über die Kelten veröffentlicht hat. Zuvor las er, wie er schmunzelnd berichtet, alles, was mit Kelten zu tun hatte. Die Begeisterung für diesen Teil der Geschichte begann aber schon ganz früh. „Als ich als Junge an den Hunnenring ging, dachte ich: Hier liegt ein Geheimnis.“

Forscher haben inzwischen vieles rund um die Kelten entdeckt. Beispielsweise reich bestückte Fürstengräber, Werkzeuge, Kunstgegenstände. Die einstigen Bewohner und Herrscher über die Region sollen in der Arena des Keltenparks nun noch einmal zum Leben erweckt werden. Erstmals nach 2015 kommt die Truppe, bestehend aus 40 Mitstreitern, noch einmal zusammen, um „Indutiomarus und Cingetorix“ zu präsentieren. Eingebunden ist das Theaterstück in das zweitägige Fest Celtoi, das alle zwei Jahre stattfindet. Wie Peter berichtet, sei es der Wunsch des Nonnweiler Bürgermeisters, das Stück fest in das Celtoi-Programm einzubauen.

Freitag ist Generalprobe. Zuvor hat sich die Schauspielgruppe sechs/sieben Mal getroffen. „Ich wollte schon im Februar mit den Proben beginnen. Dann wurde es aber Mai“, berichtet Peter. Es sei nicht leicht, passende Termine mit den vielen Darstellern zu koordinieren. Auch, weil sie aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Luxemburg und Lothringen kommen. Was Samstag betrifft, hat er ein gutes Gefühl. Auch deshalb, weil sich die Darsteller inzwischen mit ihren Rollen identifizieren. So habe ein Darsteller, der einen General mimt, gesagt: „Ich spiele ihn nicht, ich bin er.“ Manfred Peter selbst kommt, wie er sagt, aus einer Theater-Familie, habe als junger Mann schon auf der Bühne gestanden. Dennoch war es eigentlich so gedacht, dass er selbst nicht in eine Rolle schlüpft. „Doch keiner wollte Indutiomarus spielen. Deshalb habe ich den Part übernommen.“ Gibt es Parallelen zwischen ihm und dem Fürsten? „Es gibt Leute, die behaupten das“, sagt er und schmunzelt.
Im ersten Akt steht der Historiker als Treverer-Fürst Indutiomarus auf der Bühne. Dieser beschreibe die Schönheit des Ringwalls. Äußere aber auch schon seine Befürchtung, vor einer neuen Epoche voller Ungewissheit zu stehen. Das Stück thematisiert ein typisches Dilemma: Zwei mächtige Männer mit unterschiedlichen Zielen werden zu Widersachern. Zentraler Konflikt: Indutiomarus als der Konservative träumt von einem großen Gallien, will am Alten festhalten. Sein Gegenspieler Cingetorix hingegen ist der Meinung, dass Rom nun am Zug sei. Er will das Neue. Was die Situation der beiden verschärft: Fürst Cingetorix heiratet Indutiomarus’ Tochter Etain.

Nach der Hochzeitsfeier steht ein Szenenwechsel an. Es geht in ein römisches Lager. Dort ist auch eine Delegation der Treverer. Ein Heer, das bekannt ist für seine Reiter. Kurze Zeit später will Caesar die Treverer einschüchtern. Wie diesem Plan zu begegnen sei, dazu haben Indutiomarus und Cingetorix unterschiedliche Auffassungen und Strategien. Es kommt zum Zerwürfnis. Am Ende scheitert Indutiomarus mit seinen Plänen.
Eine Szene, die Peter am Herzen liegt, ist ein intimer Moment zwischen der Frau des Fürsten Indutiomarus und deren Tochter. Sie unterhalten sich in Gedanken, per Telepathie. Das Licht wird hier zusätzlich als dramatisches Element eingesetzt.
Für Heimatforscher Manfred Peter gibt es keinen Zweifel daran, dass Indutiomarus der Herrscher des Hunnenrings war. Dafür spreche auch, dass die Besiedlung schlagartig aufgehört habe. Denn seine Sippe wurde nach seiner Niederlage gegen Caesar vertrieben. Auch das Militärlager bei Hermeskeil mit Blick auf den Hunnenring, das von der Größe her für zwei Legionen angelegt war, sei ein Indiz. Denn in Aufzeichnungen Caesars ist die Rede davon, dass er zwei Legionen in das Gebiet der Treverer schickte.
Peter geht noch einen Schritt weiter, denn für ihn sei die Region der Ursprung der keltischen Kultur und deren Ende. Das macht er an den Ringwällen, den Funden von Kunstwerken und den vielen Fürstengräbern fest. An letzteren ließe sich eine Entwicklung ablesen. Zu Beginn sei der Körper des toten Fürsten Mittelpunkt des Grabes mit wertvollen Beigaben gewesen. Ein Zeichen seiner Stellung. Später sei der Leichnam des Fürsten verbrannt worden. Die Kelten seien Meister im Verarbeiten von Eisen gewesen. Ihre Waffen wurden bis in den Mittelmeer-Raum exportiert.

Wie Peter berichtet, glaubten die Kelten an das Paradies und daran, dass der Kopf der Sitz der Seele sei. Dieser Umstand stellte ihn am Ende des Stücks vor eine Herausforderung. Die Lösung fand er bei einem Spaziergang am Hunnenring, als er den Mannfelsen betrachtete. Neben dieser Inspiration – sozusagen am Ort des Geschehens – stützte sich Peter auf sein eigenes 2009 erschienenes Buch „Indutiomarus, der Herr des Ringwalls Otzenhausen – Versuch einer Biographie” und auf „De bello Gallico“, ein Werk, das über Caesars Ausführungen zu den Gallischen Kriegen berichtet. Darin finden sich Beschreibungen der beiden Fürsten Indutiomarus und Cingetorix. „Die Vorlage war da, ich habe noch dramatisiert“, sagt der Autor bescheiden. Und dramatisch wird es, unter anderem bei Kampfszenen oder wenn Kämpfer auf Pferden in die Arena reiten.

 Auch actionreiche Kampfszenen gehören zu dem Kelten-Schauspiel rund um den Konflikt zweier Fürsten.
Auch actionreiche Kampfszenen gehören zu dem Kelten-Schauspiel rund um den Konflikt zweier Fürsten. Foto: Gerhard Holzer/Brigitte Müllenmeister
 Autor Manfred Peter mimt selbst den Treverer-Fürsten Indutiomarus. Hier neben seiner Schauspielgattin.
Autor Manfred Peter mimt selbst den Treverer-Fürsten Indutiomarus. Hier neben seiner Schauspielgattin. Foto: Gerhard Holzer/Brigitte Müllenmeister

Am liebsten schreibt der in Luxemburg lebende Peter übrigens in einem China-Restaurant. Sobald er da sitze, würden seine Gedanken regelrecht aufs Papier fließen. Der Autor möchte mit seinem Stück das Bewusstsein der Menschen für die Historie stärken und zeigen wie es war – damals bei den Kelten.