Historische Reitkunst im Keltendorf Otzenhausen

Zwei Experten waren zu Gast : Historische Reitkunst im Keltendorf

Kelten hoch zu Ross: Eva Auer und Romy Althaus zeigten mit ihren Pferden in Otzenhausen Elemente ihres reiterischen Könnens.

Im Keltenpark in Otzenhausen wird regelmäßig Geschichte anschaulich dargestellt. Am Wochenende geschah das durch historische Reitkunst. Der Stamm der hier einst sesshaften Treverer genoss einen hervorragenden Ruf für seine Reiterei – nach Caesar die beste ganz Galliens. So passte es gut, dass Eva Auer und Romy Althaus mit ihren Pferden im Keltendorf anschaulich wesentliche Elemente dieser Kunst erläuterten.

Im Gegensatz zur akademischen Reitkunst, einem eher modernen Begriff, liegt hier der Schwerpunkt auf Anwendbarkeit und Beherrschbarkeit des Pferdes. „Es geht um die Mobilisierung des Pferdes. In jeder Sekunde sich vom Feind weg bewegen zu können“, so erklärte Romy Althaus ein Ziel des Trainings. Sie war mit ihrer Kollegin bereits bei Celtoi zu Gast. Als Krieger zu Fuß aus dem Jahre 600 vor Christus war Daniel Rosenfeld aus Luxemburg mitgekommen. Er ist aktiv im Verein Lucilinburhuc und sein Showpferd war zuvor im Besitz von Eva Auer. Diese benannte zwei wichtige Faktoren für die historische Reiterei: „Man benötigt ein extrem gut ausgebildetes Pferd und auch ein Faible für Historisches.“ Da der Reiter in einer Hand seine Waffe hielt, musste er mit der anderen das Pferd führen können. Dazu reichte ihm ein leichtes, dünnes Stöckchen, mit dem er zart einzelne Körperpartien des Pferdes berührte. Es ist Teil ihrer Motivation, zu zeigen, dass „damals die Menschen gute Reiter gewesen sein müssen“. Aus dem historischen Bereich – unter anderem als Mitglied der Hochwaldkelten – kommend, hat Auer ein Interesse, einen Bezug zur Gegenwart herzustellen.

Wie wichtig das gute Einvernehmen zwischen Tier und Mensch für die Kämpfer ihrer Zeit war, machte Romy Althaus deutlich: „Das Pferd muss auf deiner Seite sein. Um seinem Menschen im Notfall den Hintern zu retten.“ Sie kam vom englischen Reiten (Springen, Vielseitigkeit, Dressur) über das immer noch anspruchsvolle aber schon entspannte Westernreiten zur historischen Reitkunst. Ein wichtiger Unterschied sei die Haltung: „Ich will das Pferd nicht demütigen und entkräften. Man muss sich vertrauen. Mit dieser Einstellung kann auch gegen ein 600 Kilogramm schweres Pferd samt Reiter und Lanze geritten werden.“

Spannend zu sehen waren die Unterschiede der beiden Pferde. Beide um die 18 Jahre alt. Der weiße Pan, seit acht Jahren bei Althaus, ein Berber und geschult in der historischen Reitkunst. Wegen einer solchen Schulung waren diese Pferde früher begehrte Kriegsbeute. „Man muss ein Pferd so reiten, wie es sich selber hält, dann wird es am Reiten Freude empfinden.“ In dieser Einheit werde das Pferd sehr personenbezogen. Humorvoll erzählte Althaus Anekdoten über sein Verhalten, wenn sie ein paar Tage oder länger nicht an seiner Seite war.

Im Kampf damals sei diese Bindung entscheidend gewesen, denn ein Feind sollte das Pferd nicht so einfach übernehmen können. Ein geübter Reiter konnte es durchaus mit zehn Mann zu Fuß aufnehmen. Die dazu ausgeführten Bewegungen und Austritte wurden gezeigt – so wie Pan Lust dazu hatte. „Ich kann dem Pferd alles beibringen, was es von Natur aus kann“ lautet eine Maxime für die Ausbildung.

Ganz anders Stanley, das Pferd von Eva Auer. Ein Dülmener Wildpferd, 1318 urkundlich zum ersten Mal als Rasse erwähnt. Auer dokumentierte die ganz andere Reitkultur der Germanen. Sie ließen das Pferd im rückwärtigen Raum stehen. „Ein ganz zuverlässiger Gefährte“, so beschreibt sie ihren Stanley. So, wie die Germanen das Pferd für ein halbes Jahr in den Wald entließen, zeige auch er keine Allüren beim Wiedersehen. So war er auch bei der Vorführung kurz eingeschlafen.

Woher hat man heute die Kenntnisse über historisches Reiten? Auer benannte vier hauptsächliche Quellen. Nicht keltischen Ursprungs, da diese ihr Wissen mündlich weitergaben, gibt es von dem Athener Xenophon aus dem vierten Jahrhundert ein noch heute gültiges Buch über die Reiterei. Weiterhin gibt es Bodenfunde wie Trensen oder Sättel. Steigbügel gab es noch nicht. Pan trug anstelle von Hufeisen Hufschuhe. Durch die Geschichte zogen sich auch verschiedene bildliche Zeugnisse, Skulpturen oder Mosaike. Und nicht zuletzt gibt die Sprachwissenschaft Hinweise. Wörter wie die bereits erwähnte Trense oder Lanze entstammen der keltischen Kultur und wurden von den Römern übernommen. Die beiden Reiterinnen beschäftigen sich in der Auseinandersetzung mit der historischen Reitkunst viel mit den Bewegungsabläufen, mit dem Skelett- und Muskelaufbau des Pferdes, seinen natürlichen Reaktionen in der Interaktion mit dem Menschen. Es ist Erkenntnisgewinn ohne Wissenschaft.

Keltenfürst Daniel Rosenfeld und und Romy Althaus zeigten verschiedene Waffen und erklärten Details zum Ledersattel. Foto: Sutor
Eva Auer lässt ihr Pferd Stanley vor der Arena weiden. Foto: Sutor

Nicht nur zahlreiche Zuschauer waren trotz des Regens bei den zwei Vorführungen im Dorf zugegen, auch Thomas Finkler als Leiter des Keltenparks von der Gemeinde Nonnweiler. Für ihn war bei der Einladung der Reiter entscheidend „zu zeigen, wie diese tolle Arena genutzt werden kann. Insbesondere wird für die Vorführung kein extra Eintritt erhoben“. Noch gebe es keine großen Netzwerke für diese Form der Reiterei, lediglich eine bundesweite Gemeinschaft. Man treffe sich privat und bei gelegentlichen Veranstaltungen und Symposien. Auch mit Gästen aus aller Welt. Sicher werde man wieder in Otzenhausen zusammenkommen. Das Interesse am Thema war auch bei den Besuchern im Keltenpark groß. Das zeigten der Applaus wie auch die vielen, fachkundigen Detailfragen nach der Vorführung.

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