Goldschale oder Trinkhorn?

Schwarzenbach. Im Jahre 1848 wurden in Schwarzenbach bemerkenswerte Funde aus der älteren Zeit keltischen Phase gemacht. Es handelte sich um zwei Fürstengräber. Die prominenten Funde aus dem ersten Fürstengrab sind in einer Vitrine im Neuen Museum in Berlin ausgestellt

Schwarzenbach. Im Jahre 1848 wurden in Schwarzenbach bemerkenswerte Funde aus der älteren Zeit keltischen Phase gemacht. Es handelte sich um zwei Fürstengräber. Die prominenten Funde aus dem ersten Fürstengrab sind in einer Vitrine im Neuen Museum in Berlin ausgestellt. Bei der sogenannten Goldschale von Schwarzenbach handelt es sich um ein reich verziertes Goldblechfries, das im Jahr 1889 durch Adolf Furtwängler in diese Form montiert wurde, Die anderen Goldbleche entzogen sich einer Deutung. "Erst in den 1970er Jahren erkannte eine Reihe von Forschern die Zugehörigkeit der anderen Goldbleche zu Trinkhornbeschlägen", schilderte Koch. Prunkvolle TrinkhörnerDass die Goldschale ebenfalls ein Bestandteil von Trinkhornbeschlägen war, habe Dirk Krauße bereits 1996 dargestellt. "Wissenschaftlich ist das seit zehn Jahren in einem elitären Kreis verankert, doch dies ist bei einem so prominenten Fund schwer zu reflektieren", erklärte der Referent. Koch ging davon aus, dass seinerzeit mit den anderen Funden nicht die Schale, sondern drei bis vier prunkvolle Trinkhörner in dem Fürstengrab gelegen haben. Als wichtigsten Beleg dafür spreche der Kunststil der verzierten Goldbleche. Eine Autopsie der Bleche habe die Hinweise auf eine Fibrillenstruktur erbracht, die einem Trinkhorn zugeordnet werden. "Ein Gefäßdeckel wurde zum Bodenblech gemacht", nannte Koch als nächstes Indiz. Ebenfalls die Krümmung der 120 ummontierten Goldbleche sei in ihrer Ursprungsform steiler gewesen, und passe zu einer konischen Form eins Trinkhorns. "Auch das lässt den Schluss zu, dass die Goldschale von Schwarzenbach nicht als Goldschale gefunden wurde", meinte Koch. Er räumte dazu aber noch ein: "Allerdings fehlen ein paar Goldbleche, um das Ganze einhundertprozentig zu rekonstruieren". Die Goldschale könne man in ihrer jetzigen Form auch nicht mehr entzerren. Die Funde im Fürstengrab ordnete Koch "grob" in die Zeit 400 bis 350 vor Christus ein. Damals müsse ein mächtiger Herrscher gelebt haben, der mit anderen Adligen auf Augenhöhe stand. "Eines der Trinkhörner ist exklusiv dekoriert, die drei weiteren sind Rädelsführer zu zuordnen. Die Grabbeigaben zeugen vom tiefen Kunstverständnis der Kelten", berichtete Koch. Damit habe ein Dynast in einer schriftlosen Zeit seine Besitztümer dokumentiert. Amphora aus SüdeturienAls Herrscher habe er mit dem Fürstengrab, eine auf einem Grabhügel liegende Bestattungsstelle gewählt, um von dort auf den Ringwall blicken zu können. Die im Grab gefundene Amphora sei ein weiteres Kennzeichen dieses Ranges und dürfe in der Eisenzeit einen enormen Wert dargestellt haben. Während die Goldbleche von keltischen Goldschmieden hergestellt wurden, entstammt die Amphora aus Südeturien, und ist das bislang einzig bekannte Objekt nördlich der Alpen und kunstgeschichtlich von höchster Bedeutung. Die sogenannte Goldschale belege, dass in Schwarzenbach die Welt der Antike kommuniziert habe.

 So sieht das Trinkhorn-Service aus. Foto: Veranstalter
So sieht das Trinkhorn-Service aus. Foto: Veranstalter

Zur PersonReferent Michael Koch, 36 Jahre, stammt aus Fulda. Nach einem abgeschlossenen Studium der Vor- und Frühgeschichte in München, Marburg und Saarbrücken, promoviert er derzeit an der Universität Saarbrücken zum Thema kupferzeitliche Elitegräber. Seit dem Jahre 2005 ist er Grabungsleiter der Forschungsgrabung am Ringwall in Otzenhausen. Ehrenamtlich ist als Erster Vorsitzender des Freundeskreises keltischer Ringwall tätig. frf