Geschichte zum Leben erweckt

Eine Zeitreise auf der Theaterbühne: Das ist dem Historiker Manfred Peter mit seinem Stück über Indutiomarus gelungen. Im Nonweiler Kursaal entführten er und seine Mitstreiter die Zuschauer zu Kelten und Römern.

Theater ist Vorstellung. Und was läge da näher, dem Publikum in einer Theateraufführung die Gelegenheit zu geben, sich eine Vorstellung davon zu machen, wie sich Ereignisse aus Vergangenheit und Gegenwart zusammengefügt haben könnten zu einem großen Geschehen. Geht man damit in die Vergangenheit, liegt die Betonung auf "könnten", denn nichts Genaues weiß man nicht. Man kann sich tatsächlichen historischen Abläufen lediglich annähern.

Manfred Peter, der passionierte Hochwälder Heimatforscher, ist jemand, der sich mit seinen Veröffentlichungen seit Jahrzehnten bemüht, die Geschichte seiner Heimat erlebbar und begreiflich zu machen. Was lag da nach all seinen Abhandlungen und Geschichten um Kelten und Römer, Fürsten und Feldherrn näher, als daraus einmal ein Theaterstück zu machen? Schließlich hat er die Vorlagen dazu ja längst selbst geschrieben.

Friedensfürst auf der Bühne

Jetzt hieß es im voll besetzten Nonnweiler Kursaal "Vorhang auf" für das Schauspiel "Indutiomarus und Cingetorix - Das Schicksal des letzten Fürsten des Ringwalls von Otzenhausen und der Anfang vom Ende der keltischen Epoche". Und der Autor wäre nicht der Autor, den das Publikum von seinen Vorträgen kennt, hätte er nicht selbstredend auch gleich die Aufgabe des Regisseurs und die Hauptrolle des Keltenfürsten übernommen. Peter, das ist nicht nur an diesem Abend zu spüren, liebt und lebt diesen "Friedensfürsten" (Indutiomarus = der durch Waffenruhe groß Gewordene), dessen Lebensspuren er seit Jahren verfolgt. Diese Tatsache stellte bei der Schauspiel-Premiere gelegentlich auch die Mitspieler auf der Bühne vor die eine oder andere - eigentlich zu erwartende - Herausforderung. Immer dann nämlich, wenn der Autor "seinen" Indutiomarus bei dessen Ausführungen über das Volk der Treverer und die Welten der Kelten weit abschweifen ließ von dem, was wohl eigentlich im Manuskript steht. Wobei es für die Qualität des gesamten Ensembles spricht, dass auch solche "Exkursionen" mit Bravour gemeistert wurden.

Überhaupt, es musste ein gewaltiges Bündel an historischem Stoff an diesem Abend bewältigt werden. Jeder einzelne der fünf Akte konnte da nur blitzlichtartig einen kurzen Moment in der jahrhundertelang andauernden glücklichen und am Ende schicksalhaften Zeit der Kelten in unserer Heimat beleuchten. Zusammengehalten wurde das große Ganze durch den Einsatz eines Sprechers (Benno Weigel), der vor jedem Akt eine Einführung in die geschichtlichen Zusammenhänge gab. Wirkungsvoll in Szene gesetzt wurde dies von Akteuren, denen die Liebe zum historischen Rollenspiel anzumerken war. Ob keltische Krieger oder römische Legionäre - es zweifelte niemand im Saal daran, dass es so tatsächlich gewesen sein könnte. Alles kam authentisch an, wirkungsvoll untermalt von behutsam eingesetzter Musik, für die Christoph Oberweis mit seiner Gruppe verantwortlich zeichnete.

Anspielungen ergänzen Stück

Das Stück kam nicht ohne Anleihen und Zitate bekannter Werke aus - das machte es fürs Publikum eingängiger. So erinnerte die Szene des ersten Akts, ein Festmahl am Vorabend der Hochzeit von Indutiomarus' Tochter Etain mit Arda, an Da Vincis Letztes Abendmahl. Und als später im zweiten Akt ein keltischer Krieger im Feldlager Caesars nebenbei das Obelix-Zitat fallen lässt, "Die spinnen, die Römer", um damit sein Unverständnis mit deren Herrschaftsgebaren zu kommentieren, diente dies sicher der besseren Vermittelbarkeit des Stoffs insgesamt und der Erheiterung im Saal im Besonderen.

Caesars Gallischer Krieg - der Generationen von Lateinschülern plagte - zu keiner Zeit war er besser verständlich. Was zum Teil auch an der Darstellung des jungen Caesar (Felix Ramminger) lag, dem man in seinem blasierten Machtgehabe seine geostrategischen Ambitionen auf die Herrschaft im damaligen römischen Weltreich jederzeit abnahm.

Liebe, Macht und Mystik

Übers ganze Stück verteilt sind Liebe, Verrat, Gier nach Macht und Reichtum, Rivalenkämpfe - Zutaten, aus denen auch moderne Seifenopern komponiert sind. Diese Komponenten sind es aber, die hier halfen, geschichtliche Zusammenhänge quasi zu übersetzen und verständlich zu machen. Verständnis auch für das gigantische Überbleibsel, dessen wirklicher Name niemand weiß: den Keltenring oberhalb von Otzenhausen. Am Ende kommt dann auch noch die Mystik ins Spiel: das Gesicht des Indutiomarus an der Spitze des Mannfelsens. Ein bleibendes Zeichen für die Nachwelt, die nun rätselt und versucht, die Mosaiksteine aus der Forschung zu einer Einheit zusammenzufügen.

Reenactment nennt man neudeutsch die Neuinszenierung konkreter geschichtlicher Ereignisse in möglichst authentischer Weise. Ganze Mittelalter- und Antiken-Festivals werden damit zum Leben erweckt. Peter hat mit seinem Schauspiel dieser Sparte der Darstellung zu einem Quantensprung in Richtung höchster Qualität verholfen. Dass diese große Leistung aller Akteure vor, hinter und auf der Bühne am Ende mit stehenden Ovationen gefeiert wurde, verwundert daher nicht.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Personen und ihre Darsteller: Sprecher: Benno Weigel; Indutiomarus (Pottina), Herr des Oppidums Otzenhausen: Manfred Peter; Ethne, seine Frau: Asta Schwingel; Etain, beider Tochter: Nicole Fournier; Celtchar, Sohn des Indutiomarus: Julius Gorges; Cingetorix (Arda), Herr des Oppidums Titelberg: Peter Schneider ; Feighir: Wolfgang Schwingel; Fechtna, Herr des Oppidums Kastel-Staadt: Franz Mader; Brandub, Herr des Oppidums Pommern-Karden: Thomas Croll; Etar, Herr des Oppidums Wallendorf: Michael Meyer; Ambiorix, Fürst der Eburonen: Gerald Wittwer; Tuachall, Oberster Druide von Gallien: Robin Ramminger; Sencha, Oberdruide bei Indutiomarus: Kai Willmann; Bedienstete im Hause Indutiomarus: Evi Zarth, Gisela Gross, Melina Meyer, Eva Stuhrmann, Christa Lehmann; Caesar, römischer Feldherr: Felix Ramminger; Labienus, sein erster General: Horst Zwetsch; Sabinus , römischer General: Ralf Kaspary; Hirtius, Caesars Schreiber: Leonhard Ramminger; Centurio: Phillip Kampfmann; Römische Legionäre: Achim Becker, Elmar Hauf, Michael Könen, Frank Linden, Marco Pelzer, Jürgen Plein, David Gorges; Keltische Krieger : Erik Peter, Benno Weigel; Musik: Christoph Oberweis mit Gruppe; Technik: Horst Peter, Horst Lauer, Fa. Trappmann, Stefan Schröder, Bernd Wagner; Ausstattung und Kostüme: Robin Ramminger, Doris Peter, Werner Backes, Nicole Koch; Souffleuse: Petra Schroeder; Inspizientin: Doris Peter; Regie: Manfred Peter. be