Archäologie: Frankreich Vorbild für Archäologen

Archäologie : Frankreich Vorbild für Archäologen

Bei den Archäologentagen in Otzenhausen freuen sich die Fachleute über Erfolge, beklagen aber auch die schlechte Ausstattung im Saarland.

„Archäologie ist angekommen. Kaum eine Wissenschaft erfreut sich so großen öffentlichen Interesses und Begeisterung wie die Archäologie. Und das Saarland als geografisches Zentrum der Großregion mit Belgien, Luxemburg, Elsass-Lothringen und Rheinland-Pfalz wird in der Archäologen-Szene als idealer Ort für Treffen wie die Archäologentage in Otzenhausen (ATO) bewertet“, sagt Organisator Michael Koch von der Europäischen Akademie Otzenhausen, die zusammen mit der Gemeinde Nonnweiler das grenzüberschreitende Symposium zum fünften Mal ausgerichtet hatte. Rund 120 Teilnehmer waren vor Ort. Ins Leben gerufen wurde diese Veranstaltung 2014 vom damaligen Geschäftsführer der Europäischen Akademie und ehemaligen Umweltminister Stephan Mörsdorf, der ebenfalls neben etlichen renommierten Fachleuten von Universitäten, Museen, Denkmalämtern und Grabungsprojekten sowie auch Laien gekommen war. „Ich denke, diese Treffen internationaler Experten auf dem Gebiet der Archäologie sind zu einer Erfolgsgeschichte geworden“, sagte Mörsdorf, der sich trotz seiner Behinderung die Exkursion zu den Grabhügeln in Oberlöstern sowie weiteren Stationen in Trier zugemutet hatte.

Vorteile für seine Gemeinde sieht auch Bürgermeister Franz Josef Barth. „Die ATO steigern den Bekanntheitsgrad unser Gemeinde und der Region. Sie unterstützen die Bildung einer touristischen Infrastruktur in Verbindung mit dem Keltischen Ringwall, Keltenpark und dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald.“ Durch die Veranstaltung werde die Bedeutung des keltischen Ringwalls in der Wissenschaft und Forschung verdeutlicht, insbesondere durch die Publikationen im sehr umfangreichen Tagungsband. „Ab diesem Jahr werden die Archäologen-Tage im jährlichen Wechsel mit dem Keltenfest Celtoi stattfinden“, sagt Barth.

Zur viertägigen Veranstaltung kommen aber auch Vertreter aus der Tourismusbranche, da archäologisch-touristisch aufbereitete Attraktionen als ein maßgeblicher Faktor für den touristischen Wert einer Region betrachtet werden. Ein bereits international aufgebautes Netzwerk vermittelt den in diesem Metier Tätigen Kontakte und Ideen. „Die ATO sind ein echtes Unikat im positiven Sinne, waren in diesem Jahr die beste Veranstaltung“, sagte Wolfgang David (Direktor des Frankfurter Museums für Archäologie). Die archäologische Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Ländern hat sich als Entwicklung der Archäologentage weiter intensiviert. Die Veranstaltung bot trotz der 20 Vorträge viel Raum für den persönlichen Austausch. Dazu gab es auch einen Markt der Möglichkeiten. Dort wurden Poster zu aktuellen Forschungen in der Großregion gezeigt.

Bei aller Begeisterung und all den Erfolgen, von denen die Archäologen in der Großregion sprachen, gab es aber auch kritische Stimmen. Beklagt wurde die geringe Ausstattung der Landesarchäologien in Deutschland, insbesondere im Saarland. Im Vergleich zu Frankreich stehe Deutschland sehr schlecht da und werde geradezu abgehängt. Dort ist es seit ein paar Jahren gesetzlich festgelegt, dass Bauherren ein paar Cent pro Quadratmeter als „Versicherung für den Fall eines archäologischen Befundes“ entrichten müssen. Mit diesen Einnahmen können in Frankreich viele Fundstellen ausgegraben werden. Eine solche Initiative müsse von den Bürgermeistern der Kommunen ausgehen.

Eine weitere Erkenntnis der Tagungsteilnehmer war eine neue Sichtweise auf den Denkmalschutz. Bislang galt, dass archäologische Funde am besten in der Erde aufgehoben wären. Die Beiträge und neuen Arbeiten aus den Ländern haben jedoch das genaue Gegenteil gezeigt. Die Bodenarchive seien längst nicht mehr sicher: Klimawandel, intensiverer Ackerbau, Düngemittel, Veränderungen im Wasserhaushalt und anderes mehr greifen die Funde in der Erde an und zerstörten diese.

Mehr von Saarbrücker Zeitung