Fernleitung von der Primstalsperre zur Steinbachtalsperre steht

Fernleitung steht : Talsperren-Wasser fließt nach Birkenfeld

Nachbarschaftshilfe der anderen Art: Damit die rheinland-pfälzische Steinbachtalsperre saniert werden kann, werden die Menschen im Landkreis Birkenfeld von der Primstalsperre aus mit Wasser versorgt.

Ein lautes Brummen tönt dem Eintretenden entgegen. Signalisiert: Hier wird gearbeitet. Drei blau lackierte Pumpen nehmen den Raum für sich ein. Doch sie sind nicht für die Geräuschkulisse verantwortlich, sondern deren Lüftung. Die ist wichtig, damit sie nicht überhitzen und ausfallen. 260-Kilowatt-Motoren treiben die Pumpen an.  Ein paar Schritte weiter geben Stahlgitter am Boden den Blick ins Kellergeschoss frei. Dort stehen runde Behälter, so genannte Druckkessel. Sie dienen der Sicherheit. „Wenn Pumpen abrupt ausfallen, gibt es einen hydraulischen Druckstoß, der beherrscht werden muss“, erläutert Bernd Hartmann von der Ingenieurgesellschaft im Kreis Birkenfeld (IGB). Ein weiteres Sicherheitselement ist im Nachbarraum untergebracht – das Notstromaggregat.

Der Ingenieur blickt zufrieden auf die neue Pumpstation am Fuße des Staudamms der Nonnweiler Talsperre. Dort heißt es offiziell seit Mittwoch Wasser marsch. Und während sich das flüssige Element nun seinen Weg durch Rohre auf einer Strecke von 32 Kilometern ins rheinland-pfälzische Katzenloch bahnt, begibt sich ein Mammutprojekt auf die Zielgerade.

Vier Jahre lang wurde an der Fernleitung von der Primstalsperre zur Steinbachtalsperre im benachbarten Rheinland-Pfalz gebaut. 26,4 Millionen Euro kostete das Projekt. „70 Prozent der Kosten hat das Umweltministerium in Mainz übernommen“, rechnet Horst Kürschner, Werkleiter vom Wasserzweckverband im Landkreis Birkenfeld vor.

Auslöser für die Investitionen war die Steinbachtalsperre. An dem 1967 in Betrieb genommenen Bauwerk stehen Sanierungsarbeiten an. Konkret an der Staumauer. Um diese angehen zu können, muss die knapp fünf Millionen Kubikmeter Wasser führende Talsperre mindestens zu Zweidritteln entleert werden. Und da stellte sich die Frage: Wer übernimmt in dieser Zeit die Trinkwasserversorgung der Menschen im Landkreis Birkenfeld?

So kam die Primstalsperre ins Spiel. Träger des Wasserreservoirs mit einem Gesamtvolumen von 20 Millionen Kubikmetern ist der Talsperrenverband Nonnweiler. Bislang wurde von hier aus lediglich die Verbandsgemeinde Hermeskeil mit Trinkwasser versorgt. Jetzt kommt der Landkreis Birkenfeld hinzu. Dessen Wasserzweckverband hat sich die Rechte an 3,5 Millionen Kubikmeter Rohwasser pro Jahr gesichert. Dieses fließt zur Aufbereitung bis ins Wasserwerk des Zweckverbands, das sich unmittelbar an der Steinbachtalsperre befindet.

Unterwegs muss das Wasser eine Höhe von mehr als 200 Metern überwinden. Scheitelpunkt ist das Wasserschloss in Hattgenstein. Bis dorthin hat es das Wasser schon am Mittwochmittag geschafft. Es ist mit etwa 650 Metern die höchste Stelle. „400 bis 800 Kubikmeter Rohwasser können wir pro Stunde über die Fernleitung in den Hochbehälter bei Hattgenstein pumpen“, erläutert Hartmann, der  Oberbauleiter und Planer des Großprojektes ist. Dafür ist der Einsatz von Energie nötig. Hat das Wasser aber erstmal den höchsten Punkt erreicht, fließt es auf der anderen Seite durch natürliches Gefälle bergab. „Die dortige Pumpe wird als Turbine genutzt“, erklärt Hartmann. So könne Energie erzeugt und damit wiederum 50 bis 60 Prozent der zunächst eingespeisten Energie zurückgewonnen werden. Die beiden Talsperren liegen etwa auf gleicher Höhe.

Sobald das Wasser aus der Nonnweiler Talsperre in Katzenloch ankommen ist, läuft der Testbetrieb. „Wenn alles stabil ist, kann die Steinbachtalsperre im Sommer vom Netz“, sagt der Ingenieur. Doch sofort beginnen können die Bauarbeiten dann nicht. Denn zunächst muss das Wasser abfließen.„Ich gehe davon aus, dass die reine Sanierung im Frühsommer 2020 losgehen kann“, gibt der Ingenieur Einblick in den Zeitplan. Die Arbeiten selbst seien recht schnell erledigt. Bis Weihnachten, schätzt er. „Dann muss die Talsperre aber erst wieder zulaufen“, sagt Hartmann. Und zwar auf natürlichem Wege. Ebenso wie die Primstalsperre wird die Steinbachtalsperre durch Bachläufe gespeist.

Im März 2014 gaben die Verantwortlichen in Katzenloch den Startschuss zu dem länderübergreifenden Großprojekt. Damals sah der straffe Zeitplan vor, dass schon im Frühjahr 2017 testweise das erste Wasser über die Fernleitung fließen sollte. Doch es gab längere Verzögerungen bedingt durch den Einbau falscher Flanschverbindungen.

Nachwirken wird das Projekt wohl noch vor Gericht. Wie Hartmann im SZ-Gespräch berichtet, gibt es einen Rechtsstreit. Eine geplante Bohrung ist steckengeblieben. Wessen Schuld das war, darüber ist eine Auseinandersetzung entbrannt. Ist die Firma oder der Baugrund und somit der Bauherr für die verpatzte Bohrung verantwortlich?

Die Steinbachtalsperre bei Katzenloch fasst knapp fünf Millionen Kubikmeter Wasser. Deren Staudamm soll 2020 saniert werden. Foto: Evelyn Schneider
Am Fuße des Staudamms der Primstalsperre ist eine neue Pumpstation gebaut worden. Das Gebäude rechts beheimatet unter anderem drei Pumpen. . Foto: B&K/Bonenberger/
Das sind die drei neuen Pumpen mit starken, 260-Kilowatt-Motoren. Druckvoll schieben sie das Wasser in den Hochbehälter bei Hattgenstein. Foto: B&K/Bonenberger/

Von dieser Frage lässt sich Ingenieur Bernd Hartmann aber an dem Tag, an dem nun endlich das Wasser vom Saarland aus auf die Reise ins rheinland-pfälzische Katzenloch  geschickt wurde, nicht beirren. „Ich glaube, dass es wichtig für die Zukunft war, diesen Verbund zwischen Talsperren zu schaffen“, sagt der Experte. Denn die Möglichkeit Rohwasser zurückzuhalten, gewinne auch angesichts heißer und trockener Sommer wie dem zurückliegendem, in dem sich kaum neues Grundwasser bildet, an Bedeutung. Außerdem, so merkt Hartmann an, stünden in absehbarer Zeit auch mal Arbeiten an der Nonnweiler Talsperre an.

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