1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Nonnweiler

"Es ist schön, mit drei Generationen in einem Chor zu singen"Erfolgreich gegen den Zeitgeist angesungen

"Es ist schön, mit drei Generationen in einem Chor zu singen"Erfolgreich gegen den Zeitgeist angesungen

Sitzerath. Eigentlich war schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Sitzerath ein Männergesangverein gegründet worden. Der hatte, weil der Dirigent versetzt wurde, keine lange Lebensdauer. 1918 nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nahmen sangeslustige Männer wieder die Notenblätter in die Hände; der neue Verein erhielt den Namen "Harfe"

Sitzerath. Eigentlich war schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Sitzerath ein Männergesangverein gegründet worden. Der hatte, weil der Dirigent versetzt wurde, keine lange Lebensdauer. 1918 nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nahmen sangeslustige Männer wieder die Notenblätter in die Hände; der neue Verein erhielt den Namen "Harfe". Differenzen zwischen einigen Sängern ließen die Chorstimmen rasch verstummen - wieder der Schluss-Takt. Zwölf Männer machten weiter im Quartettverein Sitzerath. Der fand in der Nachkriegszeit überraschend starken Zulauf. Das war 1919 die Geburtsstunde des MGV "Liederkranz" mit Nikolaus Simon als erstem Vorsitzenden und Josef Theis als Chorleiter. Jetzt hält der Gesangverein aus dem Dorf im nordwestlichen Zipfel des Saarlandes Rückblick auf 90 bewegte Jahre mit guten und mit schlechten Zeiten. Er zeigt sich zum Jubiläum stabil. Schirmherr ist der langjährige Sänger und erste Vorsitzende Herbert Lauer. Erste Plätze bei Sängerwettbewerben machten in frühen Jahren beim "Liederkranz" Lust auf Mehr. Jeweils den ersten Preis in ihrer Klasse errang Sitzerath mit dem Chorleiter Peter Barth 1926 in Kastel, 1931 in Lockweiler und 1932 in Reinsfeld. Dass in dieser wirtschaftlich schwachen Zeit mit Gesang manche Sorge überbrückt wurde, zeigt ein Rückblick auf 1924: Der MGV Sitzerath war zum Wettstreit nach Hermeskeil eingeladen. Die Sänger machten den Weg in die Hochwaldmetropole hin und zurück tapfer auf Schusters Rappen. Den ersten singenden Zelt-Wettbewerb in der Region organisierte Sitzerath 1927. Die Leihgebühr für das Zelt belief sich auf stattliche 800 Mark. Das aktive Mitglied Jakob Stroh, so steht geschrieben, habe sich dabei mit dem Verkauf einer Kuh im Wert von 300 Reichsmark für das Gelingen des Festes verbürgt. Renommierte Gesangvereine und Quartette wie Landsweiler-Reden und Fischbach-Weierbach machten ihre Aufwartung in dem Hochwalddorf. Und die Stadtkapelle Neunkirchen lieferte schmissige Musik dazu. Ein gelungenes Fest vor nunmehr 82 Jahren!Große Sorgen bewältigt Auch den großen Sorgen, die der Zweite Weltkrieg dem Verein sozusagen frei Haus geliefert hatte, konnte der MGV mit Mut und Trotz erfolgreich begegnen. Zum 30-jährigen Bestehen kamen 1949 die Chöre aus Steinberg, Wadrill, Wadern, Bierfeld, Buweiler, Oberlöstern und Nonnweiler nach Sitzerath. Die Aufführung des Theaterstückes "Pump mir deine Frau" wurde für den Totensonntag `49 schriftlich vom Landrat untersagt. Mit Hilfe von Pastor Tressel konnte der Schwank am 11. Dezember aufgeführt werden. An Pfingsten 1951 wurde die Vereinsfahne des MGV eingeweiht. Der "Liederkranz" war 1952 Mitbegründer des Sängerkreises St. Wendel. Das Fest zum 40-jährigen Bestehen 1959 wurde vom MGV-Schriftführer Erich Michels mit diesem Satz protokolliert: "Es wurde allgemein festgestellt, dass es ein solch tolles Fest in Sitzerath noch nicht gab." Auch das ist schriftlich im Lebenslauf des Chores festgehalten: "Einer der Höhepunkte in der Vereinsgeschichte war sicherlich die Konzertfahrt zum Volks-Chor Bochum im Oktober 1980. Dieser Auftritt war ein Erlebnis für alle und es begannen Freundschaften, die ihren Höhepunkt in einer Eheschließung fanden." Eine Schmunzelgeschichte aus 1985 vom Jubiläum des MGV Otzenhausen: "Einigen Sitzerather Sängern gefiel es dort so gut, dass sie zu nächtlicher Stunde nach der Heimkehr mit dem Bus sofort ein Taxi orderten und nach Otzenhausen zurückkehrten." Dort seien sie mit einem Blumenstrauß begeistert empfangen worden und hätten mit der Heimkehr die Morgenfrische abgewartet. Entsprechend der Mentalität der meisten Bewohner von Sitzerath hat im MGV der Humor einen hohen Stellenwert. Dafür gibt es im "Liederkranz" viele Interpreten, die auf ihre Art Hilfe zum Steigern der gesanglichen Qualität liefern. "Es ist schön in einem Chor zu singen, der drei Generationen in sich vereint", sagt der Vorsitzende Matthias Nickels. Nickels Blick in die Zukunft: "Der Verein hat in seiner 90-jährigen Geschichte viele Höhen und Tiefen durchlebt; die größte Herausforderung in den nächsten Jahren wird die Sängerwerbung sein." Den Liederkranz-Anteil am kulturellen Leben des Dorfes würdigen auch Nonnweilers Bürgermeister Hans-Uwe Schneider und Ortsvorsteher Alfred Schmitt.

Auf einen Blick90 Jahre Männergesangverein "Liederkranz" Sitzerath, Festprogramm, Kommers am Samstag, 19. September, 20 Uhr, in der Benkelberghalle: Eröffnung Pfarrkapelle "Lyra" Sitzerath, Begrüßung erster Vorsitzender Matthias Nickels; Jubiläums-Chor MGV "Liederkranz"; Festansprache des Schirmherrn Herbert Lauer; Ehrungen durch den ersten Vorsitzenden des Kreis-Chorverbandes Ingbert Schummer; Liedvorträge: MGV Oberes Köllertal, Kirchenchor Sitzerath, MGV Limbach. Grußwort der Gäste; Ehrungen vom Deutschen, Saarländischen, vom Kreissängerverband St. Wendel und vom Verein für 60, 50, 40 und 25 Jahre. - Sonntag, 20. September: Totenehrung auf dem Friedhof, 8.45 Uhr; Feierliches Hochamt, mitgestaltet vom MGV Bildstock, 9.30 Uhr; Frühschoppenkonzert mit der Pfarrkapelle "Lyra", elf Uhr; gemeinsames Mittagessen, zwölf Uhr; Freundschaftssingen: MGV Sötern, MGV Otzenhausen, Gemischter Chor Löstertal, MGV "Frohsinn" Wadrill, MGV Büschfeld, MGV Eiweiler. Das musikalische Finale zum Sänger-Jubiläum bestreiten ab 17.30 Uhr die "Peterberger Volksmusikanten" wb