„Er war der Herr des Eisens“

Erstmals gibt es nun einen handfesten Beweis für die keltische Eisenverhüttung in der Region. Bei den Forschungsgrabungen im spätkeltischen Brandgräberfeld in Bierfeld wurden Teile eines Rennofens gefunden. Einen Zwischenbericht der bisherigen Ergebnisse präsentierte Grabungsleiter Thomas Fritsch den über 80 Zuhörern im Schwarzenbacher Kolpinghaus.

Terrex-Projektleiter Thomas Fritsch machte es spannend während seines archäologischen Vortrags über Forschungsgrabungen im spätkeltischen Brandgräberfeld in Bierfeld. Eingangs betonte er, dass er lediglich einen Zwischenbericht abliefere. Punkt für Punkt arbeitete Fritsch mit seinen Ausführungen die nummerierten Gräber ab. Angekommen an Fundstelle 20 wurde der Vortrag spektakulär. "Es ist das Grab eines Kriegers mit Vollbewaffnung", erklärte der Grabungsleiter und stellte die Beigaben vor. Die Schauseite des entdeckten Schwertes wurde aus Bronze gefertigt. Daneben wurden dem Krieger ein Schild, eine Kampfaxt und eine Lanze als symbolische Grabbeigaben mitgegeben.

Der Kelte, der zwischen 50 und 20 vor Christus bestattet wurde, habe, so der Experte, eine besondere Stellung in der Gesellschaft gehabt. "Er war der Herr des Eisens", präzisierte der Archäologe. Im Grab befanden sich Teile eines Rennofens, was für den Archäologen der erste Hinweis für eine keltische Eisenverhüttung in der Region bedeutet. Handfester Beweis dafür sei, eine Ofendüse aus Ton in einer Größe von rund 15 Zentimetern. "Vermutlich ist in das Loch der Tondüse die Spitze des Blasbalgs eingesteckt werden", weshalb Fritsch von einem spektakulären Fund sprach. Zudem sind in drei weiteren Gräbern Mühlsteine zum Getreidemalen aufgetaucht. "Dafür muss das Getreide in dieser Zeit eine besondere Rolle in der Region gespielt haben", schlussfolgerte er. Die Wissenschaftler konnten im Frauengrab Nummer vier ein Schatzgefäß (Hortfund) und eine eiserne Dose aus dem östlichen Treverergebiet lokalisieren. Das Schatzgefäß wurde 30 vor Christus niedergelegt und spiegelt laut Fritsch die Schmuckentwicklung innerhalb eines Zeitraumes von über 300 Jahre wider.

Die röntgenanalytische Untersuchung von Christian Schorr im Saarbrücker Fraunhofer Institut ergab, dass sich in der Dose zwei noch zwei Kettenglieder von Fibeln befanden und sie deshalb als Schmuckdose benutzt wurde. 2015 planen die Wissenschaftler keine weitere Ausgrabung. "Dieses Jahr stehen die Aufarbeitung, Dokumentation und Veröffentlichung der Funde und Ergebnisse im Mittelpunkt", teilte der Grabungsleiter mit. Im September vergangenen Jahres haben neun Mitarbeiter der Universität Münster und der Grabungsgesellschaft Terrex das spätkeltische Gräberfeld in Bierfeld untersucht. 31 Fundstellen wurden insgesamt auf einer Fläche von 18 mal 25 Metern aufgedeckt darunter 25 Gräber.