Ein Gänsegeier über dem Saarland

Ein Gänsegeier über dem Saarland

Bernd Konrad aus Krettnich schoss im Nationalpark Hunsrück-Hochwald ein Foto des größten Vogels Mitteleuropas.

Ein ganz besonderes Tier ist Naturfotograf Bernd Konrad da kürzlich vor die Linse geflogen. Wie der Krettnicher berichtet, war er Mitte Mai wie so oft am Wochenende im Trauntal, Nationalpark Hunsrück-Hochwald, unterwegs, als er plötzlich einen großen Greifvogel am Himmel über sich sah. "Viel Zeit blieb mir nicht, aber es gelang mir, diesen Vogel zu fotografieren", schildert Konrad.

Von Norden nach Süden sei das Tier geflogen. Zu diesem Zeitpunkt, war es sich noch nicht bewusst, welch seltenen tierischen Gast er da abgelichtet hatte. "Erst als ich das Foto näher betrachtete, sah ich, dass es ein Gänsegeier war", so Konrad. Sofort sei er in sein Auto gestiegen und dem Greifvogel in Richtung Nonnweiler nachfahren. Er sah den Gänsegeier noch einmal hoch über der Nonnweiler Talsperre, wie er sich hoch schraubte und dann über den Peterberg Richtung Süden weitergeflog.

Wie das Mitglied im ornithologischen Beobachterring Saar, erklärt, leben Gänsegeier in Spanien und den französischen Cevennen. Mit einer Spannweite von zirka 2,65 Metern sind es die größten Vögel Mitteleuropas. "Aus Spanien kamen mehrfach Geier-Gruppen nach Deutschland. Wegen einer EU-Hygiene-Vorschrift wurde den Bauern in Spanien verboten, Tierkadaver auf dem Feld liegen zu lassen. Die Gänsegeier hatten nicht mehr genug Nahrung", erläutert der Naturschützer. Daher kamen 2006 hunderte Gänsegeier bis nach Deutschland.

Wie Konrad weiter berichtet, landete im Juni 2007 ein Gänsegeier auf dem Peterberg bei Primstal. Zwei Jahre später, im Juni 2009, fotografierte Nabu-Mitglied Rolf Klein einen Gänsegeier im Saarland. "Es war der erste Fotonachweis", erinnert Konrad. Außerdem habe Klein im Juni 2015 etwa ein Dutzend Gänsegeier über dem Saarland beobachten können. "Für mich war es wiedermal ein tolles Naturerlebnis", schwärmt der Fotograf.

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Steckbrief eines Gänsegeiers Der Gänsegeier zählt zu den großen Altweltgeiern. Die Körperlänge beträgt zirka 93 bis 110 Zentimeter, die Spannweite der Flügel etwa 234 bis 269 Zentimeter. Charakteristisch ist die weiße Halskrause aus dichtem, flaumigem Gefieder. Der Greifvogel ernährt sich von Aas. Zuhause ist er beispielweise in Spanien, Portugal, Frankreich, aber auch in Marokko, Algerien oder in weiten Teilen des Balkans.

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