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Dirigent Stefan Barth hat nach 32 Jahren beim MV Braunshausen den Taktstock abgegeben

Abschied vom Heimatverein : Der Taktstock ist sein Handwerkszeug

Stefan Barth hat nach 32 Jahren als Dirigent des Orchesters des Musikvereins Braunshausen aufgehört.

Kann sich der Konzertbesucher den Musikverein (MV) Braunshausen ohne seinen Dirigenten Stefan Barth vorstellen? Er muss. Nach 32 Jahren hat Barth den Taktstock beim Orchester aus seinem Heimatort nach dem Weihnachtskonzert in der Nonnweiler Pfarrkirche abgegeben. „Der Musikverein ist ein Stück Heimat für mich. Vor zwei Jahren hatte ich das Gefühl, dass der Verein eine Veränderung braucht. Ich wollte aber, dass die Sache auch weitergeht. Es war für mich schwer, den Absprung zu finden“, gesteht der 51-Jährige.

Gerade einmal 19 Jahre war er alt, er spielte Klarinette, als Barths Vorgänger Martin Scholl als Dirigent aufhörte. MV-Vorsitzender Ludwig Barth, gleichzeitig sein Onkel, sagte vor knapp einem Drittel-Jahrhundert zu seinem Neffen Stefan: „Du kannst das doch auch“. Der reagierte völlig perplex, weil ihm gerade der Posten als Dirigent angeboten worden war. „Ich war doch gar nicht so weit, um Musik zu machen“, blickt Barth zurück. Hoch motiviert sei er beim Start der Taktgeber-Laufbahn gewesen, allerdings auch ohne große Ahnung. „Wir waren ein Dorfverein mit 30 Musikern, die Fallhöhe war damals für mich gering“, sieht Barth seinen Einstieg aus heutiger Sicht. Klar war für den neuen und für die damalige Zeit ungewöhnlich jungen Dirigenten, dass er was Neues und Frisches mit dem Ensemble kreieren wollte. Gute Qualität abliefern, sinfonische Blasmusik auf hohem Niveau spielen – das sind wichtige Kriterien, die Barth auch seinen Musikern abverlangt. „Dazu musst du alle Musiker gewinnen und mitnehmen, dann ist das super“, hat er festgestellt.

Nach einem Studium-Abstecher in Richtung Physik widmete sich Barth völlig der Musik. Er absolvierte seinen Dienst als Musiker beim Stabsmusikkorps der Bundeswehr in Siegburg und begann anschließend seine Unterrichtstätigkeit als Lehrer für Klarinette und Saxofon an der Kreismusikschule Merzig-Wadern. Von 1996 bis 1998 studierte er am Luxemburger Konservatorium Harmonie-Dirigat und Orchestration unter André Reichling. Das Studium schloss er mit Auszeichnung ab. „Dirigieren ist eine sehr handwerkliche Tätigkeit und verbessert sich durch stetige Ausübung“, weiß Barth, dem der MV zu seinem 30. Geburtstag zehn Probestunden bei einem Topdirigenten schenkte.

Der Klangkörper entwickelte sich unter Barths Regie zu einem ambitionierten und innovativen Vorzeige-Orchester mit aktuell 60 Musikern aus der gesamten Region. Mit neu einstudiertem Repertoire verschiedener Genres brachte er das Orchester weiter voran. „Das musikalische Programm zu gestalten, ist das Schwerste für einen Dirigenten. Auf der einen Seite sind die Musiker, die ein Programm umsetzen, und auf der anderen Seite gibt es ein Publikum, welches das Orchester qualitativ gut unterhalten will“, lautet Barths Anspruch.

Und diesen Anspruch hat er nun an den Tünsdorfer Stefan Weber weitergegeben. Dem steht auch der Musiker Barth zur Verfügung, der zudem mit dem Peter-Berg-Jazz-Orchester moderne Arrangements der traditionellen Big-Band-Literatur präsentiert. „Die Jazzmusik ist zu meinem Hobby geworden“, so der Musiker. Den Taktstock schwingt er weiterhin bei den Musikvereinen in Wemmetsweiler und Lüxem bei Wittlich, wo er an der Musikschule tätig ist. Barth ist Mitglied der Deutschen Bläserphilharmonie. Als Dozent bei der Bläserphilharmonie Südwest ist er bei Seminaren, Kursen sehr gefragt. Seit 1998 fungiert Barth als Kreisdirigent des Bundes Saarländischer Musikvereine (BSM) im Musikkreis St. Wendel, den Posten gibt er 2021 ab. „Aber langweilig kann es mir nicht werden“, weiß Barth. An der Grundschule Nonnweiler ist er in den Aufbau einer Bläserklasse involviert, in Saarbrücken kümmert er sich um eine Ü60-Bläserklasse. Barth aus der Musik in der Region wegzudenken, geht nicht, auch wenn er seinen Heimatverein nun nicht mehr dirigiert.