Die Steinzeit steht im Zentrum

Vom 14. bis 17. April stehen in der Europäischen Akademie Otzenhausen (EAO) zum dritten Mal die Archäologentage an. Wissenschaftler präsentieren dabei Projekte aus dem Saarland, Lothringen, Elsass, Luxemburg, Rheinland-Pfalz und der Wallonie. Organisator Michael Koch erzählte SZ-Mitarbeiterin Sarah Konrad, was die Besucher erwartet – und warum die Großregion für Archäologen besonders spannend ist.

Herr Koch, was sind die Archäologentage?

Michael Koch: Das ist eine viertägige Veranstaltung für Wissenschaftler, Heimatforscher und interessierte Laien. Am Donnerstag besuchen wir zum Auftakt den keltischen Ringwall von Otzenhausen. Freitag und Samstag gibt es dann insgesamt 21 Fachvorträge. Am Sonntag bieten wir eine ganztägige Exkursion nach Belgien an. Dort besichtigen wir verschiedene Museen und Ausgrabungsstätten.

Warum findet der Kongress ausgerechnet in Otzenhausen statt?

Koch: Die Europäische Akademie Otzenhausen ist europäischen Themen verpflichtet. Archäologie ist eine länderübergreifende und völkerverbindende Wissenschaft. Außerdem liegt Otzenhausen geografisch ziemlich genau in der Mitte des Gebietes, das wir thematisch bearbeiten. Und das Saarland hat für Archäologen ja auch einiges zu bieten.

Was denn?

Koch: Ganz viele Kelten und Römer. Wir haben den keltischen Ringwall hier oben im Norden. Andere berühmte Fundorte sind Bliesbruck-Reinheim im Süden. Oder die Villa Perl-Borg im Westen und dann haben wir noch Schwarzenacker. Obwohl hier so viel geforscht wird, ist immer noch vieles unentdeckt.

Was ist Ihrer Meinung nach der spektakulärste Fund, der je im Saarland gemacht wurde?

Koch: Für mich sind das die Fürstengräber von Schwarzenbach im Jahr 1849. Die berühmten Goldfunde waren sehr bedeutend für die Entdeckung der keltischen Kunst. Sie sind heute im Neuen Museum in Berlin ausgestellt.

Jetzt geht's bei den Archäologentagen aber nicht nur um Funde im Saarland, sondern in der gesamten Großregion. Warum ist diese für Archäologen so spannend?

Koch: Im Schulunterricht wurde die Geschichte bislang meist aus der Perspektive aus Berlin oder Paris betrachtet. Dementsprechend ist die Grenzregion zu kurz gekommen. Obwohl sie eine eigenständige, kulturelle Drehscheibe darstellt, wurde ihre besondere historische Identität nicht ausreichend vermittelt. Das Römische Reich beispielsweise wurde zeitweise von Trier aus regiert. In unserer Region liegt eine großartige Vergangenheit.

Kommen zu dem Kongress denn auch Experten aus der gesamten Großregion?

Koch: Wir haben insgesamt rund 200 Teilnehmer. Die meisten kommen aus dem Saarland, Elsass, Lothringen, Luxemburg, Rheinland-Pfalz und der Wallonie. Aber in den vergangenen Jahren hatten wir auch schon Gäste aus England, der Slowakei, Spanien, Italien, Schweiz und Österreich.

Ganz schön viele verschiedene Sprachen.

Koch: Ja, allerdings. Die Hälfte unserer Vorträge wird auch auf Französisch gehalten. Aber wir arbeiten mit Simultandolmetschern. Die übersetzen vom Französischen ins Deutsche und umgekehrt.

Wer sind die Referenten?

Koch: Wir haben Professoren, frischgebackene Uni-Absolventen, ehrenamtliche Bodendenkmal-Pfleger, Mitarbeiter von Ausgrabungsfirmen und Landesarchäologen, die etwa in Museen arbeiten.

Was sind die Themenschwerpunkte?

Koch: In diesem Jahr soll eine Epoche zur Geltung kommen, die wir hier in der Region gar nicht mehr wahrnehmen, die aber sehr wichtig ist und die Basis der Menschheitsgeschichte darstellt: nämlich die Steinzeit. Deswegen haben wir einen Programmtag nur mit Vorträgen nur zur Steinzeit. Der zweite Vortragstag beschäftigt sich mit den Kelten und Römern.

Was sind die Höhepunkte der Archäologentage?

Koch: Spannend wird der Vortrag über Herxheim bei Landau. Da geht es um die Frage, ob die Menschen in der Steinzeit wirklich Kannibalen waren. Dann haben wir noch einen Vortrag über eine 60 Kilometer lange und 30 Meter breite Ausgrabungsstätte in Rheinland-Pfalz. Dabei hat man herausgefunden, dass die Verteilung der Steinzeit und der Eisenzeitfunde in einem ganz anderen Verhältnis steht, als man bisher vermutete.

Sonst noch was?

Koch: Fürs Saarland bedeutend ist der Vortrag über das römische Gräberfeld von Schwarzerden bei Freisen. Das ist ein keltisch-römisches Gräberfeld mit sensationellen Funden, deren Qualität fast einzigartig ist.

Welche Veranstaltung sollten sich archäologieinteressierte Saarländer auf keinen Fall entgehen lassen?

Koch: Sie sollten sich den Vortrag unseres saarländischen Referenten anhören. Er arbeitet als ehrenamtlicher Denkmalbeauftragter und hat Untersuchungen im Warndt gemacht. Da geht es um bestimmte Landschaftsstrukturen, die darauf hinweisen, dass es in dem Gebiet römische Siedlungsplätze gibt.

Was erhoffen Sie sich von den Archäologentagen 2016?

Koch: Es ist wichtig, dass die Steinzeit als Epoche wieder mehr Beachtung bekommt und, dass wir Forscher über die Grenzen hinweg zusammenarbeiten.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Archäologentage finden von Donnerstag bis Sonntag, 14. bis 17. April, in der Europäischen Akademie in Otzenhausen statt. Neben Vorträgen werden auch Exkursionen zu Ausgrabungsstätten angeboten. Die Führungen zum keltischen Ringwall inklusive Keltenbüffet kosten 25 Euro. Die Vorträge inklusive Mittag- und Abendessen kosten 95 Euro, ermäßigt 45 Euro. Die Exkursion nach Belgien kostet 40 Euro, ermäßigt 30 Euro. Anmeldung und Info im Internet: www.eao-otzenhausen.de/bildungszentrum/projekt-archaeologie-in-der-grossregion . sara