Der Kelten neue Kleider

Völklingen. Zwölf Akteure vom Freundeskreis Keltischer Ringwall Otzenhausen imitierten am vergangenen Wochenende den Alltag der so genannten spätlatèner Zeit. "Das war um das Jahr 100 vor Christus", erklärt Doris Peter, die ebenfalls zu dem Freundeskreis gehört

Völklingen. Zwölf Akteure vom Freundeskreis Keltischer Ringwall Otzenhausen imitierten am vergangenen Wochenende den Alltag der so genannten spätlatèner Zeit. "Das war um das Jahr 100 vor Christus", erklärt Doris Peter, die ebenfalls zu dem Freundeskreis gehört. Gewandet in ein handgenähtes linneres Unterkleid, ein gewickeltes Peplos-Übergewand aus einem großen Stück Stoff, das von einer schmucken Nauheimer Fibel gehalten wird, mit Bundschuhen, Haube und diversem Schmuck erklärt Peter dem, an diesem Sonntag, zu keiner Zeit abreißenden Strom von Besuchern das faszinierende Leben der Altvorderen.Im Mittelpunkt steht ein beinahe drei Meter breiter und zwei Meter hoher Webstuhl, der komplett aus Deutscher Fichte geschnitzt wurde. Ohne eine einzige Schraube, lediglich gehalten von kunstvoll verknoteten Schnüren, verziert mit ursprünglich etruskischen Motiven, funktioniert dieser Webstuhl tadellos.

Die technischen Feinheiten von Borten, Kett- und Schussfäden, Stabhaltern, Brettchen und (aus Otzenhausener Lehm selbst hergestellten) Webgewichten könnten geradezu ganze Bände füllen. Die flinke Fingerfertigkeit und der Überblick über das Gewirr von Fäden der damit beschäftigten Frauen überzeugen für sich. Die Besucher staunen: "Hut ab vor den technischen Fertigkeiten der Kelten, vor der Art und Weise, wie sie ihre Materialien bearbeitet haben", urteilt Axel Hollas.

Sonja Hoff, wie Hollas aus Luxemburg, staunt über die tollen Stoffe und besonders die Farbgeber Indigo, Alaun, Cochenilleläuse, Krappwurzeln oder Pottasche, die schlichte Wolle zu leuchtenden Stoffen adelt.

"Ich bin erstaunt, über die hoch stehende Technologie und die vielen Handelswege, über die die Kelten verfügt haben. Ein Lob auch für die Hochwaldkelten, die uns Besuchern ihr Wissen über das Leben unserer Vorfahren in all seiner Komplexität so toll und geduldig erklären", freut sich Renate Gratz aus Merzig.

"In der Tat: Hier wird sehr kompetent, um nicht zu sagen wissenschaftlich, das Leben der Kelten im Saarland erklärt. Ich bin beeindruckt", sagt Michaela Koob aus St. Wendel. "Mich fasziniert am meisten, mit welch einfachen Mitteln die Kelten solche tolle Farben herstellen konnten", sagt Eva Bös aus Saarlouis.

Hohes Interesse der Besucher finden auch die von den Hochwaldkelten als Replik hergestellten Waffen. Schnallenschuhe werden genäht. Druiden kümmern sich um körperliche, mentale und geistige Gesundheitsfragen. Die Ernährung der Kelten mit Getreide, Fleisch, Wildbret, Honig, Kräutern und Früchten wird erklärt.

Unterm Strich: "Der Besuch dieser Ausstellung hat sich für uns auf jeden Fall gelohnt", sagt Axel Hollas.

Auf einen Blick

Die Keltenausstellung ist noch bis zum 22. Mai täglich zwischen 10 und 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet ermäßigt zehn Euro, normal zwölf Euro, Kinder drei Euro, Familien (zwei Erwachsene mit Kindern/Jugendlichen bis 16 Jahre) 25 Euro. Dienstags ab 15 Uhr kostet der Eintritt für die Ausstellung keinen Eintritt. Bisher zählte die Hütte bereits über 35 000 Besucher bei der Ausstellung. Kontakt zum Besucherservice findet man unter Tel. (0 68 98) 9 10 01 00. red

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