Saisoneröffnung: Das Leben erwacht wieder im Keltenpark

Saisoneröffnung : Das Leben erwacht wieder im Keltenpark

Der Freundeskreis Keltischer Ringwall hat auch in diesem Jahr ein reichhaltiges Programm auf die Beine gestellt.

War er einst eine Wehranlage, die den Herrschaftssitz eines keltischen Fürsten schützte? Oder gewährte er einer einfachen Siedlung Schutz? Jedenfalls war er nicht das, was viele Mitglieder älterer Generationen noch in der Schule lernten: Ein Schutzwall gegen die einfallenden Hunnen-Horden unter König Etzel. Denn die, so sagen Geschichtsforscher, suchten erst in der ersten Hälfte des fünften Jahrhunderts Westeuropa heim. Der Ringwall bei Otzenhausen entstand aber, wie man heute dank archäologischer Untersuchungen weiß, bereits im vierten Jahrhundert vor Christus. Erbaut wurde die Anlage, die im zweiten Jahrhundert vor Christus ihr größtes Ausmaß erreichte, von unseren keltischen Vorfahren, den Treverern. Die siedelten im Gebiet der Mosel und des nordöstlichen Saarlandes. Im ersten Jahrhundert vor Christus wurde die Anlage aufgegeben – wobei bis heute niemand genau sagen kann, warum. Was man sagen kann, ist, dass der früher Hunnenring genannte keltische Ringwall bei Otzenhausen eine gigantische Anlage war und heute zu den größten keltischen Bodendenkmälern überhaupt zählt.

Die Rekonstruktion einer keltischen Siedlung am Fuße der Festungsanlage, der Keltenpark Otzenhausen, vermittelt einen tiefen Einblick in die Geschichte der 2500-jährigen Vergangenheit. Wobei Mitglieder des Freundeskreises keltischer Ringwall die Siedlung zwischen März und November an zahlreichen Zusammenkünften und Veranstaltungen mit Leben füllen. Eröffnet wird die Saison im Keltenpark am Samstag, 30. März. Tags drauf geht es los mit der ersten sonntäglichen Führung durch das Keltendorf. Die beginnt um 15 Uhr und wird in den Folgewochen und -monaten regelmäßig angeboten.

Sind die Führungen sozusagen die Pflicht, teilt sich die Kür in verschiedene Veranstaltungen auf. So wird am 27. April der Workshop „Keltenküche – Frühlingskräuter“ angeboten, und am ersten Juni-Wochenende der Workshop „Gewichtswebstuhl“. Am ersten Juli-Wochenende besuchen Römer den Keltenpark – selbstverständlich in friedlicher Absicht –, und am 27. Juli wird bei einer Weinprobe römischer Wein verkostet. Historische Reitkunst wird am 28. Juli in der Arena Keltenpark demonstriert und am Wochenende, 10. und 11. August, dreht sich alles um keltische Bierbraukunst. Keltische Keramik steht am 31. August im Zentrum der Aktivitäten im Keltenpark und am 14. und 15. September wird Eisen geschmiedet, so lange es heiß ist. Ein Herbst- und Bauernmarkt soll am 20. Oktober die Besucher an den Fuß der Festungsanlage locken, ehe eine Woche später die letzte Führung des Jahres durch das Keltendorf angeboten wird. Zwischendurch und obendrein sind weitere Führungen im Angebot, ebenso Vorträge, Wanderungen und Entdeckertouren.

Doch damit nicht genug: Zwischen Mai und Oktober sind jeweils die ersten Samstage eines Monats sogenannte Aktionstage. Dann nämlich beleben die Hochwaldkelten das Dorf. Sie demonstrieren keltische Handwerkskunst und beantworten den Besuchern Fragen zur keltischen Lebenswelt. Schon damals wurden Kleider und Stoffe eingefärbt – mit Hilfe verschiedener Pflanzen, die eine breite Palette an Farben möglich machten. Wie genau das Färben vonstatten ging, können Besucher am Samstag, 20. Juli, erfahren.

Nochmal zurück zum Herbst- und Bauernmarkt am Sonntag, 20. Oktober. Der Markt ist für den Freundeskreis keltischer Ringwall nach eigenen Angaben der Saisonhöhepunkt. Zwischen 10 und 20 Uhr zeigen zahlreiche Akteure, Gruppen und Vereine regionale Produkte, alte Handwerkskunst und bieten nicht alltägliche Waren feil. Angeboten werden beispielsweise Körbe, Drechselwaren, Keramik, biologische Süßwaren, Honig, Seife, Schmuck, Hochprozentiges oder Textilien. Kinder können basteln und töpfern.

Neu in diesem Jahr sind die Archäo-Touren. Welche Erkenntnisse wurden durch Ausgrabungen auf und rund um den Ringwall gewonnen? Wie lebten die Kelten und welche Bedeutung hatte der Ringwall für die Treverer? Residierte hier ein Fürst und wenn ja, wo? Wo hatten Druiden ihren Kultplatz, wie entstand der Hunnenring und was war sein Ende? Diese und weitere Fragen beantwortet nach bestem Wissen und Gewissen Altertumswissenschaftler Michael Koch bei einer Wanderung zu den Schauplätzen unserer Geschichte.

2500 Jahre alt: Das Bodendenkmal keltischer Ringwall  zählt zu den spannendsten Festungsanlagen der keltischen Zeit in Europa. Foto: Wolfgang Staudt

Weitere Infos, Veranstaltungen und Termine im und rund um den Keltenpark finden sich im Netz.

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