„Das bringt uns gar nichts“

Die 1,6 Prozent Entgelterhöhung, wie von den Arbeitgebern angeboten, macht die Beschäftigten der konkurrierenden Unternehmen Nestlé Wagner und Dr. Oetker nicht satt. Bei der ersten gemeinsamen Protestaktion „Grillen für Kohle“ in Braunshausen stärkten sich die 80 Mitarbeiter und tauschten sich untereinander aus. Im Juni wollen sie in der Tarifrunde den Arbeitgebern kräftig einheizen.

Die Arbeitnehmer finden es "zum Heulen": Beim ersten Tarifverhandlungstermin für die Beschäftigten der Nährmittelindustrie im Saarland, in Rheinland-Pfalz und Hessen haben die Arbeitgeber 1,6 Prozent mehr Lohn angeboten. Das bezeichnet die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) als indiskutabel. NGG Saar-Geschäftsführer Mark Baumeister kritisiert: "Das ist schon krass und bringt uns gar nichts. Wir fordern fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten."

Die Verärgerung über das "lachhafte Lohnangebot" hat die Mitarbeiter der um Marktanteile konkurrierenden Unternehmen Nestlé Wagner aus Otzenhausen und Dr. Oetker aus Wittlich zu einer gemeinsamen Protestaktion am Sportlertreff in Braunshausen zusammengeführt. Beim ersten gemeinsamen "Grillen für Kohle " ging es um die Wurst: sprich um mehr Lohn. "Die 1,6 Prozent machen uns nicht satt", meint Baumeister. Dass in der ersten Tarifrunde die Vorstellungen von Arbeitgeber und Gewerkschaft so weit auseinanderdriften, liege im Trend, sei aber insgesamt eine Frechheit. "Die Ertragslage bei Nestlé Wagner ist sehr gut, das Unternehmen schreibt das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte", berichtet der NGG-Geschäftsführer. Auch Nestlé-Wagner-Betriebsrätin Dagmar Beuttel zeigt sich deshalb über das Tarifgeplänkel enttäuscht. Denn durch die Steigerung der Produktion sei die körperliche Belastung bei den Mitarbeitern sehr hoch. "Die Kollegen sind hoch motiviert, flexibel und schieben Zusatzschichten, wenn sie gebraucht werden", erklärt die Betriebsrätin. Ein Mitarbeiter, der beispielsweise 2000 Euro brutto im Monat verdienen, hätte beim aktuellen Lohnangebot gerade 30 Euro brutto mehr Geld am Monatsende. "Und das wird durch andere Preiserhöhungen wieder aufgefressen", so Beuttel. Positiv sieht sie, dass die Mitarbeiter beider Unternehmen nun im Tarifstreit zusammenhalten und sich austauschen. "Wenn beide Unternehmen um Marktanteile streiten, dann können die Mitarbeiter auch einmal zusammen streiken", scherzt Baumeister.

Die Arbeitnehmer verleihen schriftlich ihrem Unmut und Protest mit Schlagzeilen wie "Eine Beleidigung für unsere Arbeit" oder "Wir wollen keine Almosen, wir wollen, was uns zusteht" in der sogenannten Fußbodenzeitung Nachdruck. "Die werden wir am 9. Juni bei den nächsten Verhandlungen übergeben", sagt Baumeister. Wenn dann keine Annäherung von der Arbeitgeberseite in Sicht ist, "behalten wir uns Warnstreiks in beiden Unternehmen vor", kündigt er an.

Den Hauptgrund für das taktische Gezanke in den laufenden Flächentarifverhandlungen sieht er in dem zu guten Abschluss von vor zwei Jahren. "Das wollen sich die Arbeitgeber nun wieder zurückholen", ahnt NGG Saar-Geschäftsführer Mark Baumeister. Aber nicht uns, so der Tenor der Beschäftigten. Die Protestaktion hat ihnen Mut gemacht: "Nur gemeinsam geht's" und sie wollen, wie Baumeister abschließend plädiert "in der Tarifrunde den Arbeitgebern kräftig einheizen".

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Hintergrund In Otzenhausen sind laut NGG-Geschäftsführer Mark Baumeister 1800 Menschen beim Unternehmen Nestlé Wagner beschäftigt, welches zu der Unternehmensgruppe Nestlé Deutschland AG gehört. Der konkurrierende Tiefkühlprodukte-Hersteller in Wittlich zähle 1000 Beschäfigte - und gehört dem Bielefelder Unternehmer Dr. Oetker. frf