Bundesverkehrsministerium klärt, ob Gleise bei Hermeskeil mit Recht abgebaut wurden

Hochwaldbahn : Jetzt soll Berlin klären, ob der Gleis-Abbau rechtens ist

Legal oder illegal? Ob der Abbau der Gleise der ehemaligen Hochwaldbahn zwischen Hermeskeil und der Landesgrenze rechtlich zu beanstanden ist, soll jetzt das Bundesverkehrsministerium klären. Die DB Netz hat die arbeiten wohl einstweilen gestoppt.

Der von der DB Netz AG offenbar ohne entsprechende Genehmigung abgebaute Schienenstrang der Hochwaldbahn zwischen Hermeskeil und der Landesgrenze Saarland/Rheinland-Pfaz (wir berichteten) erregt weiter die Gemüter. Wie der Trierische Volksfreund nun berichtet, hat Hartmut Heck, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, in der Angelegenheit das Gespräch mit dem Mainzer Verkehrsministerium gesucht. Nach dessen Auskunft liege der Vorgang um die entfernten Gleise derzeit zur Klärung beim Bundesverkehrsministerium in Berlin. „Dort soll die Frage der Zuständigkeit und der Genehmigungsfähigkeit dieser Aktion der DB AG geklärt werden.“ Er selbst sei „mehr als entrüstet darüber, dass hier Infrastruktur einfach in einer Nacht-und-Nebelaktion abgebaut“ worden sei, sagt Heck. Seiner Ansicht nach hätten zumindest die Anrainer-Kommunen und die betroffenen Bürgerinitiativen, die sich seit Jahren mit der Zukunft der Hochwaldbahn befassten, informiert werden müssen. Es dränge sich der Verdacht auf, dass die Bahn die erforderlichen Genehmigungs- und Beteiligungsverfahren „elegant umgehen“ wolle.

Ob gleiches Ungemach auch auf dem Abschnitt Hermeskeil-Thalfang droht, soll ebenfalls in Berlin geklärt werden, gibt Heck gegenüber dem TV eine Aussage aus dem Mainzer Verkehrsministerium wieder. Dieser Streckenteil der Hunsrückquerbahn, die in Hermeskeil von der ehemaligen Hochwaldbahn abzweigt, soll nach den Vorstellungen der Interessengemeinschaft (IG) Nationalparkbahn Hunsrück-Hochwald und weiteren Befürwortern reaktiviert werden und mit dem Abschnitt Morbach-Thalfang den Grundstock der künftigen Nationalparkbahn bilden. Dass die Gleise in Richtung Nonnweiler-Bierfeld nun weg sind, hat laut Heck für das Thema Nationalparkbahn zumindest auf rheinland-pfälzischer Seite keine direkten Auswirkungen.

Patrick Pandel von der IG Nationalparkbahn bedauert dennoch, dass das Saarland nun abgehängt ist. Denn man sei „momentan in konkreten Verhandlungen, den Abschnitt Thalfang-Morbach und eventuell bis Hermeskeil in Betrieb zu nehmen. Das Projekt Nationalparkbahn bleibt damit unangetastet. Aber das Saarland ist abgeschnitten.“ Die Tourismusbahn, über die demnach also schon konkret verhandelt wird, fährt daher in Zukunft wohl nur innerhalb von Rheinland-Pfalz. Ungeachtet der Tatsache, dass die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) im Landeskonzept des Saarlandes zum Nationalpark Hunsrück-Hochwald von 2014 die Bahn noch beworben hat.

Mit dem Saar-Hunsrück-Express, unter diesem Namen hatte ein Privatunternehmer die Hochwaldbahn bis 2014 betrieben, „bietet sich die Möglichkeit, die einzigartige Natur und Kulturlandschaft des Naturparks Saar-Hunsrück auf einmalige und unvergessliche Art und Weise zu erleben“, heißt es in dem Konzept. Und weiter: „An den verschiedenen Haltestellen (. . .) laden zahlreiche Sehenswürdigkeiten, Wander- und Radwege ein, die raue Schönheit des Hunsrücks näher zu erkunden. Davon kann auch der Nationalpark profitieren“. Die Tourismusbahn war demzufolge auch als Aushängeschild des gemeinsamen Nationalparks von Rheinland-Pfalz und dem Saarland gedacht.

Und jetzt der Abriss. Doch wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Denn wie die Bürgerinitiative (BI) Bahn und Rad im Hochwald am Donnerstagabend mitteilte, will sie aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben, dass „der illegale Abbau der Hochwaldbahn vorerst gestoppt“ sei. „Wir haben in den vergangenen Tagen Himmel und Menschen in Bewegung gesetzt, um dem aus unserer Sicht ganz klar illegalen Vorgehen der DB Netz AG Einhalt zu gebieten“, erklärte BI-Sprecher Andreas Kilian. Die BI hatte sich nach eigener Aussage an die Landeseisenbahnaufsicht Rheinland-Pfalz, den Landtag in Mainz sowie die Bundesnetzagentur gewandt. Die Bundespolizei ermittelt demnach ebenfalls, weshalb die DB Netz den Abbau vor dem Bahnhof Hermeskeil nun einstweilen gestoppt habe. „Das ist auf jeden Fall ein wichtiger Teilerfolg für uns“, erklärte Kilian gegenüber der Saarbrücker Zeitung. „Nun arbeiten wir daran, dass der Abbau endgültig gestoppt und die Gleise wieder aufgebaut werden. Für den saarländischen Teil arbeiten wir weiter an der Reaktivierung.“

Solange das Gelände der Bahnstrecke und der Bahnhöfe als solche nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz gewidmet sind, gehen Eisenbahn-Interessen immer vor und ein Abriss wie auch andere Formen der Nutzung sind ausgeschlossen. Eine Entwidmung ist rechtlich nicht einfach und bedarf eines Genehmigungsverfahrens durch das Eisenbahnbundesamt, das in diesem Verfahren sämtliche Eingaben und Interessen gegeneinander abwägt.

Mehr von Saarbrücker Zeitung