Brücke prüfend im Blick

Nonnweiler. Die meisten Autofahrer haben von dem Treiben an der Unterseite der Brücke überhaupt nichts bemerkt. Der eine oder andere hat womöglich die Warnbaken und einen roten Gitterturm neben dem Seitenstreifen bemerkt. Mehr aber wohl nicht. Der Turm ist das obere Ende einer Leiter, die den Abstieg unter die Brücke ermöglicht. Dort ist eine breite Arbeitsbühne angebracht

Nonnweiler. Die meisten Autofahrer haben von dem Treiben an der Unterseite der Brücke überhaupt nichts bemerkt. Der eine oder andere hat womöglich die Warnbaken und einen roten Gitterturm neben dem Seitenstreifen bemerkt. Mehr aber wohl nicht. Der Turm ist das obere Ende einer Leiter, die den Abstieg unter die Brücke ermöglicht. Dort ist eine breite Arbeitsbühne angebracht. Von hier aus wird Dezimeter für Dezimeter die komplette Brücke überprüft. Begutachtet werden vor allem die tragenden Teile, die Brückenlager und -pfeiler sowie die Übergangskonstruktionen - das sind Bauelemente zum Ausgleich von Verformungen. Die Arbeit am Fuß der Brückenpfeiler, die im Wasser der Prims stehen, übernehmen geschulte Taucher. "Eine entsprechende körperliche Fitness ist für diese harte, bei Wind und Wetter durchzuführenden Tätigkeiten zwingende Voraussetzung", sagt Dieter Plate, Leiter der Brückenmeisterei des Landesbetriebs für Straßenbau (LfS) in Neunkirchen. Die Brückenprüfung werde alle sechs Jahre durchgeführt. Alle drei Jahre werden Sichtprüfungen vorgenommen. Darüber hinaus gibt es noch Sonderprüfungen, etwa nach einem Hochwasser.Neben den genannten Prüfungen gehört die regelmäßige Bauwerksüberwachung zur "Alltagsarbeit" der Brückenmeisterei. Einmal jährlich müssen alle Brücken und Durchlässe - das sind immerhin insgesamt 1078 im Land - von den Mitarbeitern der Brückenmeisterei untersucht werden, die laufende Bobachtung von den Straßen- und Autobahnmeistereien nicht eingerechnet. Außerdem werden im Saarland 413 Stützbauwerke, ein Tunnel und 98 Lärmschutzwände kontinuierlich überwacht. Alles Bauwerke, die in die Unterhaltspflicht des Bundes und des Landes fallen. Kommunale Bauwerke fallen nicht in den LfS-Verantwortungsbereich. Bei den Prüfungen kommen Hubsteiger mit Auslegern bis zu 25 Metern Länge zum Einsatz. Höhere Talbauwerke werden zudem mit angemieteten Spezialfahrzeugen, so genannten "mobilen Unterflurbesichtigungs-Geräten", begutachtet. "Die Prüfer müssen dabei schwindelfrei sein", so Plate. Spezielle Bauwerke, wie der Pellinger Tunnel oder Bahnbauwerke, erfordern individuelle Prüfgeräte. Für die Anmietung dieser Geräte entstehen nach LfS-Angaben jährlich Kosten in Höhe von rund 130 000 Euro. Im Saarland sind acht Ingenieure und Techniker von der Brückenmeisterei Lebach mit den Überprüfungen beschäftigt. Kleinere Instandsetzungsarbeiten übernehmen die Mitarbeiter der Brückenmeisterei, umfangreichere Sanierungsarbeiten werden vergeben. Jede Prüfung wird in einem Prüfbericht dokumentiert, in einer bundesweit einheitlichen Datensammlung archiviert und anhand der Kriterien Standsicherheit, Verkehrssicherheit sowie Dauerhaftigkeit ausgewertet. Jeder Prüfbericht enthält eine abschließende Zustandsnote des Bauwerks. Vergeben werden Noten zwischen 1 und 4, wobei die Note 1 schadenfrei bedeutet, die Note 4 die sofortige Sperrung verursacht und Notmaßnahmen auslöst.