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Bier der Kelten wurde am Hunnenring in Otzenhausen serviert

Bierprobe : Biergenuss wie einst bei den Kelten

Eine kuliniarische Reise in die Vergangenheit gab es in Otzenhausen. Dort wurde Bier verköstigt, das auf keltische Art gebraut wurde.

Was den Römern der Wein und den Germanen der Met war zweifelsohne den Kelten ihr Bier. Nachdem Ende Juli im Keltendorf in Otzenhausen eine Weinprobe mit nachempfundenen römischen Weinen auf dem Programm stand, ging die kulinarische Zeitreise in die Vergangenheit kürzlich weiter mit einer Verköstigung keltischer Biere. Patrick „Petz“ Schaack, alias Obelux, hatte als treverischer Cervoise-Händler sein Lager im Keltendorf aufgeschlagen. Seit seiner Kindheit interessiert sich der Luxemburger für Geschichte.

„In meinem Heimatort wurden römische Fundamente gefunden. Das hat mich sehr fasziniert und nicht mehr losgelassen. Meine Frau Christiane ist genauso verrückt wie ich. Unsere Liebe zum Altertum hat uns zusammengeführt“, verrät Obelux mit einem Augenzwinkern. Thomas Fritsch, Leiter des archäologischen Grabungsprojektes Keltischer Ringwall, habe er an der Trierer Uni bei einer Vorlesung kennengelernt. „Wir hatten uns vor zwei, drei Jahren an der Uni in der Erwachsenenbildung eingeschrieben und archäologische Vorträge besucht. Ich finde, je weiter man in unserer Menschheitsgeschichte zurück geht, umso interessanter wird es“, so Schaack.

Für die Bierverköstigung im Keltendorf hat Schaack mit seinem Team den großen Versammlungsbau des Keltendorfes in ein Wirtshaus namens „Menhir“ verwandelt. 28 Teilnehmer hatten sich für den Abend angemeldet. Darunter auch Jenny Wahl und Eddie Gauss aus Züsch. Vor Beginn Bierprobe informierte sich das Paar bei einer Führung des Archäologen Fritsch über die Historie des Keltendorfes. In der offenen Schmiede demonstrierte Dan Kries, wie in Keltenzeit das bierähnliche Gebräu auf einer offenen Feuerstelle hergestellt wurde: „In einem Kessel wurde Gerste in Wasser eingeweicht und dann etwa ein bis zwei Stunden bei gleicher Temperatur mit einem Kräutersäckchen gekocht. Später, wenn das Bier abgekühlt ist, kommt noch Honig dazu. In einer Amphore lässt man den Saft dann etwa vier Wochen fermentieren.“

Grundlage der Cervoise sei immer Getreide. „Hopfen ist in unseren Regionen erst im sechsten Jahrhundert aufgetaucht. Cervoise ist ein keltischer Vorfahre unserer Biersorten. Das Gebräu war nicht gehopft und wurde aus Getreide wie Gerste hergestellt und gerne auch mit Kräutern aromatisiert. Außerdem hatte das keltische Bier gerade mal etwa zwei Prozent Alkohol“, so Patrick Schaack.

Bei der Bierverköstigung konnten die Besucher sieben Biersorten aus dem Gebiet der Somme in Frankreich probieren. Aufgrund verschiedener Forschungsergebnisse könne man erahnen, wie die Kelten ihr Gebräu hergestellt hätten. „An keltischen Trinkgefäßen konnte man pflanzliche Stoffe analysieren, die als Getränkebestandteile einer bierähnlichen Substanz interpretiert wurden“, erzählt Archäologe Fritsch. „Der römische Gelehrte Plinius der Ältere schrieb von einem berauschenden Getränk der Kelten“, ergänzt Schaack.

Nach der Führung nehmen die Besucher im Versammlungsbau an langen Tafeln Platz, um dann in stilechten die verschiedenen Biere zu kosten. Passend zum Thema wird dazu eine deftige keltische Brotzeit mit Käse, Schmalz, Rohessern und Brot gereicht. Sieben verschiedene Getränke stehen im Angebot mit wohlklingenden Namen wie „Cervoise Samara“ oder „Princesse des Marais“. Schon beim ersten Schluck fällt auf, diese Biere unterscheiden sich geschmacklich deutlich von unseren heutigen herben Biersorten. Typisch für das Princesse des Marais ist der süß-fruchtige Geschmack. Das Gerstenwein-Bier ist mit schwarzen Johannisbeeren in einem Eichenfass gereift. Eine Besonderheit ist die Cervoise-Samara. „Dieses Getränk der Kelten können wir authentisch anbieten. Nach keltischer Tradition enthält das Weizenbier keinen Hopfen und wurde mit sieben Wildkräutern und Honig hergestellt. Das Rezept und das Verfahren wurden in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern vom nordfranzösischen Archäologiepark Samara und dem Braumeister von der Brasserie de la Somme in dreijähriger Forschungsarbeit hergestellt“, erläutert Schaack seinen aufmerksam lauschenden Gästen.

Dan Kreis (links) und Patrick Schaack, alias Obelux, brauen Bier am offenen Feuer. Foto: Marion Schmidt

Musikalisch rundet Pit Winandy, alias Rhys der Barde, den Abend mit seinem Spiel ab. Mit seiner Harfe spielte er keltisch-bretonische Weisen, zwischendurch läutete er mit den Klängen seiner Schalmei die Vorträge von Patrick Schaack ein.