Besucherzentrum des Nationalparks in Otzenhausen wird gebaut: Vertrag unterzeichnet.

Nächster Schritt zum Nationalpark-Besucherzentrum : Ein Tor, das neugierig macht

Das Besucherzentrum des Nationalparks in Otzenhausen wird gebaut. Der Vertrag mit dem Architektenbüro ist unterzeichnet.

Ein Maikäfer breitet die Flügel aus und setzt zum Abflug an. Ein Specht füttert seine beiden Jungen, die ihre Köpfe aus einem Baumloch recken. Und ein kleines Wildschwein blickt träumerisch in die Ferne. Es sind Bilder aus einer Welt, in der die Natur noch Natur sein darf. Aufgenommen direkt vor unserer Haustür, im Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

„Diese Fotos zeigen, wie schön unsere Heimat ist“, schwärmt Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). Gemeinsam mit weiteren Vertreten aus der kommunalen Politik hat sie sich am Mittwoch den Kurzfilm in der Nonnweiler Kurhalle angesehen. Die Bilder – aufgenommen von Naturfotograf Konrad Funk – sollten die Gäste auf das eigentliche Ereignis des Tages einstimmen: die Vertragsunterzeichnung zum Bau des Nationalpark-Tores Keltenpark am Fuße des Hunnenrings.

In den vergangenen zwölf Monaten stand ein europaweiter Architektenwettbewerb für das geplante Besucherzentrum an. Insgesamt 82 Bewerbungen gingen ein, von denen es 30 Vorschläge in die nähere Auswahl schafften. In einer Preisgerichtssitzung im Oktober wählte die Jury schließlich vier Gewinner aus. „In einem abschließenden Vergabeverfahren setzte sich das Architekturbüro DBCO aus Münster mit seinem Entwurf durch“, verkündet Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth den finalen Sieger.

Es seien viele beeindruckende Ideen eingereicht worden, doch letztendlich hätte sich der Vorschlag des jungen Teams aus Münster doch als klarer Favorit herauskristallisiert. Denn DBCO sei es gelungen, ein Besucherzentrum zu entwerfen, das die Gäste neugierig macht, informiert, unterhält und zum Verweilen im Nationalpark Hunsrück-Hochwald einlädt. Darüber hinaus passe das Gebäude auch noch in den Kontext der keltischen Geschichte, betont Barth.

Inwiefern? „Der Grundgedanke des Entwurfkonzeptes spielt mit dem Begriff ,Kelten’“, erklärt David Bücker vom Architektenbüro DBCO. Dem werde sowohl die Bedeutung „emporragen“ als auch „verstecken“ zugeschrieben. Aus Richtung ankommender Besucher zeige sich das Gebäude zum Straßenraum markant in die Landschaft eingebettet, während es vom Keltendorf aus betrachtet durch Positionierung und Dachgestaltung nahezu in der umgebenden Natur versteckt erscheine.

Das Gebäude selbst hat die Form eines abstrakten, geschwungenen Keltenkreuzes. „Durch die Ausrichtung der Kreuzbalken erfolgt die Verbindung von Straße und Nationalpark, Amphitheater und Keltendorf“, beschreibt Bücker weiter. Die Gebäudeform leite die Besucher und gewähre eine einfache Orientierung. Die Kreuzbalken würden aber auch die Gliederung des Hauses vorgeben. Angedacht seien hier die Bereiche Erholung (Eingang, Shop, Gastronomie), Ranger (Verwaltung, Service), Natur (Amphitheater, Keltendorf, Blick in den Park) sowie Bildung (Besucherbereich mit Ausstellung). Mittelpunkt des Zentrums sei das Foyer. Eine große Freitreppe mit Sitzmöglichkeiten führe die Gäste von dort auf das Außengelände.

„Diese sehr unterschiedlichen Anforderungen in einem Gebäude unterzubringen, war eine Herausforderung“, sagt Bücker. Er freut sich, dass sein Team den Wettbewerb für sich entscheiden konnte. „Das ist für uns keine Selbstverständlichkeit, wir sind ja noch ein junges Büro“, stellt er klar. Dass ihr „ambitionierten Entwurf“ die Jury überzeugen konnte, sei für alle eine Überraschung gewesen.

Rund fünf Millionen Euro soll es kosten, dieses Konzept in die Realität umzusetzen. Das Land unterstützt das Projekt mit einer Fördersumme in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro. Der Landkreis ist mit 500 000 Euro dabei (zehn Prozent), die Gemeinde Nonnweiler mit einer Million Euro (20 Prozent). Wobei Nonnweiler dafür einen Zuschuss des Landes beantragen wird. Land, Landkreis und Kommune teilen sich künftig auch die Unterhaltungskosten.

„Jetzt können wir den nächsten Schritt in Angriff nehmen, wenn es darum geht, den Nationalpark nach vorne zu bringen“, sagt Ministerin Rehlinger bei der Vertragsuntereichung. Das Besucherzentrum hält sie für einen wichtigen Baustein im Gesamtkonzept. „Den Wald zu haben, ist ein großes Pfund. Reicht allein aber nicht aus, um sich von anderen Regionen abzusetzen“, ist sie überzeugt. Mit dem geplanten Besucherzentrum könne dies gelingen. Die Ministerin betont, dass es sich beim Nationalpark in erster Linie um ein naturschutzfachliches Projekt handele. In dem aber auch jede Menge touristisches Potenzial stecke.

Dem stimmt auch Landrat Udo Recktenwald (CDU) zu. Der Landkreis St. Wendel sei die Tourismushochburg im Saarland. Das neue Besucherzentrum solle künftig noch mehr Gäste anlocken. „Natur, Kultur und Mensch – das sind die drei Faktoren, die unsere Region ausmachen“, betont Recktenwald. Die Fachjury habe ein hervorragendes Konzept ausgewählt, welches man in den nächsten beiden Jahren umsetzen wolle. Dann können die Besucher durch das Tor eine Welt betreten, in der die Natur noch Natur sein darf.

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