Barth lobt Stimmung in Nonnweiler

Barth lobt Stimmung in Nonnweiler

Flüchtlinge unterbringen, Hilfestellung leisten, Integration fördern: Für die Gemeinden im Landkreis St. Wendel gilt es, einiges zu schultern. Wir fragen nach, wie die Verwaltungen mit den Mehrbelastungen klar kommen und wo es hakt. Dieses Mal im Gespräch: Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth.

Anfang des Jahres gab es in Primstal die Veranstaltung "Musik verbindet". Dabei hat ein syrischer Lautenspieler seine Musik präsentiert, haben Flüchtlinge und Menschen aus der Gemeinde zusammen getanzt. Ein Abend, der dem Nonnweiler Bürgermeister Franz Josef Barth (parteilos) noch genau in Erinnerung ist. "Damals hat eine Dame von ihrer Flucht berichtet. Das hat mich bewegt." Und nicht nur ihn. Denn: "Der Abend hat eine Solidaritätswelle ausgelöst."

Was wohl damals noch niemand abschätzen konnte, war das Ausmaß des Flüchtlingstroms. Die Stimmung in der Gemeinde sei aber in Ordnung, so Barth. Bislang wurden Nonnweiler 98 Flüchtlinge zugewiesen. Aktuell leben noch 72 Vertriebene dort, 22 sind weggezogen. Die Mehrheit der Zufluchtsuchenden stammt aus Syrien (65). Außerdem hat die Gemeinde einen Flüchtling aus Eritrea, drei aus dem Irak und drei aus Afghanistan aufgenommen. Zwischen acht und zehn der Männer und Frauen sind bereits anerkannt.

Bürgermeister Barth setzt auf dezentrale Unterbringung (siehe Info-Grafik). Das sei gerade dann wichtig, falls die Stimmung doch einmal kippen sollte. Es dürfe keinen konzentrierten Punkt geben, an die Menschen ihrer Wut Ausdruck verleihen können.

Das Thema Flüchtlinge steht täglich auf der Agenda, aber die Arbeit werde gut bewältigt. Und das auch, weil die Verwaltung rechtzeitig reagiert habe, sagt Barth. Als die Flüchtlingswelle startete, lag die Koordination komplett im Rathaus. "Bernd Scherer von der Ortspolizeibehörde hat das alles ge stemmt", so Barth. In Zusammenarbeit mit Heidi Meyer-Weber. Doch im Sommer sei die Belastung so weit gestiegen, dass Barth Handlungsbedarf sah. Durch die engen Kontakte zu Idee.on gGmbH kam Melanie Schug als Verstärkung ins Rathaus. Bei Idee.on angestellt, ist sie zu 100 Prozent für die Gemeinde abgestellt und kümmert sich um den Themenkomplex Unterkünfte für die Flüchtlinge. Für Barth ein Glücksgriff. Jeden Freitag versorgt Schug den Bürgermeister mit aktuellen Zahlen, die dieser wiederum an die Ortsvorsteher weiterleitet. Information sei wichtig. Deshalb gehöre ein Überblick in Sachen Flüchtlingssituation nun auch in jede Gemeinderatsitzung, so Barth.

Zu Wohnungen gehören auch Möbel. Vieles läuft hier über Spenden. In der ehemaligen Grundschule in Kastel ist ein Möbellager eingerichtet. "Beim Aufbau hilft ein Schreiner im Ruhestand, den wir als Arbeitskraft gewinnen konnten", sagt Barth. Außerdem sei der Bauhof eingebunden. In November und Dezember rechnet der Verwaltungschef mit je 20 neuen Flüchtlingen. Wohnraum sei genügend vorhanden.

Barth wirkt gelassen, auch mit Blick auf das neue Jahr und weiteren Zufluchtsuchenden. Seine positive Grundstimmung mag auch mit dem Einstieg in die Thematik zusammenhängen. Die sei eben durchweg positiv gewesen. Die ersten Flüchtlinge sind in einem gemeindeeigenen Gebäude in Schwarzenbach einquartiert worden. "Dort waren auch schon mal Obdachlose untergebracht. Die Nachbarschaft ist total aufgeschlossen." Das gelte vor allem für Margarete Straub. Sie sei ein großes Vorbild, habe die neuen Bewohner freundlich aufgenommen. "Sie pflegt ihren Mann, der bettlägerig ist, und wenn sie zu Terminen außer Haus muss, kommen die Flüchtlinge rüber und sehen solange nach ihrem Mann", weiß Julia Hornetz, Leiterin des Mehrgenerationenhauses (MGH) Nonnweiler .

Danach seien Ferienwohnungen in der Alten Mühle als Unterkünfte für die Flüchtlinge gewählt worden, aktuell wird ein gemeindeeigenes Haus in Primstal hergerichtet. Bei Privatwohnungen ist mit einer Ausnahme die Gemeinde der Mieter. Es sind Verträge mit einer Dauer zwischen einem und fünf Jahren. Das ist Barth lieber als eine zehnjährige Bindung. Er setzt auf eine Mischung zwischen Flexibilität und Sicherheit. "Irgendwann wird die Zahl der Flüchtlinge konstant bleiben oder sich verringern." Teilweise würden der Gemeinde auch sanierungsbedürftige Wohnungen und Gebäude angeboten. "Das ist für uns allein aus Zeitgründen nicht machbar", sagt Melanie Schug.

Das Wichtigste, so Barth, sei der Zuschnitt der Wohnungen . Der müsse zu den jeweiligen Bewohnern passen. Die Zuweisungsquote von Nonnweiler im Landkreis St. Wendel ist 9,9 Prozent. Aber die ist dem Bürgermeister nicht so wichtig. "Wir bieten an, was wir an Wohnungen haben, egal wie die Quote ist." Das Flüchtlingsthema sei eine gemeinschaftliche Aufgabe und nicht auf Kommunen, Landkreise oder Bundesländer beschränkt.

Anfang des Jahres wurde in Nonnweiler das "Netzwerk Integration" gegründet. Das ist hauptamtlich beim MGH und Idee.on angesiedelt. Zwei Bundesfreiwilligendienstler kümmern sich im MGH fast ausschließlich um das Thema Flüchtlinge. Eine große Säule des Netzwerkes ist das Ehrenamt. 50 Leute engagieren sich laut Hornetz insgesamt. "15 Ehrenamtler kümmern sich fast täglich um die Flüchtlinge." Aufgabe des MGH-Teams sei es, alles zu koordinieren. So zum Beispiel auch Haushaltsspenden und die Kleiderkammer, die im MGH eingerichtet ist. Durch die Zusammenarbeit mit ortsansässigen Firmen wurde eine Essensausgabe ins Leben gerufen. "Wir begrüßen die Flüchtlinge persönlich und überreichen ihnen eine Willkommensmappe", so Hornetz. Diese gebe einen Überblick über Gemeinde und Geschäfte und beinhalte wichtige Ansprechpartner.

"Das Mehrgenerationenhaus hat sich zu einer Anlaufstelle entwickelt", so die Leiterin. Diese Entwicklung bewertet der Bürgermeister positiv. Es brauche kein besonderes Programm, sondern nur den Ort, an dem sich die Menschen treffen können. Und sei es nur zum Kaffeetrinken oder zum Schach-Spielen. Bei letzterem spiele die Sprachbarriere keine Rolle. Da in der Zukunft eine größere Zahl an Flüchtlingen in Primstal untergebracht werden soll, denkt der Verwaltungschef darüber nach, dort eine MGH-Zweigstelle einzurichten.

"Die Flüchtlingsarbeit im Mehrgenerationenhaus macht mehr als die Hälfte der Arbeit aus", sagt Hornetz. Sie betont aber gleichzeitig, wie wichtig es ist, das auch das reguläre Programm weiterlaufe. Julia Hornetz wünscht sich mehr Ehrenamtler und Paten, die sich um Flüchtlinge kümmern möchten. Dass das nicht immer einfach ist, weiß sie aus eigener Erfahrung. "Ehrenamtler müssen sich auch Grenzen setzen und entscheiden, wie viel sie über die Schicksale erfahren wollen. Das kann sehr belastend sein." Deshalb erlaube sie sich jetzt ein bisschen mehr Abstand. "Am Anfang war ich ganz nah dran, habe eine Schwangere intensiv begleitet", so Hornetz. Das erste Flüchtlingsbaby. Inzwischen gibt es schon das zweite. Das kam vor zwei Wochen auf die Welt.

Im Januar hat die Veranstaltung "Musik verbindet" nach Barths Worten "eine Welle der Solidarität" ausgelöst. Am Freitag, 20. November, 19 Uhr, gibt es im Gasthaus Zeggels in Primstal die zweite Auflage. Sieben Bands und Delikatessen aus sieben Kulturen werden die Gäste musikalisch und kulinarisch verwöhnen. Wieder eine Gelegenheit der Begegnung zwischen den alteingessenen und den neuen Bürgern.

Zum Thema:

Auf einen BlickSprachkurse für Flüchtlinge werden zwei Mal in der Woche im Nonnweiler Mehrgenerationenhaus angeboten. Leiterin Julia Hornetz wünscht sich hierfür Unterstützung. Bislang würden meist pensionierte Lehrer den Deutschunterricht geben. Das sei aber keine Bedingung. Insgesamt sei ehrenamtliches Engagement gewünscht. Auch gerne Paten für Flüchtlinge. Das sei zeitintensiv, sagt Hornetz. Außerdem müsse es menschlich passen. Kontakt: Tel. (0 68 73) 6 60 73, Mail: mehrgenerationenhaus@nonnweiler.de. evy