Aus der Gebirgswelt ins Saarland

Klaudia Tschofen hatte in der langen Nacht der Museen viel zu erzählen. Die Schwarzenbacherin berichtete im österreichischen Tourismusmuseum von Gaschurn über das Leben ihrer Vorfahren und die Beziehung der Montafoner Gebirgswelt zum Saarland, die bis zum heutigen Tage besteht.

Schnell noch ein Radiointerview für den Österreichischen Rundfunk (ORF), dann war es soweit: Die 60-Jährige, in Gronig geborene und in Schwarzenbach beheimatete Klaudia Tschofen, thematisierte in der langen Nacht der Museen im Gaschurner Museum die Geschichte ihrer Familie. "Ich bin mehr Montafonerin, als Saarländerin", stellte sich Tschofen den Zuhörern vor. In den vergangenen Jahren hat sie eine ganze Mappe mit Urkunden, Aufzeichnungen, Fotos und allerlei Gegenstände zusammengetragen, um das Leben ihrer Vorfahren in der Montafoner Gebirgswelt darzustellen. Zunächst blickte sie bis ins Jahr 1579 zurück. "Lukas Tschofen war der reichste Mann im Montafon", erzählte sie. Er sei als Kriegsmann aus der rätoromanischen Region ausgezogen und von Süden mit erbeuteten Schätzen in die Gebirgsregion zurückgekehrt. Die Errichtung der Maria-Schnee-Kapelle in Gaschurn geht laut Inschrift auf das Jahr 1637 zurück. Als Gründer und Erbauer gilt Lukas Tschofen, "die legendäre und sagenumwobene Gestalt des Tales Montafon", wie Tschofen anmerkte.

Ziel vieler Montafoner Bauhandwerker sei in den vergangenen Jahrhunderten auch das Saarland gewesen, um dort ein saisonales Einkommen zu verdienen. "Ansonsten waren die Menschen einfache, arme Bergbauern", teilte Tschofen mit. Einer der sich saisonbedingt aus Gortipohl zum Arbeiten ins Saarland aufmachte, war ihr Urgroßvater. "Unterwegs hat er für andere Leute das Kraut gehobelt und sich so etwas dazu verdient", schilderte sie. Jahre später schlug ihr Opa Andreas Tschofen, ein gelernter Gipser und Stuckateur, den gleichen Weg ein und wurde schließlich in Gronig sesshaft. "Im Gasthaus Zum Krug im grünen Kranze hat er auf der Zither für die anderen Gäste musiziert", so die Enkelin. Zunächst habe ihr Großvater in der Humweilerstraße von Gronig zur Miete gewohnt, sich selbstständig gemacht und das Haus in der Schäferstraße 1 gebaut. Seine Stuckateurarbeiten seien gefragt gewesen."Die Hausfassaden hat er im Barockstil mit Glasscherben verziert und dekoriert", erläuterte sie. Noch heute bezeugen die Häuser in der Nahestraße in Neunkirchen/Nahe und in der Groniger Humweilerstraße die Handwerkskunst von Andreas Tschofen. "Er war jemand, der etwas bewegen wollte", meinte die Enkelin. Anno 1933 war Andreas Tschofen Mitgründer des Handwerker- und Gewerbevereins Oberthal.

Zehn Jahre darauf wurde er zur Wehrmacht eingezogen und verstarb in Russland im Alter von 42 Jahren. "Meine Oma Berta hat daraufhin ihren Nachbarn das Haus zur Verfügung gestellt und kehrte mit ihren Kindern zurück ins Montafon", sagte sie. 1949 kam Berta Tschofen zurück nach Gronig, weil man sie im Heimatland gehänselt und als Ausländer behandelt habe. "Mein Vater Edmund hat später auch das Stuckateur-Handwerk erlernt", erklärte die Schwarzenbacherin. Die ersten sechs Jahre habe sie noch die österreichische Staatsangehörigkeit besessen. Mehrmals pro Jahr sei sie im Montafon zu Gast und auf Spurensuche. Denn auch künftig will Klaudia Tschofen weiter der Familiengeschichte nachgehen und den Wandel in den Jahrhunderten thematisieren.

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HintergrundDas Montafon ist ein 39 Kilometer langes Tal in Vorarlberg (Österreich), das von der Bielerhöhe bis Bludenz reicht und von der Ill durchflossen wird. Das Tal wird im Norden von der Verwallgruppe und im Süden vom Rätikon und der Silvretta begrenzt. Die höchste Erhebung ist der 3312 Meter hohe Piz Buin in der Silvretta-Gruppe. frf