Angenommen: Der Staudamm bricht

Merzig-Wadern/St. Wendel. Seit Tagen hat es im Saarland ununterbrochen geschüttet. Viele Flüsse sind bereits über die Ufer getreten. Und der Wetterbericht verheißt nichts Gutes: keine Besserung in Sicht. Da kommt die schreckliche Nachricht aus Nonnweiler: Am westlichen Ufer der Primstalsperre lösen sich Erdmassen. Eine Flutwelle bahnt sich ihren Weg durch die Landkreise St

Merzig-Wadern/St. Wendel. Seit Tagen hat es im Saarland ununterbrochen geschüttet. Viele Flüsse sind bereits über die Ufer getreten. Und der Wetterbericht verheißt nichts Gutes: keine Besserung in Sicht. Da kommt die schreckliche Nachricht aus Nonnweiler: Am westlichen Ufer der Primstalsperre lösen sich Erdmassen. Eine Flutwelle bahnt sich ihren Weg durch die Landkreise St. Wendel und Merzig-Wadern. Die Behörden in den weiter südlich gelegenen Regionen um Saarlouis und Saarbrücken sind ebenfalls alarmiert. Dieses Szenario ist nur gespielt, reine Fiktion. "Und in den Ausmaßen eigentlich kaum vorstellbar", beruhigt Heiko Schneider vom St. Wendeler Kreisordnungsamt. Zwar hätten Forscher einer Universität bereits vor Jahren maßstabsgetreue Modelle gebaut, die eine bis zu fünf Meter hohe Flutwelle nachstellten. "Aber da bräuchten wir die Hand Gottes, die den Damm auf einmal hoch hebt, damit sich das angestaute Wasser ergießt." An der aktuellen Übung beteiligen sich rund 70 Vertreter verschiedener Rettungsorganisationen - rund 50 im St. Wendeler, 20 im Merziger Landratsamt. Dort trainieren sie seit gestern, acht Uhr, den Katastrophenfall. Die Kreislagezentren koordinieren die Einsätze bis heute Mittag. Anschließend findet die Abschlussbesprechung statt: Wo hat es reibungslos geklappt, wo hakte es bei den Absprachen? Zur zweitägigen Übung schickten unter anderem Feuerwehren, das Technische Hilfswerk (THW), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Bundeswehr und Polizei Teilnehmer. In St. Wendel koordiniert das Kreislagezentrum im ehemaligen Luftschutzbunker die fiktiven Einsätze. 18 Männer aller beteiligten Einrichtungen beraten, telefonieren unter realistischen Bedingungen. Tragen den Standort der angenommenen Flutwelle auf riesigen Landkarten ein. Im Stundentakt ruft Eckert German von der Marpinger Feuerwehr zur Lagebesprechung. Während dieser fünf Minuten nimmt keiner den Hörer ab. Um 15.30 Uhr ist es dann wieder soweit: Dabei gibt German bekannt: "Um 14.40 Uhr hat der Landrat den Katastrophenalarm ausgelöst." Währenddessen steht der - Udo Recktenwald - hinter ihm und hört zu. German weiter: "Die Evakuierung von Kastel und Primstal steht an. 300 Mann der Bundeswehr sind vor Ort. In Sotzweiler ist die B 269 nicht mehr passierbar. Die Feuerwehren aus St. Wendel, Marpingen und Nohfelden sind eingebunden." Zudem sind Lautsprecherwagen in den Katastrophenorten unterwegs. Darüber werden die Menschen aufgefordert, in höher gelegene Häuser zu flüchten. Verletzten- und Totenablageplätze müssen eingerichtet werden. Unterdessen warnt der Zweckverband Talsperre Nonnweiler: Sollten die Erdmassen des aufgeweichten Dammes auf einmal in den See stürzen, werde sogar eine Flutwelle von zehn Metern befürchtet. Diese fast apokalyptisch wirkende Übung dient letztlich dazu, im Ernstfall alle Einsätze so zu ordnen, dass sie ineinander greifen, um den Überblick in einer ohnehin kaum überschaubaren Krisensituation zu behalten. Ob das den Rettungskräften gelingen würde, bringt heute Mittag die Auswertung.