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An Holzkreuzen nagt der Zahn der Zeit gierigWegekreuze erzählen Geschichten

An Holzkreuzen nagt der Zahn der Zeit gierigWegekreuze erzählen Geschichten

Primstal. Bei Melitta Barth, der Vorsitzenden des Kirchenchores Primstal, gehen schon seit Wochen Nachfragen ein: "Wird es nach dem großen Erfolg vom Vorjahr auch diesmal einen Primstaler Kreuz-Kalender geben?" Das Trio Melitta Barth, Manfred Schweitzer und Gisela Arm hatte im Herbst 2008 mutig das neue Druckwerk auf den Weg gebracht

Primstal. Bei Melitta Barth, der Vorsitzenden des Kirchenchores Primstal, gehen schon seit Wochen Nachfragen ein: "Wird es nach dem großen Erfolg vom Vorjahr auch diesmal einen Primstaler Kreuz-Kalender geben?" Das Trio Melitta Barth, Manfred Schweitzer und Gisela Arm hatte im Herbst 2008 mutig das neue Druckwerk auf den Weg gebracht. Die Arbeitsteilung "Recherche - Fotos - Text" bewährte sich. Nach den vorgesehenen 100 Exemplaren musste nachgedruckt werden. 65 weitere der historischen Kalender fanden Abnehmer zum Stückpreis von 12,50 Euro. 600 Euro vom Erlös wurden in die Kirchenheizung investiert. Der gelungene Start des Kreuz-Kalenders wurde über die Ortsgrenzen hinaus gelobt und anerkannt, aber man spürte auch die moralische Pflicht, nach der die Fortsetzung zu folgen hat. Kreuze gesuchtDie Suche nach neuen Motiven gestaltete sich schwieriger, nachdem die bekanntesten Kreuze auf der Gemarkung Primstal vor Jahresfrist in die Erstausgabe integriert worden waren. Dazu Melitta Barth: "Der neue Kalender wird ausschließlich andere Motive enthalten; es wird sich kein Bild von der vorjährigen Ausgabe wiederholen." Die Suche nach weiteren Wegkreuzen im Ort und auf der Gemarkung sei diesmal "schon etwas schwieriger gewesen. Und was nützt die beste Idee, wenn man sie nicht verwirklichen kann?". Sie ist verwirklicht worden. Die Kirchenchor-Vorsitzende: "Es gibt hier immer noch ältere Leute, die aus der mündlichen Überlieferung ihrer Vorfahren wissen, warum man aus diesem und jenem Grund die Kreuze errichtet hat." Auch das ist für Melitta Barth wichtig: "Die Kreuze werden von Primstaler Bürgern bestens gepflegt." Notwendig sind hier und da Renovierungen und Erneuerungen. Vor allem an Holzkreuzen nagt der Zahn der Zeit oft gierig. So verbergen sich hinter dem schmucken Titelbild des Monatskalenders "Primstaler Kreuze 2010", das den barocken Hochaltar aus der heimischen Kirche mit einem Kreuz zeigt, zwölf farbige Monatsblätter mit den Kreuzen, die im Ort und in den Randgebieten ihre Standorte haben. Morsches Holz wird immer rechtzeitig durch stabiles Material ersetzt. Die kleinen Probleme beim Zusammenstellen des "Kreuz-Kalenders" Nummer zwei lassen das Initiatoren-Trio mit kleinen Sorgenfalten in die Zukunft schauen: Wie lange wird der Kreuz-Vorrat in und um Primstal für weitere Kalender reichen? Kommenden Kummer aber will man noch nicht aktualisieren. Kommt Zeit, dann kommt auch Rat. Melitta Barth: "Den Erlös aus dem Kalender-Verkauf für 2010 werden wir nicht 'verheizen'. Er soll der Instandhaltung vorhandener Kreuze dienen." Bei den Herausgebern liegen schon etliche Kaufanfragen für den neuen Kalender vor.

HintergrundTitelbild: Der barocke Hochaltar der Primstaler Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert. Januar: Das Kreuz am Ende der Haagstraße wurde um das Jahr 1896 auf dem Grundstück Riemenschneider errichtet. Februar: Das Kreuz auf dem Handenberg ist 2008 neu errichtet worden. Als Dank für die Heimkehr aus dem Zweiten Weltkrieg hat es Albert Kasper aufgestellt. März: Das Benediktuskreuz stammt aus dem Jahr 1747. Bernhard und Josef Warschburger hatten es 1913 am "Hoddeborre" gefunden. Es befindet sich im Besitz von Rudi Warschburger in Theley. April: Das Krämersch-Kreuz steht am Ende der Hohlstraße (Ebet). Als Dank für die Heimkehr aus dem Ersten Weltkrieg ist es von August, Johann, Matthias und Michael Becker errichtet worden.Mai: Um 1850 wanderten die Bürger Bierbasten aus dem damaligen Mettnich nach Amerika aus. In der alten Heimat bauten sie ein Steinmetzkreuz. Das Kreuz steht in der Tholeyer Straße in Primstal.Juni: Das Kannenkreuz steht auf der Grenze zwischen Mettnich und Mühlfeld. Juli: Das Kreuz in der Hauptstraße ist 1898 aus Dankbarkeit für die Genesung seiner schwer erkrankten Frau von Johann Klauck errichtet worden. August: Das Wegekreuz in der Gemarkung Ebet, "Bildchen" genannt, sei, so wird berichtet, 1814 von einem Mann erstellt worden, der sich im Schneegestöber verirrt hatte und doch heimfand. September: Das Kreuz in der Primsgasse wurde, da es zu zerfallen drohte, 1951 von Josef Birtel erneuert. Es erinnert an einen Ertrunkenen.Oktober: Auf dem Handenberg gibt es noch ein Kreuz. Matthias Becker hat es errichtet als Dank für seine Heimkehr aus dem Zweiten Weltkrieg. November: Das Hofkreuz steht am Peterberg auf der Gemarkung Eiweiler. Es erinnert an den Brand eines Bauernhofes 1871. Dezember: Das Missionskreuz in der Pfarrkirche ist Hinweis auf frühere Glaubenserneuerungen in Primstal. wb