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Almkönig verlässt seine Hochburg

Almkönig verlässt seine Hochburg

Die Kultkneipe auf dem Peterberg macht dicht, vorerst zumindest. Der selbst ernannte „Almkönig“ Günter Birtel steht an diesem Sonntag letztmals hinter dem Tresen des gleichnamigen Ausflugslokals. Im März hatte der Wirt seinen Vertrag gekündigt.

Die Elektroheizung defekt, Dach und Fenster undicht, das Mobiliar aus den 1970er-Jahren, und dazu sieht die Außenfassade der Schutzhütte Peterberg alles andere als einladend aus. Trotzdem hat Pächter Günter Birtel die marode Kultkneipe Zum Almkönig in den zurückliegenden gut zehn Jahren zu einem beliebten Treffpunkt gemacht. Den Kneipennamen hat er sich rechtlich sichern lassen, noch bevor er 2004 mit seiner Ehefrau Christine das Ausflugslokal übernommen hat. An diesem Sonntag ist letzte Schicht für Birtel. Im März hat er seinen Pachtvertrag gekündigt. "Noch einen Winter mit einer kaputten Heizung wollte ich nicht mehr drinbleiben. Einen Antrag auf Mietminderung hat der Eigentümer, die Gemeinde Nonnweiler, abgelehnt", sagt der 59-Jährige, der zuletzt während der kalten Monate 25 Meter an Brennholz im Ofen verfeuerte. Im zurückliegenden Winter war zudem das Lokal fünf Wochen wegen Schneeverwehungen geschlossen.

Gestörter Informationsfluss?

Und Birtel ergänzt kopfschüttelnd: "Das Gebäude müsste komplett saniert werden. Warum hier nichts gemacht wird, weiß ich nicht". Wenn das Ausflugslokal in St. Wendel stünde, so meint Birtel, hätte ein Bürgermeister wie Klaus Bouillon sicherlich etwas daraus gemacht. Klingt so, als wäre die Kommunikation mit der Nonnweiler Gemeindeverwaltung nicht die allerbeste? "Ich bin nie über irgendetwas informiert worden", bemängelt der Wirt und nennt ein Beispiel. Im Sommer 2012 gab es eine Änderung bei der Rodelbahn. Besucher des Freizeitzentrums können seither nicht mehr auf dem Peterberg ein- und aussteigen. Das, so Birtel, habe für rückläufige Besucherzahlen und weniger Umsatz gesorgt.

Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth (parteilos) wehrt sich gegen diesen Vorwurf. Über die Schließung und die Gründe dafür sei Pächter Birtel wohlweislich unterrichtet worden. "Wir wollten die Sommerrodelbahn als Sportanlage behalten. Laut einem Gutachten wurde die Anlage mit dem Ein- und Aussteige-Bahnhof als Transportrodelbahn eingestuft, die in dieser Form für den Personenverkehr nicht zugelassen ist", stellt Barth klar. Daraufhin hat die Gemeinde handeln müssen, sonst wäre ihr die Betriebserlaubnis verloren gegangen.

Ab der kommenden Woche ist der "Almkönig" weg. "Wenn das Lokal in Schuss gewesen wäre, dann hätte ich nicht gekündigt. Es war eine schöne Zeit", sagt Pensionär Birtel wehmütig. Nach seinem Auszug wird dann die Gemeinde in Sachen Alm - zum jetzigen Zeitpunkt überraschenderweise - aktiv. Den Wunsch zur Renovierung gab es schon länger. Um das marode Gebäude umfassend zu sanieren, fehlte der Gemeinde allerdings das Geld. Doch jetzt teilt Verwaltungschef Barth auf SZ-Anfrage mit: Die im Jahre 1974 errichtete Schutzhütte Peterberg soll komplett saniert werden. Und zwar mit finanziellen Mitteln aus dem Kommunalinvestitionsförderungsgesetz des Bundes, von dem Nonnweiler als finanzschwache Kommune profitiert. Das Gesetz ist am 24. Juni vom Bundestag mit Zustimmung des Bundesrates beschlossen worden. Ende Juli erfuhr die Gemeinde Nonnweiler von diesem Förderungsprogramm. "Eine energetische Sanierung von gemeindeeigenen Gebäuden wird darin mit 90 Prozent gefördert", erklärt Barth. Eine neue Chance also für die Peterberg-Alm.

Der Rathaus-Chef geht davon aus, dass sich die Investitionen, um das Gebäude auf den neuesten Stand zu bringen, lohnen werden. "Wir wollen mit der Grundsanierung nicht mehr lange warten", kündigt Barth an. Bereits im kommenden Frühjahr sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein. Ob dann die Gemeinde Nonnweiler selbst oder ein Pächter das renovierte Ausflugslokal betreiben wird, darüber muss laut Bürgermeister noch diskutiert werden.