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20er-Jahre-Revue an der Europäischen Akademie Otzenhausen begeisterte

Zeitreise in die 20er Jahre : Achse Wien-Berlin-Budapest in Otzenhausen

20er-Jahre-Revue an der Europäischen Akademie begeisterte mit Musik und Kabarett.

Eine Zeit, die einzigartig und berühmt war für ihr Kabarett und ihre Musik, ließen kürzlich Susanne Marik, Axel Herrig und Béla Fischer in der Europäischen Akademie Otzenhausen (EAO) auferstehen.

Wien-Berlin-Budapest, diese Achse machte in den Goldenen Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Furore: Auf den Bühnen dieser drei Metropolen gaben sich die Altmeister des Humors quasi die Klinke in die Hand. Im Simplizissimus in Wien, im Apollo in Berlin und im Orpheum in Budapest wirkte die Crème de la Crème des unerreichten jüdischen Witzes.

„Die Melodien, der Wortwitz und auch die Mode dieser Zeit sind bis heute quicklebendig“, findet Kerstin Adam von der an der EAO ansässigen Stiftung europäische Kultur und Bildung, die den Abend organisiert hat. Wie sehr sie damit Recht hatte, bewiesen die drei Künstler, derzeit Mitglieder des Ensembles der Volksoper Wien, in ihrer kurzweiligen, bisweilen skurrilen Revue. Axel Herrig im weißen Frack brach als verruchter Lebemann die Herzen auch der stolzesten Frauen im Publikum, Susanne Marik betörte die Gäste nicht nur mit ihrem charmanten Wiener Akzent, sondern auch als bezaubernde Dame oder fesche Lola, und der Pianist Béla Fischer kommentierte den Auftritt der beiden mit verschmitztem Lächeln und manch kessem Zwischenruf.

Auf dem Programm stand unter anderem praktische Lebenshilfe: „Jede Dame braucht einen Hausfreund“, schlug Susanne Marik vor, und Axel Herrig hatte die Antwort parat auf den Stoßseufzer manches genervten Gatten: „Ich frag mich bloß: Wie werd‘ ich sie los?“

Das frech-augenzwinkernde Kabarett und die leichte, spritzige Musik der wilden 20-er Jahre spiegelten das Lebensgefühl einer explosiven Zeit wider, eine Art zu leben, als gäbe es kein Morgen. In der heutigen Wahrnehmung immer überschattet von der Katastrophe, die dieser Zeit und vieler ihrer Kabarettisten ein Ende setzte. Und so ließen sich auch Malik und Herrig eines nicht nehmen: auf das schwere Schicksal der jüdischen Komponisten und Künstler aus der Zeit zwischen den Kriegen hinzuweisen, die der Nachwelt so viele schwungvolle Evergreens hinterlassen haben.

Dass die Saarländer sich nur zu gern auf diese Zeitreise 100 Jahre zurück begaben und sich von der Atmosphäre mitreißen ließen, zeigten die stehenden Ovationen am Ende der Revue im ausverkauften und gleichzeitig – abstandsbedingt – mehr als halbleeren Saal.