Zwischen Vorfreude und Kritik

Russland als Austragungsort der olympischen Winterspiele – das ruft bei Menschen in der Region unterschiedliche Reaktionen hervor. Aus Interesse am Sport werden die meisten die Übertragungen aber verfolgen.

Kaum ein gutes Haar lässt Silke Brandt am Austragungsort der olympischen Winterspiele. Die 31-Jährige: "Biathlon und Slalom schau' ich zwar sonst sehr gerne, aber für mich ist Russland einfach nicht der richtige Austragungsort." Die Spiele seien "nur eine große Show, um über die Menschenrechtsverletzungen im Land hinwegzutäuschen", ist die Schneiderin aus Saarbrücken überzeugt. Damit wolle sich Präsident Wladimir Putin ins rechte Licht rücken. Die Veranstaltung habe keine nachhaltigen Auswirkungen, werde "vielleicht kurzfristig etwas Geld einbringen". Ein wenig bange wird es ihr bei dem Gedanken daran, dass es zu Anschlägen kommen könnte.

Kritisch sieht auch Thomas Geiger den Austragungsort. Der 60-jährige Namborner: "Ich hätte die Spiele lieber in einem Ort wie Garmisch-Partenkirchen gesehen, wo es schon viele Anlagen gibt und der Wintersport eine lange Tradition hat." Hingegen sei in Sotschi eine Retortenstadt aus dem Boden gestampft worden. "Viele der Gebäude werden nach den Spielen brach liegen", prophezeit er. Was indes den sportlichen Aspekt betrifft, zeigt sich der Chef des Marpinger Ski-Clubs enthusiastisch. Er werde so viel schauen, wie es ihm zeitlich möglich ist. "Neben Biathlon und Langlauf steht Ski-Alpin bei mir natürlich an erster Stelle." Wer selbst Skisportler ist, schaue "da ganz anders hin und entdeckt auch die kleinen Fahrfehler".

Auf Snowboarding und Skiabfahrt verlegt sich Stefan Klicker. Der 38-jährige ist Sportlehrer am St. Wendeler Gymnasium Wendalinum und hat vor, "gelegentlich reinzuschauen". Der Ottweiler hält allerdings auch nicht viel von der Vergabe der Olympischen Spiele an Russland. Verwundert ist er darüber aber nicht: "Die Verbindung von Olympia und Politik war schon immer untrennbar." Trotzdem sollten Olympische Spiele nur in echten Demokratien ausgetragen werden. Denn das Problem mit eingeschränkten Menschenrechten in Russland sei ihm durchaus bewusst. Darum findet er es gut, dass beispielsweise der Bundespräsident Joachim Gauck nicht nach Sotschi reist. "Ich hätte mir aber eine direktere Ansprache von ihm gewünscht."

Neben der politischen Dimension sieht die Theleyerin Inge Marx den Umweltaspekt. "Das ist doch eigentlich ein Badeort. Die Veranstaltung verursacht große Umweltprobleme, und viel Wald musste gerodet werden", erklärt die 74 Jahre alte Rentnerin. Was den Sport betrifft, "schaue ich Eiskunstlauf. Ich mag aber auch Skispringen und die Abfahrtsläufe." Trotz der Kritik an den Spielen werde sie zuschauen.

So auch Helmut Blass. "Ich gucke alles - außer Eiskunstlauf", sagt der 68-Jährige. Darum setze der Großrosselner Markthändler auch auf Olympische Spiele - "wenn ich Zeit habe". Was nichts an seiner ablehnenden Einstellung gegenüber der politischen Situation in Russland ändert. Blass: "Es ist unter Putin genau wie früher zu Zeiten der DDR und der Sowjetunion, wo der Sport benutzt wurde, um sich nach außen darzustellen." Die Menschen vor Ort litten. Und: "Von dem vielen Geld bleibt nichts bei ihnen hängen."Foto: ame

Mehr von Saarbrücker Zeitung