Zwillinge auf Abwegen

Drei Vorstellungen, drei Mal ein volles, ausverkauftes Dorfgemeinschaftshaus: Der Theaterverein Nahequelle Selbach führte den lustigen Schwank „Der falsche Anton“ auf und nahm mit Wort- und Spielwitz die Doppelmoral der Gesellschaft köstlich auf die Schippe.

Schwarzbrennerei, eine Gefängnisstrafe und ein geplantes Freudenhaus - in Selbach gerät die dörfliche Idylle völlig aus den Fugen. Aber nur auf der Theaterbühne im Dorfgemeinschaftshaus. Die Laiendarsteller des Theatervereins Nahequelle haben mit der Inszenierung des Schwanks "Der falsche Anton" von Wilfried Reinehr punktgenau den Geschmacksnerv des Publikums getroffen. Mit örtlichem Zungenschlag präsentieren die Mimen unterschiedliche Charaktere: Sprücheklopfer, Belehrungsapostel, eine Hausfrau im dritten Frühling oder eine ehrgeizige Geschäftsfrau im horizontalen Gewerbe, mal cholerisch, mal liebestoll und auch richtig himmlisch beknackt. Zur Begebenheit. Ein geplantes Bordell spaltet den Gemeinderat. Eine Hälfte findet die Nummer gut, andere wollen das Freudenhaus verhindern. Ausgerechnet vor der Abstimmung im Rat muss der Schnapshersteller Anton Storch (Gerd Becking) wegen Schwarzbrennerei eine Gefängnisstrafe antreten. Sein Freund Willi Bachmann (Arnold Becker) hat die zündende Idee. Storchs Zwillingsbruder (Gerd Becking) soll den Steuersünder während seiner Abwesenheit zu Hause und im Gemeinderat vertreten. "Der will doch nur meine Frau Wally vernaschen", befürchtet Anton Storch. Macht nichts. Und so nehmen die Verwicklungen ihren Lauf. Denn nicht alle sind eingeweiht, dass Paul eigentlich der falsche Anton ist. Unfassbar, nicht mal Wally Storch (Hermine Thome) merkt das. Dabei ist der Schnauzbart ab und aus ihrem ruppigen Anton ist plötzlich ein anschmiegsamer Ehemann geworden. Frau Storch blüht plötzlich regelrecht auf. Derweil sammelt die kurvenreiche Bordellchefin Lilly Lieblich (Sabine Stegmaier) kräftig Stimmen für ihr geplantes Etablissement. Vorzeige-Naivling Kuno Trinkaus (Guido Becking), der Storchs Sekretärin Flora (Verena Manz) im Auge hat, kann mit Lieblichs Berufszweig wenig anfangen. "Sie hat ein Ponyhotel und ich darf mal zum Reiten kommen", freut sich Trinkaus. Das Verwechslungsspiel geht hin und her, ach so lieb gemeinte kernige Sprüche tun ihr Übriges dazu. Nach abgebrummter Gefängnisstrafe sieht Anton Storch, was sein Bruder Paul für ein Chaos angerichtet hat. "Das soll ich alles gewesen sein", wehrt sich Anton Storch. Natürlich kommt es am Ende nicht zu der Ansiedlung eines Bordellbetriebes in Selbach . Aus dem vom Gemeinderat herbeigesehnten Stundenhotel wird ein Waisenhaus - und im Dorf verläuft wieder alles wie gehabt. Ganz kurzweilig haben die zehn Mundart-Amateurschauspieler das Publikum prächtig unterhalten. Einen starken Auftritt hat Gerd Becking in der Doppelrolle der Zwillingsbrüder Storch hingelegt, ohne dabei den Job vom Rest der Truppe zu schmälern. Das sieht das Publikum genauso. Zur Belohnung spenden die Besucher für die unterhaltsamen Stunden im Dorfgemeinschaftshaus viel Applaus.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Darsteller: Anton/Paul Storch, Gerd Becking, Wally Storch, Hermine Thome, Toni Storch, Simon Stegmaier, Willi Bachmann, Arnold Becker, Flora Bauer, Verena Manz, Kuno Trinkaus, Guido Becking, Alfred Schön, Carsten Zöhler, Lilly Lieblich, Sabine Stegmaier, Vera von dem Busch, Nancy Frank, Flachmann, Sascha Rausch, Regie, Edwin Klemm, Souffleure, Ingrid Zöhler, Edwin Klemm, Beleuchtung/Technik, Michael Gansen, Bühnenaufbau, Edwin Klemm, Jakob Rausch, Reinhold Hornetz, Gerd Becking, Hans Werner Sieren, Sascha Rausch, Arnold Wilhelm, Maske, Sabine Stegmaier, Julia Jung, Miriam Trappen. frf