Zu wenig Saarland im Zweiten?

Die Landesregierung wünscht sich mehr Saarland im ZDF. Ein CDU-Politiker wettert sogar, das Land sitze beim ZDF „in der letzten Reihe“. Der Sender bestreitet aber, dass er seinen Programmauftrag nicht erfülle.

So gut wie 2012 lief es für das Saarland lange nicht - jedenfalls im Programm des ZDF. Der Mainzer Sender strahlte exakt 24 Stunden und 55 Minuten Programm aus unserem Bundesland aus. Das geht aus Statistiken hervor, die der Sender der Landesregierung für die Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Uwe Conradt (CDU) und Sebastian Thul (SPD) zur Verfügung stellte. Die Gesamtdauer der Sendungen aus dem Saarland lag seit 2003 pro Jahr zwischen zehn und 25 Stunden - überwiegend kürzere Beiträge des ZDF-Landesstudios für Nachrichtensendungen und Magazine, aber auch größere Produktionen wie Reportagen in der Reihe 37°, Berichte über DFB-Pokalspiele, Übertragungen von Gottesdiensten und des Püttlinger Sommerbiathlons oder Sondersendungen zu Landtagswahlen. In den Jahren 2010 bis 2012 gab es maximal vier solcher größerer Produktionen.

Dies mache deutlich, dass sich der Anteil der im Saarland produzierten Programmanteile "im Promillebereich" bewege, schreibt die Landesregierung in ihrer Antwort. Die Programmpraxis des Senders entspreche nicht der Vorgabe im ZDF-Staatsvertrag, dass die Sendungen des ZDF "ein umfassendes Bild der deutschen Wirklichkeit vermitteln sollen". Gleiches gilt nach Ansicht der Landesregierung auch für die Vorgabe im Staatsvertrag, dass die Produktionen des ZDF "möglichst angemessen auf Produktionsstandorte in den Ländern verteilt werden". In beiden Bereichen sei das Engagement des Senders "unzureichend".

Der CDU-Medienpolitiker Uwe Conradt legte in einer Pressemitteilung nach. "Das Saarland sitzt beim ZDF in der letzten Reihe", erklärte der frühere Verwaltungsleiter der Landesmedienanstalt. Als Produktionsstandort für Spielfilme und Serien komme das Saarland praktisch nicht vor - obwohl die saarländischen Rundfunkbeitragszahler in den vergangenen zehn Jahren über 200 Millionen Euro an das ZDF gezahlt hätten. Dies sei bedauerlich, weil mit jeder Filmproduktion Teile der Produktionskosten in die jeweilige Region flössen und jede Fernsehproduktion im Saarland auch Werbung für das Land sei.

Das ZDF lässt derzeit 38 Serien- und Reihentitel produzieren, keine im Saarland. Conradt schlug vor: "Weder der Bergdoktor noch die Küstenwache kann das ZDF im Saarland drehen. Ich sehe aber keinen Grund, warum nicht eine der vielen SOKO-Reihen im Saarland spielen kann." Allein 2012 wurden 149 Folgen der SOKO-Serien in Deutschland und Österreich produziert - für bis zu 400 000 Euro pro Folge.

ZDF-Sprecher Jörg Berendsmeier erklärte auf SZ-Anfrage: "Selbstverständlich erfüllt das ZDF seinen Programmauftrag." Dieser unterscheide sich jedoch in der Regionalberichterstattung grundlegend vom Auftrag der Landesrundfunkanstalten. Die Bundesländer hätten das ZDF bewusst als den nationalen öffentlich-rechtlichen Fernsehanbieter konzipiert. "Der Programmauftrag des ZDF liegt deswegen schwerpunktmäßig im nationalen und internationalen Bereich", so Berendsmeier. Regionale Themen würden vor allem dann aufgegriffen, wenn sie von nationaler Bedeutung seien. Trotz des nationalen Schwerpunkts bemühe sich das ZDF, die Vielfältigkeit der Regionen angemessen in seinem Programm wiederzugeben.

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